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Kobels Kunstwoche

Station Berlin: früher vbc, heute Banksy van Gogh - dann doch lieber MISA; Foto Stefan Kobel
Station Berlin: früher vbc, heute Banksy van Gogh - dann doch lieber MISA; Foto Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 33 2021

Es geht los! Vom „Börsengang“ eines Picassos erzählt Markus Städeli in der NZZ vom 15. August: „Die Schweizer Bank Sygnum und die Kunstinvestment-Firma Artemundi ermöglichen Anlegern auf diese Weise eine Miteigentümerschaft am Gemälde 'Fillette au béret'. Man kann also kleine Stückelungen an diesem 4 Mio. Fr. teuren Picasso kaufen, besitzen und verkaufen: Es ist, als würde das Kunstwerk einen Börsengang machen. Seine Aktien können bald gehandelt werden wie Titel von Nestlé oder Novartis. Nur dass man dann nicht von Aktien spricht, sondern von Token. Weil die Schweizer Gesetze vor kurzem blockchaintauglich gemacht worden sind, ist die sogenannte Tokenisierung von Kunst jetzt auch juristisch wasserfest. Die Investoren haben nun 60 Tage Zeit, zu zeichnen. 'Wir werden bestimmt weitere Gemälde tokenisieren', sagt Bigna Pfenninger von Artemundi. Dieses Angebot öffne den Kunstmarkt für eine ganz neue Käuferschaft. 'Die Tokenisierung von Kunst bietet Investoren die Möglichkeit einer risikoarmen Lernkurve. Man macht mit einem kleinen Einsatz mit, kann beobachten, wie das funktioniert, und dabei etwas über die Funktionsweise des Kunstmarkts lernen', so Pfenninger. Die Tokenisierung schaffe Transparenz, Liquidität und mache aus Kunst einen bankable asset, einen bankfähigen Vermögenswert.“

Der dritte Auftritt von Johann Königs „Messe in St. Agnes“ warte mit einigen Veränderungen auf, erklärt Kevin Hanschke in der FAZ vom 14. August: „Doch die dritte Ausgabe will einen anderen Weg gehen: den der Transparenz. Jetzt sind weniger Partner-Galerien als zuvor beteiligt, dafür mehr Händler des Sekundärmarkts. Und im Mittelpunkt sollen die Sammler stehen, die ihre Objekte auf der Messe über die Vermittlung der Galerie anbieten. Die Transparenz soll vor allem über das Angebot auf der digitalen Plattform hergestellt werden“

Den Ansatz würdigt auch Christian Herchenröder im Handelsblatt, allerdings besteht für ihn noch Luft nach oben: „So präsentieren sich auf dieser erstmals in Gattungen gegliederten Messe rund vierzig Prozent Werke, die aus dem Handel kommen, neben 40 Prozent Einlieferungen aus Privatbesitz. Die restlichen 20 Prozent, und das ist ganz neu, kommen aus den Ateliers junger zeitgenössischer Künstler, eine Abteilung, die im Parcours als 'Ultra Contemporary' ausgeschildert ist. 'Die Künstler haben Freude an unserer Reichweite,' sagt Messeleiterin Lena Winter. Gerade diese Sektion, die vor allem mit stark farbiger Malerei auftritt und in der schon einige Bilder vor Messebeginn verkauft waren, bedarf aber einer stärkeren Kuratierung, sprich Auswahl. Jetzt sieht sie so aus, als würde ohne strengeren Qualitätsfilter fast alles angenommen, was junge Künstler, die noch keine Galerie haben, einreichen.

Ich habe mir für Monopol beide Versionen der Messe (physisch und online) angesehen.

Ein neues Hybrid-Modell in New York an der Schnittstelle zwischen Immobilien- und Kunstmarkt stellt Angelica Villa bei Artnews vor: „Das Geschäftsmodell für die Räumlichkeiten ist einfach. Art House erhebt von den Galerien eine Leasinggebühr für die Ausstellung und die Anmietung von Büroräumen. Die Preise entsprechen den Gebühren, die große Kunstmessen von den Anbietern für die Präsentation ihrer Werke verlangen. ([Michael] Plummer und [Jeff] Rabin lehnten es ab, die Preisspanne zu nennen.) Die Gründer sagen, dass der neu gegründete Londoner Cromwell Place - ein auf Mitgliedschaft basierendes Galeriezentrum in South Kensington, in dem Händler und Sammler ihre Geschäfte abwickeln und das im August 2020 eröffnet hat - dem Art House sehr ähnlich ist.“

Die Halbjahresbilanz der französischen Auktionshäuser präsentiert Olga Grimm-Wiessert im Handelsblatt. Spitzenreiter Christe's vermelde 205 Millionen Euro Umsatz. Anders als in Deutschland, wo die einheimischen Versteigerer sehr nah beieinander liegen, klafft in Frankreich eine Riesenlücke zwischen den Marktführern und dem Mittelstand: „Peinlicherweise geben weder Sotheby’s noch Artcurial ihre Umsätze bekannt, weil sie schlechter als bisher abschnitten. Patrick Drahis Haus, das Online-Lifestyle mit Kunst vermischt präsentiert, setzte etwa 145 Millionen Euro um, wie die Onlinezeitung 'The Art Newspaper' schrieb, während es bei Artcurial laut der französischen Kunstzeitschrift 'Journal des Arts' wohl nur 72 Millionen Euro waren. Davon entfallen allein auf die Artcurial-Motorcars-Versteigerungen für Sammlerautos schon 22 Millionen Euro. Exakt 22 Millionen Euro Umsatz erreichte das aufsteigende Auktionshaus Ader Nordmann & Dominique. Leicht darüber liegt das Halbjahresergebnis von Piasa mit 22,7 Millionen Euro.“ Bettina Wolhlfarth erklärt in der FAZ vom 14. August: „Die im Drouot zusammengeschlossenen Auktionatoren erwirtschafteten mehr als zweihundert Millionen Euro; sie verbesserten damit ihr Gesamtergebnis um 2,3 Prozent im Vergleich zu 2019.“

