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Kobels Kunstwoche

Lösung in Sicht für Benin-Bronzen; Foto Daderot via Wikimedia
Keine Munich Highlights im Sommer; Foto Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 24 2021

Da wiehert der Amtsschimmel: Den für Anfang Juli angesetzten Highlights in München wurde behördlicherseits keine Ausnahmegenehmigung erteilt, weil es sich dabei um eine Messe handelt. Die Aussteller zeigen für die Entscheidung ebenso wenig Verständnis wie Christiane Meixner in der WELTKUNST: „Vielleicht sollte sich die Highlights umbenennen: in Kunstspaziergang oder Flaniermeile für Antiquitäten. Denn mit den Mega-Veranstaltungen in der Messestadt Riem haben die Highlights ebenso wenig zu tun wie atmosphärisch mit der nahen Fußball-EM, die am 15. Juni in der Allianz-Arena startet – und der Erlaubnis, dass pro EM-Partie rund 14.000 Fans in das Fußballstadion dürfen.“ Die neue Laufzeit ist laut Pressemitteilung vom 19. bis 24. Oktober.

Die Drawing Now in Paris hat hingegen stattgefunden, mit Erfolg, wie Olga Grimm-Weissert bei ihrem Besuch für das Handelsblatt notiert: „Der Appetit der Sammler ist ungebrochen, wie das Geschäft an den beiden vorgeschalteten VIP-Tagen verriet. Etliche Galeristen äußerten sich höchst zufrieden über ihre frühen Verkäufe. Die Mehrzahl der Aussteller sind Franzosen, aber man trifft auch auf Galerien aus Belgien, Holland, Österreich und Luxemburg.

In Berlin habe Villa Grisebach dank Internet ein starkes Ergebnis eingefahren, urteilt Michaela Nolte im Tagesspiegel: „Max Liebermanns 1924 gemalte 'Reiter in der Allee bei Sakrow' im Berliner Auktionshaus Grisebach [...] konnte seine Schätzung verdoppeln und ging für stolze 1,2 Millionen Euro an eine norddeutsche Privatsammlung. Ein bemerkenswertes Ergebnis, zumal der Bieter online zugeschaltet war. Mit insgesamt 1.465.000 Euro ist es die bislang höchste Summe, die via Internet auf einer Auktion in Deutschland gewährt wurde. Dass die Zeit der Online-Versteigerung als Nebenschauplatz allein für das niedrigpreisige Segment vorbei ist, haben aber auch weitere Zuschläge im sechsstelligen Bereich gezeigt.“

Seine Idee einer Kunststeuer in den USA erläutert der Anwalt und Board-Vorsitzende des Washingtoner Hirshhorn Museums Daniel Sallick bei Artnews: „Eine Bundessteuer in Höhe von 1 Prozent auf den Verkauf von Kunstwerken, die mehr als 10.000 Dollar kosten - nennen wir sie eine "Warhol-Steuer für alle", die für Transaktionen am oberen Ende des Marktes gilt - könnte Hunderte von Millionen Dollar pro Jahr einbringen, um kulturelle Bildungsmaßnahmen zu finanzieren. Das Geld aus dieser Steuer könnte in einen groß angelegten Förderfonds fließen, um Kunst- und Kulturzentren in den unterversorgten Gemeinden der Nation zu schaffen und zu erweitern. Er könnte von einer neu geschaffenen Kommission aus Experten mit praktischer Erfahrung in der kulturellen Bildung verwaltet werden. Zeitlich begrenzte Beauftragte könnten Möglichkeiten identifizieren und dann Bundesmittel freisetzen, um Kunstprogramme im ganzen Land zu schaffen und zu erhalten.“ Das wäre immerhin ein Gegengewicht zum Kostennachteil des EU-Folgerechts.

