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Kobels Kunstwoche

Schöne Ferien mit der Kunstwoche! Foto Stefan Kobel
Schöne Ferien mit der Kunstwoche! Foto Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 29 2021

NFTs waren das Thema des ersten Halbjahres 2021. Im ersten Teil unseres dreiteiligen Saisonrückblicks lassen sich der kometenhafte Aufstieg und der Sinkflug des Social Media- und Markthypes nachvollziehen.

Wie Blockchain und Kunstmarkt zusammengehen, erklärt ausnahms- und erfreulicherweise endlich einmal allgemeinverständlich Georgina Adam bereits Ende Januar im Art Newspaper: „Wenn Sie ein Non-Fungible [nicht replizierbares] Token kaufen, erwerben Sie ein Token und das damit verbundene Kunstwerk. Die Transaktion wird auf der Blockchain, einer dezentralen Datenbank, registriert. Das Kunstwerk kann ein Unikat sein (wie beim Alice-Stück) oder in Editionen vorliegen (wie bei den Schachter-Stücken), aber jedes Token ist einmalig. Der Kauf des NFT, der in der Blockchain registriert ist, stellt eine dauerhafte Aufzeichnung dieses Kaufs dar und liefert einen Eigentumsnachweis. Sie können es auf Ihrem Computer oder Fernseher anzeigen, ausdrucken oder weiterverkaufen. Während jeder ein Bild aus dem Internet ausdrucken oder anzeigen kann, gehört ihm dieses Bild nicht und er kann es nicht handeln, daher schützen NFTs die Urheberschaft des Künstlers und ermöglichen einen Sekundärmarkt.“ Zudem erhalte der Künstler bei jedem Weiterverkauf seines Werks eine kleine Tantieme.

Christie's verkauft das erste mit einem NFT (Non Fungible Token) in der Blockchain hinterlegte digitale Kunstwerk. Die Auktion läuft vom 25. Februar bis zum 11. März. Anny Shaw klärt Mitte Februar auch Nichteingeweihte im Artnewspaper auf. Der Künstler heißt übrigens Beeple.

Was es mit den NFT auf sich hat, erklärt Ende Februar Anika Meier so verständlich wie sachgerecht bei Monopol: „Wenn man ein NFT kauft, kauft man einen Token und ein Objekt, das damit verknüpft ist. Digitale Kunst, Sammelkarten, Musik und virtuelles Land beispielsweise. Das NFT ist auf der Blockchain gespeichert, es ist einzigartig, authentifiziert und fälschungssicher. Kurz: Ein NFT dient als Echtheitsnachweis für jede digitale Datei. Bisher hatte digitale Kunst nicht den selben Wert wie etwa Malerei oder Skulptur, weil sie einfach geteilt und kopiert werden konnte. Und wie man am Beispiel von Beeple sieht, der jeden Tag eine Arbeit auf Instagram veröffentlicht, kann man sich die Kunst sowieso jederzeit im Netz ansehen und auf dem eigenen Rechner speichern. Endlich also können Künstler:innen ihre Memes und Gifs, Animationen und Renderings verkaufen.“

Ein erstes Hoch markiert der Verkauf eines animierten Bildes, das zu dem berühmten Meme „Nyan Cat“ gehört, dessen NFT-Variante sein Schöpfer Chris Torres anlässlich des zehnjährigen Jubiläums auf einer einschlägigen Plattform für 300 Ether, umgerechnet 561.00 US-Dollar, versteigert hat, wie Eileen Kinsella bei Artnet berichtet.

Kurz darauf habe schließlich ein digitales Kunstwerk des oben erwähnten Beeple auf der Plattform Nifty Gateway sensationelle 6,6 Millionen Dollar erlöst, wie ebenfalls Eileen Kinsella bei Artnet meldet.

