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Kobels Kunstwoche

Hongkong; Foto Wilfredor via Wikimedia
Hongkong; Foto Wilfredor via Wikimedia
Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 14 2025

Selten sind die für gewöhnlich rosaroten Messeberichte der einschlägigen Medien so zurückhaltend wie bei der diesjährigen Art Basel Hong Kong, wenn man den Kunstmarkt-Sprech zu entschlüsseln weiß. Harrison Jacobs beobachtet für Artnews: „Bei den Blue-Chip- und Mega-Galerien gingen die Verkäufe schnell vonstatten, und viele Werke waren bereits vorab verkauft oder reserviert, als um 12 Uhr mittags der Startschuss fiel. In Gesprächen mit Händlern in etwa einem Dutzend kleiner und mittelgroßer Galerien gaben die meisten jedoch an, dass sie bis zum Ende des Tages nur einige Werke der mittleren oder unteren Preisklasse verkauft hatten. „Dies ist keine Messe für den ersten Tag“, sagte mir der Verkaufsleiter einer Galerie aus den USA, bevor er mich fragte, ob ich mit dem Verfassen des Verkaufsberichts bis später auf der Messe warten könnte, die noch bis Sonntag dauert.“ Vivienne Chow und Cathy Fan bringen bei Artnet (evtl. Paywall) einen kritischen Satz in der Mitte des Textes unter: „Eine Reihe von Galerien aus Asien und dem Westen gaben an, dass sie mit dem ersten Tag der Messe zufrieden waren, auch wenn einige sagten, dass die Verkäufe nur langsam in Gang kamen. Die meisten Händler gingen bei der Auswahl ihrer Werke auf Nummer sicher. Blue-Chip-Unternehmen berichteten von soliden Verkäufen.“ Auf eine veränderte Sammlerschaft weisen Kabir Jhala und Lisa Movius im Art Newspaper (evtl. Paywall) hin: „Die Anwesenheit neuer Sammler hat vielleicht dazu beigetragen, etwas von der Dynamik, die ABHK vor der Pandemie hatte, wiederzubeleben, aber es hat auch deutlich gemacht, wie viel sich seit den massiven Verkäufen und der rasenden Energie des Booms in China in den 2010er Jahren verändert hat. Die Ausgaben vom Festland, der treibenden Kraft dieses Phänomens, sind immer noch rückläufig: Berichte zahlreicher Galeristen, dass an ihren Ständen weniger Mandarin gesprochen wird, decken sich mit den neuesten Auktionsdaten für diese Region, wo die Verkäufe im Jahr 2024 um 41 % zurückgingen, wie aus einem aktuellen Bericht von ArtTactic hervorgeht. Es gibt jedoch Anzeichen für eine Erholung, wenn auch in einem zurückhaltenderen Ansatz als zuvor. Die Bedeutung der ABHK für die größere Region betont Laura Helena Wurth in der FAZ vom 29. März: „Ein Großteil der angereisten Sammlerschaft kommt aus Thailand, Singapur oder von den Philippinen und ist nicht vom Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China betroffen. Dennoch lässt das Verkaufsgeschäft sich langsam an. Die Art Basel Hongkong sei ein Marathon, erklärt ein amerikanischer Galerist. Hier würden viele Kunden nicht gleich am ersten Messetag zuschlagen, sondern kämen mehrmals, ehe sie sich im besten Fall zum Kauf entschieden. Insgesamt sind 240 Galerien aus 42 Ländern vertreten. 23 Aussteller sind zum ersten Mal dabei. Das ist ein gutes Zeichen für den Kunststandort Hongkong, der sich mit den Auswirkungen eines verschärften Sicherheitsgesetzes gegenüber Kritikern der chinesischen Zentralregierung konfrontiert sieht.“

Die Auktion bei Christie's in Hongkong scheint den etwas verhaltenen Eindruck zu bestätigen, ist dem Bericht von Ilaria Maria Sala bei Artnews zu entnehmen: „Obwohl der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war, verlief der Verkauf am Freitagabend etwas langsamer und brachte insgesamt 73,3 Millionen US-Dollar (einschließlich Käuferaufgeld) ein, ohne große Überraschungen. Der Verkauf war in etwas mehr als einer Stunde abgeschlossen. Obwohl 95 Prozent der 43 Lose verkauft wurden, lagen die meisten am unteren Ende ihrer Schätzungen vor dem Verkauf, wobei der Gesamtpreis 6 Prozent über der niedrigsten Schätzung des Verkaufs lag. Cristian Albu, stellvertretender Vorsitzender von Christie's und Leiter der Abteilung für zeitgenössische Kunst im asiatisch-pazifischen Raum, sagte in einer Pressekonferenz nach dem Verkauf, dass diese Zahlen darauf hindeuten, dass die angebotenen Werke 'für diesen Markt preislich angemessen' seien, trotz 'einiger Herausforderungen bei der Beschaffung'.“

