Lösung in Sicht für Benin-Bronzen; Foto Daderot via Wikimedia
Art Brussels Week, Galerie Sorry We're Closed; Foto Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 23 2021

Der Ehrliche ist immer der Dumme. Kulturschaffende und andere Solounternehmer, die sich von den Drohgebärden der Obrigkeit haben einschüchtern lassen und ihre Corona-Soforthilfen zum Teil oder zur Gänze zurückgezahlt haben, sehen sich zur Belohnung für ihre Ehrlichkeit (oder Ängstlichkeit) jetzt massenhaft mit Ermittlungsverfahren konfrontiert, alarmiert der bbk Berlin in einer Pressemitteilung: „Und genau diese Fälle nimmt die Staatsanwaltschaft jetzt zum Anlass, bei den Antragsstellenden Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Betrug einzuleiten und circa 2.000 (!) Personen, die den Berliner Zuschuss binnen einer Frist von 2 Wochen zurückgezahlt hatten, zu kriminalisieren.“

Eines der undurchsichtigsten Themen im Kunsthandel ist die Preisgestaltung. Christiane Fricke versucht im Handelsblatt, etwas Licht ins Dunkel zu bringen: „Wer preisgünstig im Handel einkauft, kann und darf hohe Margen erzielen. 'Kaufen wir im Kunst- und Auktionshandel ein, sind wir bei der Preisgestaltung frei', erläutert ein bekannter Frankfurter Kunsthändler auf Nachfrage des Handelsblatts […] Anders liegt der Fall, wenn der Kunsthändler aus Privatbesitz kauft. 'In diesem Fall sind wir die Fachleute, und der Verkäufer der Laie. Wir sind verpflichtet, ihn über den Marktwert aufzuklären und ihm einen angemessenen Preis zu zahlen', erklärt der Händler [...]. Natürlich könne er das Objekt nicht zum zehnfachen Preis verkaufen. 'Das wäre Wucher.'“

Kein rauschender Erfolg sei der Sotheby's-Auktion mit Kunst von Frauen beschieden gewesen, urteilt Angelica Villa bei Artnews: „37 Prozent der Lose verkauften sich über ihren oberen Taxen, während 41 Prozent zu Preisen innerhalb ihrer Schätzungen verkauft wurden und 22 Prozent unter ihren niedrigen Schätzungen blieben oder keinen Käufer fanden. Da bei Day Sales oft konservativ taxiert wird, verkaufen sich die meisten Werke oberhalb der oberen Schätzung. So gesehen war '(Women) Artists' kein durchschlagender Erfolg.“

Über die möglichen Gründe für die Rückkehr von Sotheby's nach Deutschland mache ich mir bei Monopol Gedanken.

Über „Deutsche Kunstmuseen als Akteure im Kunsthandel. 'Vergangene Werke' der Hamburger Kunsthalle“ spricht die Kunsthistorikerin Ute Haug eine Dreiviertelstunde lang auf Youtube.

In Italien werden Stimmen lauter, die 620 antike Skultpuren umfassende Sammlung der Familie Torlonia zu kaufen, nachdem Fotos der stark vernachlässigten Kunstwerke aufgetaucht sind, berichtet James Imam ausführlich im Art Newspaper.

Ganz bestimmt werde die Art Basel im September stattfinden, berichten Maximilíano Durón bei Artnews und Gareth Harris im Art Newspaper.

In Brüssel und drei weiteren Städten hat der physische Teil der hybriden Art Brussels eröffnet, den ich für das Handelsblatt und Artmagazine besucht habe. Durch das Londoner Gallery Weekend führt dessen Medienpartner Art Newspaper.

