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Kobels Kunstwoche

Lösung in Sicht für Benin-Bronzen; Foto Daderot via Wikimedia
Passend zur Arco: Hauser & Wirth Madrid, auch bekannt als Reina Sofia; Foto Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 28 2021

Allgemeine Erleichterung und weniger Hektik hat Anna Sanson für das Art Newspaper auf der Arco in Madrid ausgemacht, der ersten internationalen Kunstmesse auf dem Kontinent seit über einem Jahr. „Mit dem Wiedererwachen der Kunstgemeinde anlässlich einer großen Messe, ist das Tempo etwas anders als zuvor. Die Besucher neigen eher dazu, gemütlich herumzuschlendern und Zeit zur Verarbeitung und zum Fragenstellen zu haben. 'Wir haben das Gefühl, dass die Sammler einen Blick auf die ganze Messe werfen, sie genießen und ein Gespräch führen wollen', sagt die Madrider Galeristin Sabrina Amrani, die Kuratoren aus dem Centre Pompidou, der Tate Modern und dem Kölner Museum Ludwig gesehen hat. 'Spanische und lateinamerikanische Künstler sind die, nach denen die Leute fragen. Für Sammler ist es ein bisschen wie die Rückkehr zum alten Modell - man besucht Madrid, wenn man spanische Künstler sehen will.'“

Hinter die Kulissen der Arco blickt Bernhard Schulz im Tagesspiegel vom 10. Juli: „Beim Hintergrundgespräch gibt Messechefin Maribel Lopez Einblick ins harte Business: 30 Prozent Rabatt seien diesmal auf den normalen Quadratmeterpreis von 310 Euro gewährt worden. Allerdings sind die Kojen durchweg groß: 'Ich wollte, dass die Galerien gut aussehen', erklärt Lopez, die das Geschäft als Stellvertreterin des früheren Leiters Carlos Urruz von Grund auf beherrscht. Dass die ARCO neben dem immer stärker aufkommenden virtuellen Messegeschehen bestehen wird, daran lässt Lopez keinen Zweifel. Ihren Rang als besucherstärkste Kunstmesse muss die Madrider Veranstaltung erst wieder neu erringen. Aber mit ihrer diesmaligen Qualität beweist sie, dass weniger eben auch deutlich mehr sein kann.“

Ich war für Handelsblatt und Artmagazine in Madrid.

Den Trends in den oberen Preisregionen des zeitgenössischen Kunstmarkts spürt Kelly Crow im Wall Street Journal nach: "Riesige, glänzende Skulpturen und wandgroße Fotografien, die Luxus oder Zynismus verströmen, sind vorerst out; ernsthafte, ausdrucksstarke Porträts und politisch potente Werke von schwarzen Künstlern und Frauen sind in - vor allem, wenn die Künstler jung sind oder als Wiederentdeckungen gelten können. Die Tastemsker wenden sich auch von der Abstraktion oder der trockenen, Konzeptkunst ab und bevorzugen Werke, die Themen aus dem Bereich der sozialen Gerechtigkeit und der sozialen Medien aufgreifen. Einige Sammler wenden sich der Technologie zu, indem sie digitale Kunstwerke anhäufen, während andere Käufer Keramik mit ihrer zerbrechlichen oder plumpen Taktilität zu schätzen wissen. Die Nachfrage nach Dutzenden von Künstlern ist ins Wanken geraten und zwingt die Mächtigen der Kunstwelt dazu, sich mit den Folgen auseinanderzusetzen."

Das obere Ende des Auktionsmarkt feiere ein fulminantes Comeback, schreibt Joe Dziemianowicz bei Barrons: „Der weltweite Umsatz des Trios der großen Player erreichte in der ersten Hälfte dieses Jahres 5,9 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 230 Prozent gegenüber 1,79 Mrd. US-Dollar im gleichen Zeitraum des Jahres 2020 und ein kleines, aber ermutigendes Plus von 3,5 Prozent gegenüber 5,7 Mrd. US-Dollar vor der Pandemie 2019.“

Mit 7,5 Millionen Pfund netto habe Christie's eine Leonardo-Zeichnung die Erwarungen „gerade so“ erfüllt, schreibt Ursula Scheer in der FAZ. Das ist zumindest missverständlich, da die untere Taxe bei acht Millionen lag. Für eine Skizze von der Größe eines Post-Its ist das allerdings immer noch beachtlich.

