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Marktbeschleuniger für Christo: Arc de Triomphe; Foto Stefan Kobel
Marktbeschleuniger für Christo: Arc de Triomphe; Foto Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 38 2021


Für Wahlunentschiedene: Über ihre Ideen für die Kulturpolitik nach der Wahl hat Hannah Kristina Friedrich Spitzenkräfte von CDU, SPD und Grünen für das ZDF befragt. Das 3sat-Magazin Kulturzeit hat die Parteiprogramme von AfD, Bündnis90/Die Grünen, CDU/CSU, Die Linke, FDP und SPD einem Kultur-TÜV unterzogen (Videos weiter unten auf der Seite).

Dauerhaft wolle sich das Gallery Weekend Berlin mit einem neuen Format etablieren, erklärt Kevin Hanschke in der FAZ anlässlich seines Rundgangs durch die Galerien: „Unter dem Zusatztitel 'Discoveries' stellen insgesamt 49 Galerien bis zum 19. September wiederentdeckte und unbekannte Künstler sowie junge Positionen aus. Damit beginne für die künftig zweimal jährlich stattfindende Veranstaltung eine neue Phase, sagt Maike Cruse, die das Gallery Weekend seit 2014 leitet. Während das Frühjahr den etablierten Künstlern gewidmet sein soll, werden im September thematisch ausgerichtete Gallery Weekends stattfinden – in diesem Jahr also die Neuentdeckungen: vierzig Künstler, die bisher kaum in Deutschland zu sehen waren. Das sei das 'Spielbein' zum 'Standbein' im Frühjahr, so Cruse. Die Verschiebung des Gallery Weekend 2020 habe den Wunsch der Berliner Galeristen bekräftigt, es in eine Kunst-Plattform zu verwandeln. Cruse plant einen 'digitalen Space', in dem sich Galeristen, Sammler und Besucher austauschen können. Die Fokussierung auf den deutschen und europäischen Markt sei intensiver geworden; für die wenigen Sammler aus Übersee biete man Zoom-Touren durch die Galerien an.“ Das klingt, als seien die Macher von GWB und der früheren Messe abc seine in der Realität angekommen. Ein bisschen spät vielleicht. Und ob zwei Galeriewochenenden ohne grundsätzliche Änderungen an der Struktur – sprich breiterer Einbindung der Berliner Szene - besser funktionieren als das alte Modell, ist dann doch eher fraglich.

Abgesehen vom letztjährigen Hotspot Wilhelm Hallen, den er jetzt als Neuentdeckung feiert, begeistert sich Christian Herchenröder im Handelsblatt besonders für das Angebot der König Galerie: „'Discoveries' ist eines der Generalthemen dieses Gallery Weekends. In dem nicht immer spannenden Reigen der Jungkünstler, den nicht alle Galerien bestücken, hat Königs 'Misa'-Auswahl von 19 meist Dreißigjährigen ein besonderes Gewicht. Bunt, bunter, noch bunter ist hier die Devise. Die Preise für die frischen Werke liegen meist bei 15.000 bis 21.000 Euro. Mit 51.000 Euro fällt ein mit Goldstaub angereichertes Bild des von Millionen Followern verwöhnten Tim Bengel aus dem jungen Preisgefüge.“

Wie es der Berliner Szene nach anderthalb Jahren Corona geht, wollte Birgit Rieger für den Tagesspiegel vom 17. September wissen. Dabei hat sie erfahren, wie einige Galerien über den Tellerrand blicken: „Auch ein globales Selbsthilfeprogramm hat sich etabliert. Tanya Leightons Direktorin Vanessa Boni ist eine der Initiatorinnen der Gruppe 'Galleries Curate'. Erst tauschte sich eine Handvoll Galeristinnen über eine Whatsapp-Gruppe aus. Bald waren es 21. Die Idee einer globalen Gemeinschaftsausstellung wurde geborne, ein Thema gefunden, das alle verbindet: Wasser. Von Januar bis in den Sommer 2021 präsentierten sie 21 Ausstellungen im Netz und in ihren Ausstellungsräumen von Berlin über Paris bis Hongkong. Das gemeinsame Schaffen motivierte. Plötzlich waren Kooperationen möglich, für die vorher niemand Zeit hatte.“

Im Vorfeld der Art Basel interessieren Alexandra Stühff von der NZZ die aktuellen Markttrends: „Dieser noch sehr junge Markt – gemeint sind damit die sogenannten Non-Fungible Tokens (NFT) – ist derzeit einer der wichtigsten Trends in der Branche. Dieser Trend sorge gerade für eine Zweiteilung des Marktes – in einen traditionellen Kunstmarkt und einen Markt für NFT –, beobachtet Georg Bak. Der ehemalige Schweizer Galerist ist seit einigen Jahren auf NFT spezialisiert und berät Sammler, Family-Offices und andere Kunstinteressierte, die in diesen Bereich investieren wollen. Für Bak handelt es sich um nicht weniger als 'die grösste Kunstbewegung seit dem Kubismus Anfang des 20. Jahrhunderts', die noch ganz am Anfang stehe.“