Der japanische Kunstmarkt sehe erwartungsvoll einer Deregulierung entgegen und könnte Hongkong als wichtigsten Marktplatz in Asien ablösen, vermutet Georgina Adam im Art Newspaper: „Heute geht es für [Kunsthändler Tim] Blum bei den Veränderungen in Japan 'zu 100 Prozent um die Nachfolge von Hongkong. Mit all dem, was dort passiert, gibt es ein Rennen, welche andere Hauptstadt Hongkong ersetzen oder verdrängen könnte.' Die wahrscheinlichsten Anwärter sind Singapur und Seoul, wo die Frieze gerade angekündigt hat, dass sie im September 2022 ihre erste asiatische Messe starten wird. Die südkoreanische Hauptstadt stößt auch bei westlichen Galerien auf zunehmendes Interesse: Pace und Perrotin haben dort bereits Galerien, während Thaddaeus Ropac diesen Oktober einen Raum eröffnen wird und der Berliner Händler Johann König letzten Monat Räumlichkeiten in Seoul eröffnete. 'Vielleicht ist das die Chance für Tokio', sagt Blum: 'Ich bin jetzt zuversichtlicher, was Veränderungen angeht. Trotzdem neigen die Dinge hier dazu, sich wie Sirup zu bewegen, also halte ich nicht den Atem an.'“

Die Zusammenarbeit von Phillips und Poly Auctions in Hongkong habe sich bewährt, berichtet Stephanie Dieckvoss im Handelsblatt: „Souverän von Ex-Sotheby’s Jonathan Crockett geleitet, verkauften sich sowohl westliche wie auch asiatische Kunst an Bieter aus Hongkong, Beijing, Taiwan und Japan. Dazu kamen Gebote aus den USA. Eine Enttäuschung war Banksy. Seine Arbeit konnte die jüngste Rekordserie nicht fortsetzen. Das Bild „Lough Now Panel A“ fand bei geringem Interesse nur im unteren Bereich der Schätzung für 24,5 Millionen HK-Dollar einen Käufer. Umgerechnet sind das 3 Millionen US-Dollar. Hier halfen weder die 800 Online-Bieter, noch das Angebot, in der trendigen Kryptowährung zu zahlen. Banksy in Asien ist anscheinend out.“

Auf knapp eine Milliarde US-Dollar summieren sich allein die zehn teuersten Kunstwerke Pablo Picassos, die auf Auktionen verkauft wurden. Angelica Villa weist bei Artnews auf das finanzielle Gewicht der Marke Picasso hin: „Derzeit ist er der umsatzstärkste Künstler bei Auktionen weltweit und hat allein im Jahr 2020 mit 3.400 Losen 245 Millionen Dollar eingenommen. 'Er ist in vielerlei Hinsicht der Goldstandard des Kunstmarktes', sagt Händler Larry Gagosian in einem Interview mit ARTnews. 'Ich denke, das wird er auch in absehbarer Zukunft bleiben.'“

Plötzlich ist Köln doch wieder ein Zentrum des Kunsthandels, folgt man den Worten von Franka Haiderer, der neuen Deutschlandchefin von Sotheby's im Intereview mit Lisa Zeitz in der WELTKUNST: „Die Zahl der deutschen Käufer in den Online-Verkäufen von Sotheby’s hat sich verdreifacht. Aus dieser Erfahrung heraus möchten wir unseren Kunden, etablierten und neuen, einen optimierten und personalisierten Service vor Ort bieten, der zu flexiblen Möglichkeiten im Verkauf und Kauf führt. Der deutsche Markt ist ein spannender, lebendiger Markt und bietet großartige Chancen und Möglichkeiten, und wir freuen uns sehr, als erstes internationales Auktionshaus, als first mover, diese Sales in Deutschland, in Köln, zu etablieren. [...] Und nicht zuletzt zählt Köln mit dem Rheinland und den angrenzenden Beneluxländern zu Europas Region mit der höchsten Industrie-, Kapital- und Sammlerdichte.“ Im Zusammenhang mit dem Wachstum des Online-Geschäfts wäre es interessant zu erfahren, ob sich der Anteil deutscher Käufer überproportional erhöht, denn eine Verdreifachung des Internetgeschäfts dürfte in Corona-Zeiten kein länderspezifisches Phänomen sein.