Mit einer katastrophalen Altmeister-Auktion habe Sotheby's in London ein Eigentor geschossen, urteilt Anna Brady im Art Newspaper: „Aber drüben in der Bond Street konnten nicht einmal die (ziemlich schmerzhaften) Sportwitze des Auktionators Harry Dalmeny die Abendauktion von Sotheby's Old Master aufheitern. Es war schwer, kein Mitleid mit Dalmeny zu haben, der sich zunehmend unwohl fühlte, als er ein unverkauftes Los nach dem anderen versteigerte - 21 der 49 Lose wurden nicht verkauft, was einer Verkaufsrate von 51,7% entspricht. Vielleicht lag das zum Teil daran, dass dem Verkauf das Gerüst der Garantien fehlte - ungewöhnlich für eine Auktion heutzutage, gab es keine.“

Für was sich Sotheby's mittlerweile nicht zu schade ist, hat Olga Grimm-Weissert bei einem Inventar-Verkauf eines Scheichs aus Doha für das Handelsblatt aufgezeichnet: „Von einzeln aufgerufenen Silbertellern bis zu Kameen-Broschen, die für 126 Euro weg gingen, folgte man dem für Sotheby’s Qualitätslevel unüblich bescheidenen Angebot. Vermutlich akzeptierte das Haus von Patrick Drahi diesen Deal mit dekorativer, aber nicht wertvoller historischer Ware im Hinblick auf die baldige Eröffnung der 'Al Thani Collection'.“

Im zweiten Anlauf schafft der Berliner Galerist Johann König den Sprung nach Wien und landet mitten im türkisen Dunstkreis um Sebastian Kurz, wie aus einer APA-Meldung, unter anderem im Standard hervorgeht: „Ort des Geschehens ist das ehemaligen Verkehrsbüro- Gebäude am Wiener Naschmarkt, das später jahrelang der Novomatic gehört hat. Nunmehr kocht dort die Dots Group des Szenegastronomen Martin Ho.“ Da wird sich die mehrheitlich progressive Wiener Kunstszene sicher freuen.

Es geht auch seriös: NFT-Ausstellungen von zwei renommierten Kölner Galerien hat sich Christiane Fricke für das Handelsblatt angesehen: „Nur wenige Galerien haben sich bislang auf die plötzlich erschienene, den herkömmlichen Betrieb aufscheuchende Kunstwelt des Non Fungible Token einlassen wollen. NFT sind Echtheitsnachweise für digitale Dateien. In Köln reagierten die Galerien Nagel-Draxler und Priska Pasquer mit jeweils eigenen unkonventionellen Ausstellungskonzepten. Christian Nagel und Saskia Draxler entschieden sich für eine multimediale Erlebnislandschaft, in der Besucherinnen und Besucher den Spuren früher und neuer Anwender von digitaler Kunst folgen können.“

Eine Momentaufnahme der Einkommensverhältnisse des kreativen Prekariats hat der Fotograf Damian Zimmermann in einer Umfrage (PDF) für seinen Blog erstellt.

Mit dem Malkasten-Stuhl solle ein Stück Designgeschichte entsorgt werden, beklagt Carl Friedrich Schröer auf eiskellerberg.TV: „Nun soll der Stuhl – es gibt davon noch an die zweihundert Originale und dazu auch mehrere passende Tische – ausrangiert werden. Die neue Leiterin der Kömodie, Verena Wüstkamp, kann die alten Malkastenstühle nicht gebrauchen. Wie sie jetzt dem Radiosender Antenne Düsseldorf in einem Interview verriet, will sie, wenn die Komödie ab dem kommenden Jahr im Malkasten den Spielbetrieb aufnimmt, 300 neue Stühle anschaffen. Dann können mehr zahlende Zuschauer in den Saal. Was dann mit den Malkastenstühlen geschieht, davon hat der Vorstand eine ganz konkrete Vorstellung. Über 50 seiner Stühle, die bisher als Reserve in den Parkgebäuden (Annexbauten) untergestellt waren, hat der Vorsitzende Robert Hartmann bereits still und heimlich der Müllabfuhr überantwortet. Ein Probelauf? Eine Komöblie?“

Na Gottseidank! Hunter Biden kann seine Kunst verkaufen, ohne dass die Trumpisten ihm einen Strick daraus drehen können. Das Weiße Haus habe ein Verfahren ausgeknobelt, nach dem weder der Sohn des Präsidenten, noch irgend jemand aus dem Umkreis der Regierung erfahren, wer welche Werke des „Künstlers“ zu welchem Preis kauft, erklärt Zolan Kanno-Youngs in der New York Times: „Im Rahmen der Vereinbarung würde ein Kunsthändler in New York City die Gemälde verkaufen, die der Händler mit Preisen zwischen 75.000 und 500.000 Dollar beziffert hat, während er alle Informationen über den Verkauf geheim hält, so eine Person, die mit dem Plan vertraut ist. Der Galerist, Georges Bergès, hat zugestimmt, keine Informationen über die Käufer oder die Preise von Hunter Bidens Arbeiten mit irgendjemandem zu teilen. Herr Bergès hat auch zugestimmt, jedes Angebot abzulehnen, das verdächtig erscheint, wie z.B. eines, das weit über dem Verkaufspreis liegt, sagte die mit der Angelegenheit vertraute Person.“ Es ist wirklich grotesk, zu welchen Verrenkungen diese Bande von Kleptokraten anderen ethische Standards zwingt, die sie selber in der vorangegangenen Präsidentschaft ganz offen mit Füßen getreten hat.

Mit Noah Horowitz geht bei der Art Basel nach sechs Jahren der Amerika-Direktor von Bord, meldet Maximilíano Durón bei Artnews.