Auf den veränderten Ton in der Kommunikation mit ihren Ausstellern verweist Anna Brady im Art Newspaper: „Jeder, der die Mitteilungen der Art Basel an ihre Galerien während der Pandemie gelesen hat, wird eine deutliche Veränderung des Tons festgestellt haben. Früher sprach die Institution mit einer fast klinischen Stimme aus ihrem Elfenbeinturm. Aber das schien einer Pandemie nicht angemessen zu sein. [...] Aber kann die Art Basel ihre Position behaupten und gleichzeitig zugeben, dass auch sie nicht alle Antworten kennt? [Direktor Marc] Spiegler insistiert: 'Man kann nicht bescheiden und arrogant zugleich sein, aber man kann bestimmt und bescheiden sein.'"

Von der terminlichen Nähe zur Art Basel erhofft sich Nicola Ricciardi, neuer Direktor der Miart in Mailand, Synergien, auch wenn er einige internationale Galerien in diesem Jahr dadurch verloren habe. Nachzulesen im Gespräch mit Anna Brady im Art Newspaper: „Wird die zeitliche Nähe zur Art Basel die Besucher abschrecken? Ricciardo hofft, dass dies nicht der Fall ist, da die Stadt nur eine kurze Zugfahrt von Mailand entfernt ist und, wie er sagt, 'aktuell viele Hotel für das Wochenende gebucht sind, was ungewöhnlich ist, so dass ich denke, dass die Leute von Mailand nach Basel reisen werden.“ Die Frage ist nur, ob sie dann schon in Mailand kaufen oder lieber doch erst in Basel.

Der Sessel der Kulturstaatsministerin ist noch warm, doch Christiane Peitz resümiert im Tagesspiegel schon einmal die Amtszeit von Monika Grütters: „Wird die Kultur in Deutschland zur Staats- und Repräsentativkunst, mag man sich bei so viel Etatsteigerung fragen? Ein Blick auf den Föderalismus rückt den Eindruck der Zentralisierung schnell wieder zurecht. Laut Kulturfinanzbericht 2020 gab die öffentliche Hand vor Corona insgesamt 11,4 Milliarden Euro für die Kultur aus. 44 Prozent stemmen die Kommunen, knapp 39 Prozent die Länder, 17 Prozent der Bund, und davon gehen 60 Prozent an Einrichtungen außerhalb Berlins, auch nach der Aufstockung des Hauptstadtfinanzierungsvertrags. Zwar zwingt die Pandemie vor allem die Kommunen zum Sparen. Trotzdem dürfte der Löwenanteil der Zuständigkeiten den Playern vor Ort vorbehalten bleiben.“

Schindluder auf NFT-Marktplatz – wer hätte das gedacht!? Über Insiderhandel bei der NFT-Plattform Opensea berichtet Axel Kannenberg bei heise: „Wie Plattform-Chef Devin Finzer eingestand, habe einer seiner Mitarbeiter das Wissen darum ausgenutzt, wann bestimmte Tokens prominent auf der Open-Sea-Startseite platziert werden. Die nicht namentlich genannte Person habe dann die Tokens vor der Platzierung aufgekauft, wohl in der Hoffnung auf nachfolgende Wertsteigerungen.“

Gleichzeitig scheut die Szene offenbar hartnäckig jegliche Form staatlicher Regulierung. Der Sammler, der die Unregelmäßigkeiten öffentlich gemacht hatte, hat laut Shanti Escalante-De Mattei bei Artnews auf Twitter Journalisten beschimpft, weil nicht als Zeuge ihres „Regulierungs-Narrativs“ herhalten wolle. Klar, da hat man so ein schönes Finanzinstrument jenseits aller Kontrolle, da möchte man doch nicht gern steuern zahlen oder sich an Gesetze halten. Sowas regelt man doch unter sich.

Über die Bedeutung von NFTs für die Versicherungsbranche habe ich für Artmagazine mit dem Kölner Kunstversicherungsmakler Stephan Zilkens gesprochen.

Anlässlich der Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris beleuchtet Y-Jean Mun-Delsalle bei Artsy den Markt für Arbeiten von Christo und Jeanne-Claude.

Fürs Protokoll: Der Nachlass von Donald Judd wechselt von David Zwirner zurück zu Gagosian, meldet Kaylie Felsberg bei Artsy.