Seinen Raketenantrieb hat der Hype in der ebenfalls gehypten App Clubhouse gefunden, in der es vor allem im englischsprachigen Bereich praktisch keinen virtuellen Raum mit Kunstbezug gibt, der sich nicht entweder explizit mit NFT beschäftigt oder irgendwann von deren Propagandisten gekapert wird. Marion Maneker thematisiert dieses Phänomen bei Artnews unter der an Fightclub angelehnten Überschrift „Die erste Regel von Clubhouse: Hör niemals auf über NFT zu sprechen“: „Die Kunstleute fragen sich, ob sie [die NFT] als Kunst gelten können, was eine berechtigte Frage ist; allerdings führt sie schnell zu der Art von philosophischen Gesprächen zu später Stunde, die mit Fragen wie "Was ist überhaupt Kunst, Kumpel? Und wer hat das zu entscheiden?" enden. Der Unterton der NFT-Konversation ist eine latente Feindseligkeit gegenüber der Kunstwelt, diesem scheinbar willkürlichen System der Hochkultur, das seinen Wert aus einem System von Galerien, Kuratoren, Kulturinstitutionen - und auch Kritikern - aufbaut. Der imaginäre "Krypto-Kunstmarkt" wirft all das über Bord. Vielleicht ist das der Grund, warum er sich "demokratisch" anfühlt. Aber wie [der ansonsten im Artikel nicht weiter erwähnte Autor] Kyle Chayka hervorhebt, löscht digitale Kunst die Qulle des Wertes (oder zumindest die Vereinbarung über den Wert) des eigentlichen Kunstobjekts. Diese Vereinbarung über den Wert ist es, die in so vielen dieser Diskussionen angefochten wird. In unserer Kultur ist Geld leider ein Ersatz für den vereinbarten Wert.“

Der Hype um die Spekulation mit digitalen Bildchen und Filmchen ist Anfang März jetzt auch in den Feuilletons angekommen. Ursula Scheer fragt sich in der FAZ: "Ist der NFT-Boom die ultimative Validierung der Digitalkunst im Virtuellen? Oder ihre künstlerische Bankrotterklärung, die radikale Reduktion auf ein abstraktes Spekulationsgeschäft? Das wird sich zeigen."

Skeptisch ist auch Kolja Reichert in der Süddeutschen Zeitung vom 3. März: „2020 ist der Markt für NFTs von 456.885 auf 12,9 Millionen Dollar gewachsen, und in den letzten Wochen wohl noch mal um ein Vielfaches. Ein Viertel dieses Marktes entfällt auf Kunst. Kunst? Ja. Während das, was man bisher unter Kunstmarkt verstand, schon vor Corona Verkaufsrückgänge verzeichnete, blüht in den Messageboards der Kunsthandel. Womit sich der Kunstbegriff ins Bodenlose erweitert. Vier- und sechsstellige Beträge werden für niedrig aufgelöste Ausweise größter ästhetischer, konzeptueller und historischer Orientierungslosigkeit gezahlt. Das meiste, das bislang in Foren wie Opensea, Async oder Rarible an Kryptokunst angeboten wird, formt einen gigantischen, internetweiten, markerschütternden ästhetischen Hilfeschrei.“

Der Autor und Unternehmer Seth Godin erklärt in seinem Blog, warum er NFT für eine Falle hält: „Die Kurzversion ist, dass für die absehbare Zukunft, die Methode, die verwendet wird, um die Blockchain zu verifizieren und neue digitale Münzen zu erstellen, absichtlich energieintensiv und ineffizient ist. Das ist gewollt. Und je wertvoller sie werden, desto mehr Energie wird verbraucht, nicht weniger. Es ist eine fortlaufende Verschwendung, die nur wenig Wert schafft und mit der Zeit immer weniger effizient und teurer wird. Bei den meisten technologischen Innovationen ist das Gegenteil der Fall.“ Die Konsequenzen der Spekulation trügen also nicht nur die Beteiligten: „Die Falle besteht darin, dass Schöpfer [von NFT] süchtig danach werden können, diese zu erstellen. Käufer mit versenkten Investitionen werden süchtig danach, die Preise in die Höhe zu treiben, da sie nicht aussteigen können. Und so sind dann Schöpfer und Käufer in einem Kreislauf gefangen, dessen Kosten wir alle tragen in einem unregulierten System, das riesige Mengen an kostbarer Energie für keinen anderen Zweck verbraucht als einige knappe digitale Token zu schaffen.“

69.346.250 Millionen US-Dollar hat Christie's für Beeples NFT „Everydays: The first 5000 days“ eingenommen und den bis dahin nur Eingeweihten geläufigen 39-jährigen Amerikaner auf Platz 3 der teuersten lebenden Künstler katapultiert. Die Auktion markiert zweifellos eine Zäsur und möglicherweise eine Wende am Kunstmarkt. Knapp zwei Drittel der 33 aktiven Bieter waren laut Pressemitteilung 40 Jahre oder jünger, und überhaupt waren dem Auktionshaus nur drei von ihnen vorher bekannt.

Von einer „Kryptokunstblase“ spricht Ursula Scheer in der FAZ. Im Handelsblatt versuche ich anlässlich Beeples einen Schnellkurs in Sachen NFT zu geben, während ich mir für Monopol Gedanken über die Bedeutung des Hypes für das Betriebssystem Kunst mache.

