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Kobels Kunstwoche

Lösung in Sicht für Benin-Bronzen; Foto Daderot via Wikimedia
Der Funke springt über auf der Spark; Foto Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 26 2021

Die Spark Art Fair in Wien hat mit ihrer ersten Ausgabe einen Achtungserfolg errungen, urteilt Christiane Meixner im Tagesspiegel: „Im Ergebnis ist es ein überaus gelungener Auftritt, den [Direktor] van den Heuvel eine 'Antwort auf die sich verändernden Bedingungen' nennt. Dazu zählt die Rückbesinnung auf regionale Stärken ebenso wie die Überzeugung, dass sich auch mit frisch produzierten Arbeiten eine neugierige Sammlerschaft locken lässt – jenseits der auf den internationalen Märkten gehandelten blue chips. Die Spark jedenfalls ist so überzeugt von ihrer Zukunft, dass sie schon einmal die konkreten Termine für die nächsten drei Jahre herausgegeben hat.“

Die Kleine Zeitung aus Wien betont die inhaltlichen Aspekte der Messe: „Neben der Konzentration auf die Soloshows sind die kuratierten Sondersektionen, in denen 34 Positionen gezeigt werden, die Besonderheit der Spark. "Perspectives" bietet der slowenische Kurator Tevž Logar mit Künstlern von Galerien u.a. aus Prag, Porto und Paris, aus Berlin, Bukarest und Bratislava, und beruft sich dabei auf den Rashomon-Effekt. "Utopia: Post-War" von Sabine Breitwieser ist dagegen fast museal konzipiert und erzählt in einem eigenen, täglich wechselnden Programm von Experimentalfilmen und Tanzvideos sowie in einigen hochkarätigen Positionen von der aufregenden Nachkriegskunst. Nancy Spero und Joseph Beuys kann man hier begegnen, Marina Abramovic und Ulay, aber auch Walter Pichler und Maria Lassnig.“

Ich habe die Messe für Artmagazine, Handelsblatt und Monopol besucht.

Mit dem erfolgreichen Verkauf eines Werks von Yves Klein reiht sich Lempertz aus Köln in die Riege der Millionenzuschläge ein, wie Susanne Schreiber im Handelsblatt berichtet: „Yves Klein montierte die blauen Schwämme auf Metallstäbe und fixierte diese 1959 in einem Steinfuß. 1961 erzeugte die Blaue Zone, ein Ausstellungsraum im Museum Haus Esters in Krefeld, gleichermaßen Irritation und Begeisterung. Besucher glaubten sich am Mittelmeer, so stark leuchteten die Schwammskulpturen. Das von Lempertz versteigerte Exemplar figurierte auch in der von dem berühmten Museumsdirektor Paul Wember eingerichteten Überblicksschau. Diese Tatsache und die geringen Altersspuren führten auch zu dem Preisanstieg. Die 1,2 Millionen für Yves Kleins Skulptur zeigen deutlich, dass die durch die Pandemie aufgestaute Freude an Kunst auf liquide Mittel trifft.“

Den höchsten je in Deutschland erzielten Auktionszuschlag kann mit 9,5 Millionen Euro netto Nagel in Stuttgart für sich verbuchen. Die FAZ meldet: „Mit Blick auf anfallende Abgaben, beispielsweise Steuern, betrage der Preis für das Objekt insgesamt etwa 14,1 Millionen Euro, sagte ein Sprecher des Auktionshauses am Mittwoch. […] Wie die Stuttgarter am Mittwoch weiter mitteilten, handelt es sich bei dem Objekt um eine auf das Jahr 1473 datierte Bronzefigur der Gottheit Vajrabhairava, das aus einer Schweizer Privatsammlung stammt.“ Käufer ist laut Sabine Spindler im Handelsblatt ein Sammler aus Hongkong. Von einem rätselhaften Bombenanschlag auf das Auktionshaus kurz vor der Versteigerung berichtet Andrea Jenewein in der Stuttgarter Zeitung: " Am frühen Morgen des 21. Juni hatten bisher unbekannte Einbrecher an der Hintertür des Auktionshaus einen Sprengsatz gezündet – die Täter schafften es allerdings nicht, in das Gebäude zu gelangen. Ob diese Straftat mit der Bronze in Verbindung steht, ist noch nicht klar. Die Polizei geht momentan eher davon aus, dass der Sprengsatz sich gegen eine Person richtete.“

