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Kobels Kunstwoche

Lösung in Sicht für Benin-Bronzen; Foto Daderot via Wikimedia
Banksy lacht auch nicht mehr. Bild Major Clanger via Flickr unter CC 2.0

Kobels Kunstwoche 21 2021

Sotheby's und Rose-Maria Gropp von der FAZ haben jeweils einen Coup gelandet: Exklusiv meldet die Autorin die Rückkehr des ersten großen internationalen Auktionshauses nach Deutschland: „Klar ist indessen, was diese Umwandlung Deutschlands vom bloßen Beschaffungsort hin zum 'selling centre' bedeutet: Der neue global agierende Mitbewerber möchte den reichen deutschen Markt abschöpfen, nicht nur was den Zufluss angeht, sondern auch was die steigende Aktivität deutscher Käufer in internationalen Auktionen betrifft – und ebenso die Präsenz einer internationalen Klientel im zuletzt ausschließlich von deutschen Auktionshäusern bespielten Feld.“ Nach dem Brexit war es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Auktionsgiganten wieder auf dem europäischen Festland etablieren.

Sind Galeriewochenenden die neuen Kunstmessen? Für Georgina Adam und das Art Newspaper ein vorstellbares Szenario: „So wie es aussieht, haben fast alle Galerien geschworen, die Anzahl der Messen, an denen sie teilnehmen, zu reduzieren. Es wird also wahrscheinlich sowieso weniger Messen geben - eine kleine Anzahl von großen und dann mehr regionale Nischenveranstaltungen. Viele Sammler und Galeristen werden zumindest für einige Jahre nicht in die Messetretmühle zurückkehren, aus Angst vor Reisen und manchmal auch aus Sorge um die Umwelt. Galerie-Wochenenden scheinen also zu wachsen und zu florieren. Sie werden die Messen vielleicht nicht vollständig ersetzen, aber sie bieten Galeristen, Sammlern und Künstlern gleichermaßen eine gute Lösung für unsere unruhigen Zeiten.“

Eine Woche vor Galerieplattform_DE der Art Cologne ist David Zwirner mit seiner verblüffend ähnlich aufgestellten Platform online gegangen, auf der jeden Monat 100 Werke junger Kunst anderer Galerien angeboten werden sollen, berichtet Robin Pogrebin in der New York Times.

Die Schwierigkeiten an verlässliche Zahlen zum Kunstmarkt zu kommen und warum entsprechende Reports mit Vorsicht zu genießen sind, erörtere ich im Handelsblatt.

Ausgerechnet ein als verschnarcht geltendes Sammel- und Forschungsgebiet ist bei der Digitalisierung ganz vorne, lehrt uns Catherine Hickley im Art Newspaper: „Das Portal ikmk.net wird freien Zugang zur größten Münzdatenbank im deutschsprachigen Raum bieten, die Teile der Sammlungen des Münzkabinetts in Berlin und seines Pendants im Kunsthistorischen Museum in Wien sowie Tausende von Münzen in kleineren Museen und Universitätssammlungen umfasst.“

Bei den NFTs ist jetzt die Zeit der Dachbodenfunde angebrochen, und wie bei Antiquitäten üblich, stellt sich die Frage nach Authentizität und Überrestaurierung. Die Warhol Foundation hat alte Warhol-Computergrafiken ausgegraben, die Christie's versteigert. Prompt regt sich Widerspruch, über den Anjelica Villa bei Artnews berichtetet: „Golan Levin, der das Frank-Ratchye STUDIO for Creative Inquiry Labor der Carnegie Mellon University leitet, das die Dateien von Warhols Computer wiederhergestellt hat, sagte, dass die NFTs, die bei Christie's verkauft werden, weit von den Originalen entfernt sind. In einem Interview sagte Levin, dass diese NFTs von Bildern stammen, die mit einer höheren Auflösung reproduziert und nach der Restaurierung mit moderner Technologie neu formatiert wurden, wodurch sie verändert wurden. In einem Interview mit CNN sagte der CEO von Christie's, Guillaume Cerutti, dass der Verkauf für Sammler 'die Möglichkeit darstellt, die Einzigartigkeit und Authentizität dieses Werkes auf der Blockchain zu sichern.' Levin kontert diese Aussage mit den Worten: 'Christie's hat leichtfertig gesagt, dass man fünf originale Kunstwerke erhält. Das stimmt so nicht. Sie bekommen diese Art von Stellvertreter oder Ersatz.'“

Ob in der digitalen oder realen Welt – der Kunstmarkt wird sich treu bleiben, glaubt Georgina Adam im Art Newspaper: „Ich würde argumentieren, dass eine parallele, aber ähnliche Welt entstehen wird, die die traditionelle Kunstwelt nachahmt. Der Wunsch, digitale Kunst jenseits des privaten Vergnügens am Bildschirm zu zeigen und zu fördern, ist bereits vorhanden: Ausstellungen entstehen in New York, Köln und sogar in Peking. Aber das ist noch nicht alles. Auch wenn die traditionellen Gatekeeper umgangen werden können, müssen immer noch Entscheidungen über die Flut von Kunstangeboten getroffen werden: Ein vielbeschäftigter Sammler wird selten die Zeit haben, sich durch alle Angebote zu wühlen. Es werden Plattformen entstehen, bei denen Kuratoren ihre Dienste anbieten. Schon bald wird es einen Bedarf an der Infrastruktur geben, die für das Betreiben einer Sammlung notwendig ist, sogar in einer elektronischen Wallet: jemand, der Zahlungen leistet, andere, die den Überblick über Werke und Leihanfragen behalten, Anwälte, die Verträge schreiben. Klingt das bekannt?“