Latente Fehler des Betriebssystems Kunst würden durch NFT wiederholt und verstärkt, argumentiert der ehemalige Londoner Galerist und Aktivist Pierre D'Alaincaisez in seinem Blog PetitPoi: „NFTs sind kein neues Paradigma, das die Kunst besser, demokratischer oder fairer für Künstler machen wird. Das werden sie nicht tun, weil die grundlegende Idee dahinter die schlimmsten Aspekte der Kunstwelt mit Teilen der Finanzmärkte zusammenbringt: ein Pyramidensystem und eine Spekulationsblase. Tatsächlich hat der Kunstmarkt - wenn nicht sogar die Kunst selbst - diese Tendenzen schon lange gezeigt, und das Aufkommen der NFTs rückt sie nur noch stärker in den Fokus.“

Die Diskussion um den horrenden Stromverbrauch der NFT wiederum betrifft direkt Beeple und viele andere Künstler und Vermarkter. Valentina di Liscia berichtet darüber auf Hyperallergic.

Tatsächlich scheint es sich bei dem bizarren Schauspiel, das sich der Kunstwelt aktuell bietet, um einen Wettstreit zwischen Leuten zu handeln, deren Vermögen auf genau dem Spielgeld basiert, mit dem hier gehandelt wird. Anna Brady berichtet im Art Newspaper von dem 31-jährigen chinesischen Justin Sun, Gründer der Blockchain-Plattform TRON, der sich auf Twitter darüber beklagt, dass er 70 Millionen habe bieten wollen, es jedoch technische Probleme gegeben habe. Der erfolgreiche Bieter sei ein „Bitcoin OG“ (für Original Gangster) mit dem Pseudonym Metakovan, der bereits seit 2013 in Kryptowährungen investiere, berichten Marion Maneker bei Artnews und Zack Seward von Coindesk unter Berufung auf eine gemeinsame Pressemitteilung (PDF) von Christie's und Metakovans NFT-Fond Metapurse. Auch die übrigen Player im NFT-Markt scheinen aus der Krypto-Ecke zu kommen, wie ein Bericht von Shanti Escalante-de Mattei über frühe Beeple-Sammler für Artnews nahelegt.

Bestenfalls medioker, in Teilen rassistisch und offen frauenfeindlich sei das NFT „Everydays: The First 5000 Days“ von Beeple, dessen Einzelbilder rechnerisch rund 14.000 Dollar gekostet haben, stellt Ben Davis nach Durchsicht des gesamten Werkes für Artnet fest.

Das negative Echo auf den NFT-Boom fasst Daniel Völzke Mitte März bei Monopol zusammen: „Ob die Käuferinnen und Käufer, die Millionensummen investieren in Kunst, die ohnehin nicht von klassischen Kunst-Institutionen beglaubigt ist, all diese Einwände überhaupt wahrnehmen, darf bezweifelt werden. Beeple selbst hat sich immer wieder über die etablierte Kunstwelt lustig gemacht. Da verletzt das Lachen eines Tech-Milliardärs wie Elon Musks schon einiges mehr. Wenn selbst dieser Visionär nicht wirklich an das Werkzeug NFTs glaubt, wie soll sich dieser Markt dann etablieren?“

Welche ganz neuen (Urheberrechts-) Probleme sich mit dem neuen Vertriebsweg NFT für Künstler ergeben, erklärt das Kryptowährungs-Magazin Zephyrnet (in einer teilweise recht mühsamen Maschinenübersetzung): „Wie Rechtsprofessoren ihren Studenten gerne sagen, ist Eigentum wie ein Bündel Stöcke. Jeder Stock im Bündel stellt ein Recht dar, etwas zu tun, beispielsweise das Recht, das Grundstück zu verkaufen, es zu ernten oder zu zerstören und so weiter. Dies gilt sicherlich für das Urheberrecht, das mehr Sticks in seinem Bündel enthält - beispielsweise das Recht, ein Bild zu senden und zu vermarkten - als viele Menschen glauben.“

