Kobels Kunstwoche

Bad Biennale, Bad Ems; Foto Stefan Kobel
Bad Biennale, Bad Ems; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 31 2026

Die gute Nachricht: Kunst und Antiquitäten scheinen auch von der neuesten Runde Trumpscher Zölle ausgenommen zu sein, wie aus einer Veröffentlichung der US-Zollbehörde (PDF, S. 241f.) hervorgeht.

Wie man den Rotstift zum Rückgrat umdeutet, demonstriert Brita Sachs in ihrem Bericht zu den Bamberger Antiquitätenwochen in der FAZ (Paywall) vom 25. Juli: „Statt der Gemeinschaftsbekundungen, die die Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen immer mittrugen, vertrauen die Händler erstmals der Attraktivität des vor drei Jahrzehnten eingeführten Formats, ohne groß die Werbetrommel zu rühren oder ein Rahmenprogramm zu organisieren. Tatsächlich dürfte die Teilnahme an internationalen Messen helfen, die Heimatadresse der Händler aufs Tapet zu bringen und nicht nur Bayreuther Festspielgästen zu Abstechern zu verführen. Vor allem die TEFAF in Maastricht, an der Senger seit Langem teilnimmt und Franke-Landwers in diesem Jahr seine Premiere feierte, sollte die Aufmerksamkeit von Sammlern und Neukunden von weit her in Richtung Franken lenken und die vielleicht schönste Stadt Deutschlands.“

Während der Auktionsmarkt für chinesische Antiquitäten in den deutschsprachigen Ländern weiterhin stagniere, zeigten andere Regionen Asiens einen positiven Trend, fasst Sabine Spindler im Handelsblatt vom 24. Juli zusammen: „Ein frischerer Wind durchweht derzeit den Markt für Kunst aus Japan und Indien. Rund zehn Prozent des Gesamterlöses von 2,6 Millionen Euro bei Lempertz gehen auf das Konto einer indischen Miniatur. [...] Und auch Koller verzeichnete in diesem Bereich fünfstellige Erlöse. Adrian Heindrichs von Lempertz sieht in den gestiegenen Erlösen 'eine sehr kompetitive Situation, die zudem Rückschlüsse auf die Potenz eines gerade entstehenden Marktes gibt'.“

Die Frühjahrssaison der französischen Auktionsbranche fasst Bettina Wohlfarth in der FAZ (Paywall) zusammen: „Christie’s hat in Paris mit 27 Auktionen – 2025 waren es nur 22 – die Vorabschätzungen meist übertroffen. Versteigerungen namhafter Sammlungen wie der von Arthur Georges Veil-Picard mit Kunst des 18. Jahrhunderts oder der Kunsthändlerin Thessa Herold überflügelten die Erwartungen weit. […] Bei Sotheby’s spielten die Prestigeauktionen moderner Kunst im April 46,3 Millionen Euro ein, ein deutliches Plus gegenüber 38,5 Millionen im Vorjahr. Das Auktionshaus von Patrick Drahi hatte weniger zu bieten als der Konkurrent Christie’s, doch das teuerste Los des französischen Auktionsmarkt im ersten Halbjahr wurde bei Sotheby’s zugeschlagen“.

Alles, was man über das Art + Tech Summit und die dort vorherrschende Vorstellung vom Kunstmarkt wissen muss, erklärt Shanti Ecalante-De Mattei bei Artnews: „Können wir davon ausgehen, dass die Tech-Reichen in die Fußstapfen der großen Kunstmäzene wie dem Verlagsmagnaten S.I. Newhouse treten werden? Während [Christie’s-Chefin Bonnie] Brennan ein wenig über Bildung und die Beratung sprach, die die Christie’s-Experten in Sachen Geschmack bieten könnten, äußerte sie sich ganz offen darüber, was die Käufer eigentlich wollen. 'Früher galt eine Wohnung an der Park Avenue und ein Picasso über dem Kamin als Prestigeobjekt', sagte Brennan. 'Heute wollen sie lieber eine Sportmannschaft oder eine Jerry-Garcia-Gitarre für 11 Millionen Dollar. Junge Käufer interessieren sich für Popkultur.' Christie’s ist wie immer bereit, sich an den Geschmack seiner Kunden anzupassen, aber das Auktionshaus verfolgt auch verschiedene Strategien, um die Tech-Millionäre für sich zu gewinnen und sie für die bildende Kunst zu begeistern.“