Das erste Halbjahr der deutschen Kunstversteigerer bilanziert Rose-Maria Gropp in der FAZ: „Es gab in den deutschen Häusern einschließlich der wichtigen Sommerauktionen bis in den Juli bereits acht Zuschläge bei einer Million Euro und einige Male noch beträchtlich darüber; das jeweilige Aufgeld eingerechnet, liegen damit insgesamt mehr als ein Dutzend der erzielten Preise oberhalb der Millionengrenze. Dieses bei Auktionen fällige Aufgeld, das die Einlieferer, vor allem aber die Käufer zu entrichten haben, liegt auf der Käuferseite inzwischen im Bereich von zwanzig bis 25 Prozent der Summe des Zuschlags. Darin liegt das eigentliche Geschäft für die Kunstversteigerer.“

Die Corona-Pandemie habe den Wandel im Kunstmarkt zumindest in den USA nachhaltig geprägt, schließt Barbara Kutscher im Handelsblatt aus der Lektüre zweier Studien: „Eine deutlich gestiegene Nachfrage sowohl bei etablierten Sammlern als auch neueren Kunden, die ihre Beratung suchten, beobachtete auch Art Consultant Christine Minas. 'Instagram half Sammlern dabei, ihre visuelle Kenntnis zu erweitern.' Es gäbe ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass Kunst in allen Preislagen erhältlich ist. 'Ich höre oft, dass die Medien nur über die teuersten Werke berichteten. Daher ist manchen neu, dass auch sie sich Kunst leisten, Künstler unterstützen und an der Kunstwelt teilhaben können.'“

Ein Start Up im doppelten Sinn präsenstiert Susanne Schreiber im Handelsblatt: „An der Schnittstelle zwischen Hochschule und Markt siedelt die Internetplattform 'Studenten-Kunstmarkt'. 1700 Werke von 235 Kunststudierenden warten dort auf entschlossene Onlinekäufer.“ Kevin Hanschke erklärt das Projekt in der FAZ: „Die Idee von Erich Reich für einen „Studentenkunstmarkt“ – eine Internetplattform für Kunststudenten also – füllte genau zu diesem Zeitpunkt die Lücke, die sich bei vielen jungen Künstlern am Beginn ihrer Karriere aufgetan hatte. Mit diesem Online-Marktplatz für Arbeiten aus den Kunsthochschulen hat er eine Möglichkeit für die Studierenden geschaffen, ihre Werke online und ohne hohe Provision anbieten zu können. Seither hilft das Geschäftsmodell nicht wenigen jungen Künstlern durch die Krise.“

Den Auftakt einer neuen Serie von Artnews zu NFTs eröffnet ein Überblick verschiedener Ausstellungsplattformen von Brian Droitcour.

Nach Kunst boome nun eine andere Branche auf den NFT-Marktplätzen, erläutert Dieter Petereit bei t3n: „In Decentraland können Kleidungsstücke für Avatare – sogenannte „Wearables“ – auf der Blockchain in Form von Non-Fungible-Token (NFT) gekauft und verkauft werden. Nach einem Riesenhype um NFT im Frühjahr ist es wieder ruhiger geworden um das digitale Eigentumszertifikat. Lediglich unter Sammlern haben NFT nie an Popularität verloren. Das ist nachvollziehbar, denn etwa bei Sammelkarten geht es um die Gewissheit, eine bestimmte Karte als einziger zu besitzen. Das lässt sich im Digitalen nur mit NFT erreichen. Ganz ähnlich verhält es sich mit Mode. Niemand möchte aussehen wie der Nachbar. Und so verwundert es nicht, dass sich einige der größten Modeunternehmen der Welt verstärkt für virtuelle Assets als NFT interessieren.“

Über den Einstieg der Weng Fine Art AG (15 Prozent) und des Galeristen Johann König (4 Prozent) beim kürzlich von der Deutschen Börse gegründeten NFT-Marktplatz 360X Art AG informiert eine Pressemitteilung: „Sachwerte können mithilfe der Plattform durch Blockchain-Technologie digital verbrieft und auch in Anteile unterteilt (fraktionalisiert) werden, die dann auf der verbundenen Plattform 360X gehandelt werden können. Dies ermöglicht Anlegern, mit verhältnismäßig geringen Beträgen in den Kunstmarkt zu investieren und von potenziellen Wertsteigerungen umgehend zu profitieren.“

Eine Privatsammlung als Konjunkturmotor für eine ganze Stadt: Die Luma Foundation in Arles und ihre Gründerin stellt Olga Grimm-Weissert im Handelsblatt vor: „Die resolute, heute 65-jährige Mäzenin Maja Hoffmann hat für ihre Stiftung das elf Hektar umfassende ehemalige Eisenbahn-Gelände erworben. Die Hallen baute die amerikanische Architektin Annabelle Selldorf behutsam um, während rundum ein riesiger Park mit einem Teich für die Wasserversorgung angelegt wurde. Die Stadt Arles hat keinerlei Einkünfte aus der Industrie und ist ziemlich verarmt. Sie hofft auf den Gehry-Effekt, wie man ihn im spanischen Bilbao erlebt.“