An CryptoKitties erinnere der NFT-Hype, erklärt Ende März der Medienwissenschaftler Tilman Baumgärtel für Monopol: „Neue CryptoKitties werden kaum noch gekauft beziehungsweise gezüchtet und viele Käufer beginnen sich zu fragen, was genau sie da eigentlich erworben haben. Die Antwort ist dieselbe wie bei den JPGs von Beeple, den potthässlichen Videos von Grimes oder der 'Nyan Cat', die in den letzten Wochen für astronomische Summen verhökert worden sind: eine Hexadezimalzeichenfolge. Das mag gut für Krypto-Spekulanten und Zocker sein, denen das Schachern mit Game-Stop-Aktien nicht mehr aufregend genug ist. Für die Kunst ist es weitgehend egal, und für den traditionellen Kunstmarkt dürften die Auswirkungen von NFTs bis auf weiteres ebenfalls gering sein.“

Bedenkliche Tendenzen macht Scott Reyburn Anfang April beim NFT-Hype für die New York Times aus: „'Ich finde die Entwicklung hin zur Fraktionierung beunruhigend', sagte Michael Moses, der Gründer von Mei-Moses, einer Datenbank für Auktionsverkäufe, die jetzt zu Sotheby's gehört. Sein Hauptindex zeigt, dass in den letzten 10 Jahren der Gesamtwert der vielen tausend Kunstwerke, die bei Auktionen weiterverkauft wurden, nicht gestiegen ist. 'Wie bewertet man etwas, das fraktioniert wird? Wert ist etwas, das im Laufe der Zeit inkorporiert wird, nicht in einem Augenblick hinzugefügt', sagte Moses in einem Interview. Das Zerschneiden von teuren digitalen Gegenständen in handelbare Token mache den Markt 'voll von Volatilität', fügte er hinzu. 'Im Grunde ist es ein Glücksspiel. Sie haben keine Vorstellung vom wahren Wert der Arbeit.'“

Einen drastischen Umsatzeinbruch für NFTs meldet Brandon Kochkodin bei Bloomberg: „Seitdem der Hammer bei der Beeple-Auktion fiel, ist der durchschnittliche Tageswert der verkauften NFTs auf den von Nonfungible.com erfassten Marktplätzen - die keine Daten von Christie's enthalten - von 19,3 Millionen Dollar auf einen Tiefstand von 3,03 Millionen Dollar am 25. März gefallen.“

70 Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers werden NFTs übrigens komplett wertlos, zumindest nach dem aktuell geltenden Urheberrecht, wirft Moritz Draht im Digital-Magazin t3n ein. Die Frage ist allerdings, ob irgendeiner der aktuellen Investoren einen derartigen Anlagehorizont im Blick hat.

Den oft strapazierten Vergleich des NFT-Hypes mit der Tulpen-Manie des 17. Jahrhunderts denkt hingegen Scott Reyburn Mitte April für das Art Newspaper detailliert zuende: „Die Möglichkeiten dieser Art von 'Buy-an-NFT, get-real-art-free'-Angebot (Bangraf) sind praktisch endlos, wenn man bedenkt, dass 1 Billion Dollar [kein Übertragungsfehler, tatsächlich sind es aber aktuell knapp 2 Billionen!] an digitalem Geld nach etwas zum Kaufen suchen. Hätte Christie's beispielsweise alle 3.000 analogen Lose, die im Januar und Februar versteigert wurden, mit begleitenden digitalen Token angeboten, die in Ether gekauft werden können, dann hätten sie vielleicht für 4,8 Milliarden Dollar verkauft werden können, anstatt für schlappe 48 Millionen Dollar.“

Zwar seien NFTs gekommen, um zu bleiben, glaubt Simon de Pury bei Artnet. Ihn selbst scheinen sie jedoch lediglich als Finanzinstrument zu interessieren: „Es stellt sich die Frage, ob das Bedürfnis, physische Dinge zu besitzen, bleiben wird. Immerhin folgte auf meine einst riesige Sammlung von Schallplatten eine ebenso riesige Sammlung von CDs. Heute bin ich vollkommen zufrieden damit, den ganzen Tag Musik auf Spotify zu hören. Eine physische Zeitung oder Zeitschrift habe ich seit Monaten nicht mehr gelesen. Gewohnheiten ändern sich eben. Besitz war sowieso immer etwas Abstraktes. Ein fabelhaftes Kunstwerk bei einem Sammler zu betrachten, ist fast so befriedigend, wie es selbst zu besitzen. Selbst seit vielen Jahren akut an der Sammlerkrankheit leidend, sei es für Objekte mit hohem oder niedrigem Wert, bin ich seltsamerweise nicht versucht, NFTs für meine eigene Sammlung zu erwerben. Ich liebe, lebe und atme Kunst, aber ihre Anziehungskraft auf mich ist rein physisch. In der digitalen Welt ist Porno das mit Abstand größte Geschäft. Allerdings werden keine technischen Innovationen jemals auch nur annähernd an echten Sex herankommen.“