„Der Kunstmarkt“ mache es sich ein bisschen einfach, wenn er seine Hoffnungen auf die nächste Sammlergeneration setzt, glaubt Annika von Taube bei Monopol (Paywall): „Es ist nur so, dass der durch schwankende Umsätze unsanft aus dem Schlaf gerüttelte Kunstmarkt alles, was er an Wandel in der Welt jahrzehntelang ignoriert hat, jetzt der 'jungen Generation' zuschreibt (und nebenbei durch die Verwendung des veralteten Begriffs 'NextGen' auch noch beweist, so stehen geblieben zu sein, wie ihm gern angelastet wird) und sich von dieser die eigene Erneuerung erhofft. Die Probleme auf die Kunstkaufenden von heute zu schieben und zu glauben, mit denen von morgen würde alles besser, ist allerdings nicht nur naiv, sondern auch respektlos gegenüber allen, die unermüdlich Innovationen im Kunstbetrieb vorangetrieben haben, statt Dornröschenschlaf zu halten.“

Die eigenwilligen Usancen des institutionellen Kunstmarkts in den USA beschreibt Brian Boucher bei Artnews: „Da kam ein Museumskurator vorbei, der sich begeistert über die Ausstellung äußerte und sogar Interesse am Erwerb eines Werks bekundete. Doch diese Nachricht ging mit einem Vorschlag einher, den viele Händler mittlerweile erwarten – und nicht unbedingt begrüßen. Es läuft ungefähr so ab, sagte [die Galeristin Sonia] Dutton: 'Wir lieben die Ausstellung. Wir lieben die Werke. Wir würden gerne etwas für die Sammlung des Museums haben. Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir die Mittel dafür haben.' In der Praxis kann das so viel bedeuten wie: 'Wen kannst du finden, der es für uns kauft?' Für den Händler ist das eine zweischneidige Sache: Die Chance, dass ein Kunstwerk in eine Museumssammlung aufgenommen wird, ist ein Coup, wird aber dadurch getrübt, dass der Händler gewissermaßen dazu gedrängt wird, Mittel für das Museum zu beschaffen – was man eigentlich als Aufgabe des Vorstands oder der Förderabteilung der Institution erwarten würde.“

Die Entscheidung der EU, der Venedig-Biennale zwei Millionen Euro an Fördergeldern zu entziehen, kommentiert Daniel Völzke bei Monopol: „Sie zielt nicht auf die russische Kunst insgesamt, sondern auf den offiziellen Nationalpavillon eines Staates. Der Fall lässt sich deshalb auch nicht ohne Weiteres einbetten in die vielen aktuellen Debatten zur bedrohten Kunstfreiheit. Die EU sagt nicht, welche Kunst entstehen darf, sondern welche Institutionen sie finanziell unterstützt. [...] Doch der russische Auftritt unterscheidet sich von Pavillons anderer Länder, denen man ebenfalls aktuell völkerrechtliche Verstöße vorwirft: Im russischen Pavillon präsentiert sich die Führungselite eines autoritären Staates ganz unmittelbar und nutzt den Auftritt für sich.“ Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuco ist laut einer APA-Meldung empört: „Nach Angaben Buttafuocos habe die Europäische Kommission die Biennale in mehreren Schreiben aufgefordert, Fragen zu beantworten. Die Antworten der Institution seien jedoch aus seiner Sicht nicht angemessen berücksichtigt worden. Er kritisierte zudem die Entscheidung, der Biennale zwei Millionen Euro zu entziehen. Der Schutz kreativer Freiräume sei notwendig, insbesondere zur Unterstützung junger Künstler und ihrer Zukunftsperspektiven.“

Die Landesmuseen in Baden-Württemberg sind zu billig, findet der dortige Landesrechnungshof in seinem Jahresbericht (PDF). Statt lediglich sechs Prozent durch Eintrittsgelder zu erlösen, sollten die Institutionen laut einer dpa-Meldung mindestens zehn Prozent anstreben. Warum nicht gleich 100 Prozent? Dann käme zwar niemand mehr, aber die Erbsenzähler könnten auf ihrer Liste ein grünes Häkchen setzen. Die Preise für Museumstickets sind Ergebnisse politischer und wirtschaftlicher Abwägungen zwischen dem Wünschenswerten und dem Möglichen. Ein Rechnungshof sollte Politik kontrollieren und nicht selbst machen wollen.

David Zwirner gibt seinen Standort an der Upper East Side von New York auf, melden Janelle Zara und Andrew Russeth bei Artnet: „David Zwirner hat gerade die Niederlassung geschlossen, die er seit 2017 in einem Stadthaus in der 34 East 69th Street betrieben hat. Der globale Gigant hatte die ersten drei Etagen belegt, während sich die [Kunst-] Beratungsfirma Adler Beatty in der vierten Etage befand. Zwirners Weggang erfolgt ein Jahr, nachdem Hauser & Wirth die Räumlichkeiten nebenan, in der 32 East 69th Street, verlassen hatten – Manuela und Iwan Wirth hatten das Gebäude verkauft.“

Maribel López verlässt ihren Posten als Direktorin der Arco in Madrid und Lissabon und wechselt an die Spitze der Fundació Miró in Barcelona, melde ich bei Artmagazine.

Die Miart in Mailand hat mit Zoe Piccoli eine neue Direktorin, melde ich bei Artmagazine.