Ob bei Sotheby's die linke Hand weiß, was die rechte tut? Alexandra Stühff versucht in der NZZ, eine Art Leitfaden für kunstinteressierte Investoren zusammenzustellen und sich dafür mit einer eidgenössischen Vertreterin von Sotheby's unterhalten – und mit niemandem sonst anscheinend: „Nicht alles, was heute nach Kunst aussieht, ist morgen noch relevant. Erst nach 25 Jahren wisse man wirklich, ob eine Künstlerin oder ein Künstler ihren beziehungsweise seinen Stellenwert in der Kunstgeschichte halten könne, sagt Caroline Lang, Präsidentin von Sotheby’s Schweiz. Es gebe zudem eine Reihe von Kriterien, die ein angehender Sammler zur Beurteilung heranziehen sollte. Das Wichtigste dabei sei, sich mit Kunst zu beschäftigen und sich so viel Kunst wie möglich anzuschauen.“ In diesem Licht scheint es etwas seltsam, dass das Unternehmen seinen Kunden gleichzeitig Saisonware wie NFTs andient.

Das NFT eines CryptoPunks hat bei Sotheby's 11,7 Millionen US-Dollar gebracht. Gewinner des Spielgeld-Weitspuckens war diesmal jemand aus der Online-Sportwettenbranche, hat Taylor Locke für CNBC erfahren: „Der Käufer, so Sotheby's gegenüber CNBC Make It, ist Shalom Meckenzie, der größte Aktionär von DraftKings. Meckenzie hat laut Forbes ein Nettovermögen von 1,6 Milliarden Dollar.“ Einen Nachbericht zur Auktion hat Ursula Scheer von der FAZ erstellt (Alle weiteren Auktionsberichte der FAZ vom 12. Juni nur im Print).

Wenn Spekulanten sich als genauso gierig herausstellen, wie es ihnen gerne unterstellt wird, ist möglicherweise Kunst im Spiel. Das Start-up Da Silva Brokers Art House in Neukölln bietet keineswegs die Möglichkeit, mit Kunst aufgepeppte Wohnungen teurer zu vermieten als eigentlich erlaubt. Es ist ein Kunstprojekt von Anton Steenbock, mit dem Ferial Nadja Karrasch für Monopol gesprochen hat: „Es gab tatsächlich Vermieter*innen und Hausbesitzer*innen, die sich für die Start-up-Idee interessierten. Außerdem kam ein sogenannter Angel Investor auf uns zu, also eine Person, die gezielt nach Start-ups sucht, um sie finanziell und beratend zu unterstützen – natürlich gegen einen nicht unerheblichen Anteil an der erhofften Rendite.“

Den Markt für Teppiche nimmt Christian Eber für die WELTKUNST (kostenlose Anmeldung) unter die Lupe. In einigen hohen Zuschlägen in jüngerer Vergangenheit sieht er einen „Beleg dafür, dass auch in diesen schwierigen Zeiten Interesse an qualitativ hervorragenden, einzigartigen Objekten besteht.“ In den Zeilen schwingt einiges an Resignation mit. Wohl dürfte es unstrittig sein, dass auch für diese Sparte die goldenen Zeiten der alten Bundesrepublik endgültig passé sind. Allerdings macht der aktuelle Boom bei Designerteppichen, die sich mitunter auf alte Formen berufen, durchaus Hoffnung auf ein Wiedererwachen des Interesses auch für alte Objekte.

Welche zehn seiner Meinung nach wichtigsten Kunsthändler seit dem späten 19. Jahrhundert geprägt haben, wie Kunst ausgestellt und gehandelt wird, erklärt Alex Greenberger bei Artnews.

Dass sich das Personalkarussel nicht nur in eine Richtung dreht, zeigen die Neuzugänge bei Ketterer in München, die Susanne Schreiber im Handelsblatt vermeldet: „Nicola Gräfin Keglevich [Ex-Sotheby's] und Dr. Sebastian Neußer [Ex-Galerie Michael Werner] bringen beide dicke Adressbücher mit. Beide Neuzugänge kennen sich aus mit potenten Sammlern, deren Sammlungsprofilen und Wünschen. Ketterer Kunst zielt mit diesen Personalentscheidungen auf einen Zuwachs an hochkarätigen Einlieferungen und internationalen Kunden.“