Es war so teuer wie ein Rothko, also verdient es auch eine solche Präsentation. Wohl nach dieser Logik will der Käufer dem 62 Millionen Dollar-Bild von Sacha Jafri ein eigenes Museum errichten. Rebecca Anne Proctor hat die bizarre Geschichte für Artnet aufgezeichnet: „Der Unternehmer möchte mit seinem zukünftigen Museum ähnlich wie die Rothko Chapel in Houston, Texas, einen Ort schaffen, an dem man über Kunst und Menschenrechte nachdenken kann. Neben Jafris Meisterwerk, das den Guinness-Weltrekord gebrochen hat, wird der Raum auch Schlafsäle beherbergen, in denen Kinder mit besonderen Bedürfnissen, Flüchtlinge und Waisenkinder an Kunstworkshops mit Jafri teilnehmen können.“

Dazha Zhukova, die Oligarchentochter und Kunstmäzenin mit der Garage in Moskau, macht jetzt in Irgendwas mit Immobilien und Kunst, hat Elisa Lipsky-Karasz für das Wall Street Journal erfahren: „Ray, der Name von Zhukovas neuer Marke, soll eine Nische füllen, die sie in der Welt des Wohnens sieht: den Mangel an Kunst- und Kulturerlebnissen in urbanen Immobilienprojekten. Wo andere Gebäude und 'Co-Living'-Räume Annehmlichkeiten wie Golfsimulatoren und Hundepflegedienste anbieten, werden Rays Gebäude ein kulturelles Programm wie Meisterklassen, Veranstaltungen und Workshops anbieten, die von lokalen Institutionen und Künstlern durchgeführt werden, um kreative Synergien zu fördern, sagt die 39-jährige Zhukova, wobei die Mieten auf oder unter dem Marktniveau liegen.“

Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder! Im Handelsblatt berichtet Susanne Schreiber von einem solchen auf politischen Ebene: „Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) meldete sich am Mittwoch nach der ersten physischen Tagung im Kultur- und Medienministerrat der EU in Brüssel: 'Die Corona-Pandemie ist für große Bereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft eine Katastrophe. Es wäre ein sehr gutes Signal für den Neustart unseres Kulturlebens in der EU, wenn für den gewerblichen Kunsthandel im europäischen Recht ermäßigte Mehrwertsteuersätze gelten würden,“ plädiert die Ministerin. „Das würde der wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie Flügel verleihen.'“ Ob der Bürgerdialog der Kanzlerin da geholfen hat?

Banksys Aussage „Urheberrecht ist etwas für Verlierer“ fällt ihm jetzt auf die Füße. Anny Shaw berichtet im Art Newspaper vom jüngsten Prozesse, den der Street Art-Künstler verloren hat: „Der britische Straßenkünstler Banksy hat einen zweiten Markenrechtsstreit verloren, dieses Mal über sein berühmtes Affenbild. Das Urteil, das gestern vom Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) veröffentlicht wurde, folgt auf eine Entscheidung im September, die Banksy die Marke seines Werks 'Flower Thrower' entzieht.“

Neues vom Grünen Gewölbe: Auch der fünfte und letzte Verdächtige würde jetzt gefasst, meldet dpa, nachzulesen unter anderem bei Monopol. Ort der Festnahme: Neukölln. Wie überraschend.

Vor den Karren der Beltracchischen Robin Hood-PR lassen sich Ronja von Rönne für den Capital-Podcast und Natalie Maxine Thimm für Capital einspannen, wo das Betrüger-Ehepaar seine bekannte Selbstbeweihräucherung betreiben darf: „Die Wut dieser Experten über die gelungene Täuschung könne Wolfgang Beltracchi 'gut verstehen', sagt er. 'Aber das liegt nicht an mir.' Stattdessen hätten einige sich selbst überschätzt. Ob sie beim Handel mit den Fälschungen ein schlechtes Gewissen hatten? 'Das hatten wir nicht', sagt das Paar fast aus einem Mund. Denn sie hätten nicht an Privatpersonen, sondern an Auktionshäuser und Gesellschaften verkauft, die ohnehin Milliardenumsätze gemacht hätten.“ Das Übliche halt: Die Experten sind alle eitle Selbstüberschätzer und der Kunsthandel eine Bande von üblen Konzernen ohne Endkunden – am Ende tut man sogar etwas Gutes, wenn man die hinters Licht führt. Warum nochmal soll man für so eine Form der kritiklosen Journalismus-Simulation Geld bezahlen? Weil die Methode bei den Beltracchis auch funktioniert hat?