Den Hype wie die Missverständnisse um NFTs bringt ein Tweet des Gaming-Podcasters Calvin Wong Ende April auf den Punkt: „Ich gehe in eine Galerie und möchte ein NFT eines Gemäldes kaufen. Ich zahle den geforderten Preis und sie drucken eine schicke Quittung aus und geben sie mir. Nebenbei verbraucht der Quittungsdrucker mehr Strom als eine Kleinstadt. Sie behalten das Gemälde. Ich bekomme nur die Quittung.“

Wenn die Deutsche Börse und die Commerzbank in ein Geschäft einsteigen, muss es einfach seriös sein! Laut einer Pressemitteilung wollen die beiden Unternehmen jetzt gemeinsam in NFT machen: „Die neuen Handelsplattformen sollen Investoren ermöglichen, in bislang illiquide Vermögenswerte zu investieren, erklärte Carlo Kölzer, Gründer und CEO von 360X. 'Unser Mantra lautet: «Making Things Investable – Bridging the Gap between Asset Classes and Capital Markets». Wir schaffen transparente und liquide Handelsplätze für Vermögenswerte, für die es diese digitalen Märkte heute noch nicht gibt. Dazu starten wir mit Handelsplätzen für Kunstwerke und Immobilien. 360X ist als hoch skalierbares Modell aufgesetzt, deshalb sollen schon bald weitere Anlageklassen folgen.' […] Die Assets sollen über Tokenisierung und Fraktionalisierung investier- und handelbar gemacht werden. Tokenisierte reale Vermögenswerte werden auf der Blockchain abgebildet, um Investoren den Zugang zu erleichtern und das zugrunde liegende Asset auch aufteilen zu können.“ Warum sollten auch nur irgendwelche grünschnabeligen Asiaten Zocker-Casinos betreiben?!

Warum NFTs bleiben werden, erzählt Kenny Schachter Anfang Mai im Video für Artmagazine. Für den Standard hat ihn Katharina Rustler mit ihm gesprochen. Seine Sicht überrascht wenig, hat er doch nach eigenen Aussage mit von ihm geschaffenen NFTs bereits einen höheren sechsstelligen Betrag verdient.

Ob in der digitalen oder realen Welt – der Kunstmarkt wird sich treu bleiben, glaubt Georgina Adam Ende Mai im Art Newspaper: „Ich würde argumentieren, dass eine parallele, aber ähnliche Welt entstehen wird, die die traditionelle Kunstwelt nachahmt. Der Wunsch, digitale Kunst jenseits des privaten Vergnügens am Bildschirm zu zeigen und zu fördern, ist bereits vorhanden: Ausstellungen entstehen in New York, Köln und sogar in Peking. Aber das ist noch nicht alles. Auch wenn die traditionellen Gatekeeper umgangen werden können, müssen immer noch Entscheidungen über die Flut von Kunstangeboten getroffen werden: Ein vielbeschäftigter Sammler wird selten die Zeit haben, sich durch alle Angebote zu wühlen. Es werden Plattformen entstehen, bei denen Kuratoren ihre Dienste anbieten. Schon bald wird es einen Bedarf an der Infrastruktur geben, die für das Betreiben einer Sammlung notwendig ist, sogar in einer elektronischen Wallet: jemand, der Zahlungen leistet, andere, die den Überblick über Werke und Leihanfragen behalten, Anwälte, die Verträge schreiben. Klingt das bekannt?“

Seine Behauptung vom Zusammenbruch des NFT-Marktes belegt der Branchendienst Protos Anfang Juni mit Zahlen. Demnach ist das Handelsvolumen innerhalb eines Monats um 90 Prozent eingebrochen.

Es geht auch seriös: NFT-Ausstellungen von zwei renommierten Kölner Galerien hat sich Christiane Fricke Anfang Juli für das Handelsblatt angesehen: „Nur wenige Galerien haben sich bislang auf die plötzlich erschienene, den herkömmlichen Betrieb aufscheuchende Kunstwelt des Non Fungible Token einlassen wollen. NFT sind Echtheitsnachweise für digitale Dateien. In Köln reagierten die Galerien Nagel-Draxler und Priska Pasquer mit jeweils eigenen unkonventionellen Ausstellungskonzepten. Christian Nagel und Saskia Draxler entschieden sich für eine multimediale Erlebnislandschaft, in der Besucherinnen und Besucher den Spuren früher und neuer Anwender von digitaler Kunst folgen können.“