Das zweieinhalbfache des Vorjahres erlöste Phillips bei seiner Auktion in New York, berichtet Angelica Villa für Artnews: „Die Mittwochsauktion wurde mit einer Auswahl strategischer Lose zusammengestellt, die Giganten mit inaktiven Märkten - David Hammons und Brice Marden - mit jungen Künstlern mit aufstrebenden internationalen Märkten - Cinga Samson, Avery Singer, Titus Kaphar und Julie Curtiss - kombinierte, die gestern Abend neue Auktionsrekorde erzielten.“ Sämtliche Lose hätten einen Käufer gefunden und die Netto-Zuschlagsumme liege mit 97,4 Millionen Dollar deutlich über der unteren Schätzpreissumme von 76,6 Millionen.

Kleiner als Köln, aber feiner: Sotheby's wolle im Juli einen Showroom für Private Sales in Monaco eröffnen, meldet Angelica Villa bei Artnews.

Mit den argumentativen Volten, die NFT-Profiteure schlagen, um zu erklären, warum NFTs werthaltig sein sollen, befasst sich Sirin Kale im Guardian: „'Eine Sache, die ich Ihnen einfach mitteilen möchte', sagt Kayvon Tehranian, der CEO von Foundation, der Plattform, auf der die meisten NFTs verkauft werden, 'ist, dass Nyan Cat fast eine Million Dollar wert war, als es versteigert wurde. Aber ich kann Ihnen jetzt schon sagen, wenn man es noch einmal versteigern würde, wäre es mehr wert als das.' […] Tehranian sieht den Markt für NFT-Memes als nicht anders als den etablierten Kunstmarkt. 'Kann man die Mona Lisa ein Meme nennen?', sagt er. 'Ich würde argumentieren: ja. Es ist ein Kunstwerk, das jeder kennt; es wird zu einem kulturellen Referenzpunkt. Die Mona Lisa ist Hunderte von Millionen Dollar wert. Warum kann jemand, der etwas von vielleicht größerer kultureller Bedeutung erschafft, nicht dieses Maß an Entlohnung erhalten?' Mit anderen Worten: Leonardo da Vinci ist gelaufen, damit Nyan Cat fliegen kann. Ich kann nicht sagen, ob ich einer Multilevel-Marketing-Kampagne oder dem nächsten Steve Jobs zuhöre.“ Das trifft den Nagel ziemlich auf den Kopf.

„Trespassing“ heißt passenderweise ein kategorieübergreifender Sale, bei dem Christie's mit Street Art, zeitgenössische Pop Art und NFTs die Randgebiete des Kunstbetriebs abfischt, wie Sarah Kearns bei Hypebeast meldet. Hypebeast ist eine als Online-Magazin aufgemachte Werbe- und Shoppingseite.