Eine qualitativ hohe Bandbreite vereinige die aktuelle NFT-Auktion, mit der Christie's wohl seine Position auf dem Markt festigen wolle, beobachtet Werner Remm im Artmagazine: „Die NFTs von Künstler:innen wie Jenny Holzer und Nam June Paik mögen noch dem aktuellen Hype geschuldet sein, aber die Auktion zeigt, dass digitale Kunst kein neues Phänomen ist und es Künstler:innen in diesem Feld gibt, die über NFTs endlich auch für ein breiteres Sammlerpublikum interessant werden.“

Die ultimativen Must Haves, superseltene CryptoPunks, gebe es in einer einmaligen Auktion bei Sotheby's, berichtet Rachel Trent bei CNN: „'CryptoPunks sind 24 x 24 Pixel große, im 8-Bit-Stil generierte und auf der Ethereum-Blockchain gespeicherte Charaktere', so Larva Labs, das Studio, das CryptoPunks im Jahr 2017 entwickelt hat. Das Studio erklärt, die Cryptopunks sind die ersten NFTs auf Ethereum. Es gibt 10.000 von ihnen und keine zwei sind genau gleich. Cryptopunk 7523 ist einer von neun Alien CryptoPunks, dem seltensten 'Punk-Typ', und es ist der einzige Alien Punk mit einer Maske, sagte Sotheby's.“ Es handelt sich also recht eindeutig um Collectibles, sowie Pokemons oder Panini-Bilder.

Mittlerweile sollte deutlich sein, dass der Kunstmarkt und der NFT-Markt nur eine kleine Schnittmenge haben und letzterer wohl eher im Bereich der Collectibles angesiedelt ist. Hier haben sich die großen Auktionshäuser bereits eindeutig positioniert, wie etwa mit dem nächsten großen Turnschuhverkauf bei Christie's, über den Sammy Su in Hypebeast schreibt. Bei den NFTs lässt diese Ausdifferenzierung noch auf sich warten.

Seine Behauptung vom Zusammenbruch des NFT-Marktes belegt der Branchendienst Protos mit Zahlen. Demnach ist das Handelsvolumen innerhalb eines Monats um 90 Prozent eingebrochen.

Klingt nach NFT, ist aber „richtige“ Kunst: Der italienische Künstler Salvatore Garau habe laut Lauren Lewis in der Daily Mail über das italienische Autkionshaus Art-Rite eine aus Nichts bestehende Skulptur für umgerechnet 13.000 Pfund an einen unbekannten Käufer versteigern lassen. Immerhin gebe es für diese Summe ein Zertifikat, das Existenz und Echtheit von „Io sono“ (Ich bin) bestätigt.

Noch vor einigen Jahren hätte man sie als Teufelszeug verdammt – heute könnte eine neue App zum Gamechanger werden: Limna ist eine neue App (aktuell nur für iPhone) , die Kaufinteressierten anhand der Größe eines Kunstwerks mitteilt, ob die Preisforderung der Galerie angemessen ist. Die Software bedient sich dazu der Daten von Artfacts.net.

Die FAZ schaut in ihrem Kunstmarkt vom 5. Juni auf die deutschen Frühjahrsauktionen voraus, online frei zugänglich ist der Vorbericht von Kevin Hanschke auf das Angebot von Villa Grisebach in Berlin.

Auf die Versteigerung von XXL-Formaten aus der Sammlung Olbricht bei Van Ham in Köln macht Christiane Fricke im Handelsblatt aufmerksam.

Das schmale Œuvre und ein entsprechend knappe Angebot machen die Erstellung eines Preisbildes für Arbeiten des Romantikers Carl Blechen nicht einfach; Michael Lassmann unternimmt den Versuch in der WELTKUNST (kostenlose Registrierung erforderlich).

Etwas vom Wirecard-Skandal streift auch den Kunstmarkt, haben René Bender, Felix Holtermann, Sönke Iwersen, Lars-Marten Nagel, Michael Verfürden und Volker Votsmeier für das Handelsblatt herausgefunden: „Auch wertvolle Kunstwerke wie das Feld 83/84' von Günther Uecker seien allein Brauns Ehefrau zuzurechnen, bezeugt Rechtsanwalt Wolfgang Lindle. Sein Freund Markus Braun sei an Kunst nie interessiert gewesen, versichert der Jurist in einer eidesstattlichen Erklärung vom 16. November 2020. 'Sämtliche Kunstwerke, insbesondere Bilder, die er erworben hatte und noch erwarb, bilden ausschließlich Geschenke an seine Gattin.'“ Das Nagelbild Ueckers hatte mit 788.000 Euro brutto 2013 bei Lempertz in Köln den deutschen Auktionsrekord für den Künstler erzielt.