Die beiden parallel stattfindenden Messen Salon du Dessin und Drawing Now in Paris sind für Bettina Wohlfarth von der FAZ ein Erfolgsduo: „Anfänglich hatte jede Schau ihr eigenes Publikum. Mittlerweile interessiert sich ein wachsendes Publikum aus Interessierten, privaten und institutionellen Sammlern für die Zeichnungen auf beiden Messen. Und weil die Kunst bei der Zeichnung beginnt, sind sie zu einer Schule des Sehens geworden. Während man bei Drawing Now schon ab drei- oder vierhundert Euro Blätter junger Künstler erwerben kann, beginnen die Preise beim Salon du Dessin bei ­mehreren Tausenden.“ Aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus kommt Alexandra Wach nach ihrem Besuch des Salons für den Tagesspiegel (Paywall): „Die Messe in der ehemaligen Pariser Börse im Palais Brongniart ist einzigartig. Nicht zuletzt, weil der Ansturm an den Standwänden dazu führt, dass Sammler und internationale Museumsvertreter in den engen Kojen darum kämpfen müssen, ihre Hälse ganz nah an die fragilen Papiere ausstrecken zu können.“ Das Handelsblatt begnügt sich mit einem Vorbericht von Aurélie Tanaqui.

Nachdem in der letzten Woche der Kunstmarkt in der Druckausgabe des Handelsblatts komplett weggefallen war, besteht der Aufmacher von diesem Wochenende aus einem Text, der bereits von einem Monat online gelaufen ist.

Hoffen lasse der Zuspruch im Einstiegssegment, glaubt Carlie Porterfield nach ihrem Besuch der New Yorker Grafikmessen im Art Newspaper (evtl. Paywall): „Drei Jahre nach dem Abschwung auf dem globalen Kunstmarkt sagen Messen und Händler, die sich der Druckgrafik widmen, dass edierte Werke auf Papier besser abschneiden als andere Medien und es sogar geschafft haben, die Aufmerksamkeit einer neuen Sammlerschicht zu gewinnen. Das Phänomen wurde am Donnerstag (27. März) bei der VIP-Eröffnung der jährlichen Druckgraphik-Messe der International Fine Print Dealers Association (IFPDA) am deutlichsten sichtbar [...] 'Obwohl es an der Spitze des Marktes eine gewisse Abschwächung gegeben hat, schauen die Leute auf die Abendverkäufe und stellen diese düsteren Prognosen auf', so Jenny Gibbs, Geschäftsführerin der IFPDA, gegenüber The Art Newspaper. 'Was wir in unserem Marktsegment sehen, ist ein unglaubliches Wachstum. Wir hatten für diese Messe mehr Anmeldungen als in vielen, vielen Jahren zuvor.'“

Marina Abaramović hat nach drei Jahren ein neues NFT-Projekt angekündigt, das Louis Jebb im Art Newspaper (evtl. Paywall) vorstellt.

Bund, Länder und Kommunen haben laut einer Pressemitteilung letzte Woche ein Verwaltungsabkommen zur Einrichtung einer Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut unterzeichnet: „Durch die Reform soll die Rückgabe von NS-Raubgut vereinfacht und verbessert werden. Wichtige Änderungen sind die Möglichkeit der einseitigen Anrufbarkeit durch Antragberechtigte sowie größere Rechtssicherheit durch Verbindlichkeit der Entscheidungen der Schiedsgerichte der Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut. Die Beweisregelungen des Bewertungsrahmens der Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut ermöglichen gerechte und faire Lösungen für die noch heute – knapp 80 Jahre nach Kriegsende – offenen Fälle.“

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat ihr Rückgrat entdeckt, lässt sich einer Meldung Ulrich Raphael Firschings bei kunstmarkt.com entnehmen: „Nach dem Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit greife der amerikanische Präsident nun die unabhängigen Museen an, betonten Hermann Parzinger, der noch amtierende Präsident der Preußenstiftung, und seine designierte Nachfolgerin Marion Ackermann. 'In freien Gesellschaften führen wir Diskurse, handeln die Dinge aus, aber lassen nicht zu, dass per Dekret bestimmt wird, was gedacht und gezeigt wird'“.

Die neue Direktorin der Frieze Masters ist Emanuela Tarizzo, melde ich bei Artmagazine.

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Dr. Stephan Zilkens | Zilkens Kunstversicherung