Während in der Alten Welt noch darüber gerätselt wird, ob und wie der Kunstmarkt durch die diversen aktuellen Krisen gebracht werden kann, scheinen in China zumindest die finanziellen Aussichten rosig, wie Lisa Movius von der dritten Ausgabe der JingArt in Peking im Art Newspaper berichtet: "Die vergleichsweise Ruhe des Jahres 2020 scheint in der chinesischen Hauptstadt eine völlig neue Generation von Sammlern hervorgebracht zu haben, und die Händler berichten von einem Ansturm frischer, neugieriger junger Gesichter, die sich engagieren wollen. David Chau, der zusammen mit Kylie Ying und Bao Yifeng die JingArt, die Art021 in Shanghai und die kommende DnA in Shenzhen mitbegründet hat, führt die Neuankömmlinge auf die Partnerschaften der Messe jenseits der traditionellen Kunstwelt zurück. 'Wir haben eine tiefe, langfristige Zusammenarbeit mit vielen Luxusmarken, kommerziellen Immobilien, Privatbanken, Stiftungen und anderen Institutionen gepflegt, die es der Kunstmesse ermöglicht, reiche und vielfältige Sammlersysteme zu akkumulieren und zu kultivieren. Die langfristige Arbeit bringt die positive Situation, dass eine große Anzahl von Sammlern der neuen Generation auf den Kunstmarkt kam.' Lehmann Maupin, die zum ersten Mal an der Messe teilnahmen, 'verkauften an mindestens sechs neue Sammler', sagt ihr auf dem chinesischen Festland ansässiger Direktor Tiffany Xu.“ Viel mehr als an einer NFT-Spekulationsblase, lässt sich hier festmachen, welche Veränderungen die Kunstwelt gewärtigen muss. Den im Artikel beschriebenen Akteuren scheint Kunst nicht nur auch, sondern vor allem Investment und Luxusartikel zu sein.

Die finanziellen Ungereimtheiten im Firmenimperium von Damien Hirst, versucht Anny Shaw im Art Newspaper zu entwirren. So recht will ihr das nicht gelingen. So viel ist jedoch klar: Es geht um sehr viel Geld und 15 Millionen Pfund Corona-Hilfen: „Der britische Künstler Damien Hirst hat ein Darlehen in Höhe von 15 Millionen Pfund aus dem Covid-19-Notfallfonds der britischen Regierung erhalten, obwohl er seiner Muttergesellschaft Science, die ihren Sitz in der Offshore-Jurisdiktion Jersey hat, mehr als 100 Millionen Pfund schuldet. Das dreijährige Betriebsunterbrechungsdarlehen wurde Science (UK) gewährt, das Hirsts Kunst herstellt und sie dann an seine Offshore-Muttergesellschaft weiterverkauft, sowie Prints and Editions, das Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst anderer Künstler kauft und verkauft.“

Nach der Beschlagnahme bei einem belgischen Sammler seien 800 antike Artefakte und Keramiken aus Raubgrabungen an den italienischen Staat zurückerstattet worden, meldet Ian Mundell im Art Newspaper: „Nach Angaben der italienischen Carabinieri handelt es sich um die bisher größte Rückgabe von geplünderten Artefakten aus der Region Apulien und um eine der bedeutendsten auf nationaler Ebene. Die aus dem Jahr 600 v. Chr. stammenden Stücke der Sammlung werden auf einen Gesamtwert von 11 Mio. € (9,4 Mio. £) geschätzt.“

Die Niederlande wollen sämtliche noch in Staatsbesitz befindliche Nazi-Raubkunst restituieren, ist einer dpa-Meldung unter anderem bei Monopol zu entnehmen.

Das deutsche Stiftungsrecht solle dahingehend geändert werden, dass auch private Stiftungen Raubkunst restituieren können, ohne gegen das Prinzip des Vermögenserhalts zu verstoßen, meldet dpa, unter anderem nachzulesen bei Monopol.

Die thematische und preisliche Spannbreite des extravaganten Sammelgebiets der sogenannten Schaugerichte aus Fayence und Porzellan fächert Peter Dittmar in der WELTKUNST (kostenlose Anmeldung) auf.

Berlin kann einen Neuzugang verzeichnen, eine Zweigstelle der Düsseldorfer Galerie Setareh, meldet Christiane Meixner im Tagesspiegel: „Der zweite Standort ist damit nur logisch – und außerdem sensationell gewählt. Die Brüder Samandar und Elham Setareh – eigentlich Mediziner und über ihre Passion für textile Kunstwerke zur ersten Galerie an der Düsseldorfer Kö gekommen, der 2016 eine zweite für zeitgenössische Kunst folgte – haben die ehemaligen Ausstellungsräume von Aurel Scheibler übernommen.“ Scheibler selbst behält in Berlin noch einen Projekt Raum in der ersten Etage des Gebäudes, wie er auf Nachfrage mitteilt.