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Kobels Kunstwoche

Gemeinsam stark: Kunsthandelsverbände bilden Interessengemeinschaft
Gemeinsam stark: Kunsthandelsverbände bilden Interessengemeinschaft
Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 4 2019

Zeit wird's: Der deutsche Kunsthandel soll endlich eine verbandsübergreifende Standesvertretung bekommen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Bundesverbands Deutscher Galerien BVDG hervor. Die Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel "wird künftig die gemeinsamen berufsständischen und kulturpolitischen Anliegen ihrer Mitglieder gegenüber der Öffentlichkeit, der Politik und der Verwaltung in Deutschland sowie in der Europäischen Union wahrnehmen und mit einer Stimme vertreten." Es gibt sogar schon eine Internetpräsenz, auf der allerdings noch keine aktuellen Inhalte hinterlegt sind. Noch vor Bekanntgabe der Gründung hat die Sprecherin der Interessengemeinschaft Christina Berking, Hamburger Rechtsanwältin, bereits Andrea Gerk im Deutschlandfunk ein Interview gegeben.

Am 16. Januar, eine Woche vor Eröffnung der Art Stage Singapore, platzte die Bombe: Die Messe sei abgesagt, ließ Eigentümer Lorenzo Rudolf Aussteller in einer E-Mail wissen, aus der Enid Tsui für die South China Morning Post zitiert. Lorenzo Rudolf erwäge alle "kurz-, mittel- und langfristigen Möglichkeiten", den Galerien zu helfen, ihre Verluste zu kompensieren, zitiert Akshita Nanda den Messemacher in der Straits Times. Ohnehin hätten nur noch ganze 45 Galerien auf der diesjährigen Ausgabe ausstellen wollen.

Währenddessen scheint sich die neue Taipei Dangdei ganz tapfer zu schlagen. Zumindest die PR im Vorfeld lief wie geschmiert, ebenso die Ausstellerakquise. "Alle sind sie da: Gagosian, Zwirner, Hauser & Wirth, Lisson, Thaddaeus Ropac," schreibt Roxana Azimi in Le Monde. Den Sammlerzulauf zur Eröffnung charakterisiert sie jedoch als "langsam". Pikant: Die Eigentümer der Messe in Taiwan dürften mit Bekanntgabe ihrer Messepläne für eine Art SG in Singapur nicht unwesentlich zum finalen Niedergang der Art Stage Singapore beigetragen haben.

Private Sales sind die Geheimwaffe der Auktionshäuser im Kampf um Umsatz und Marktanteile. Damit wildern sie im angestammten Revier der Kunsthändler. Nina Schedlmayer fragt in der ZEIT: "Wie gehen die Händler damit um? Werner, der kürzlich ein älteres Bild des Malers Markus Lüpertz für eine Million Euro verkauft hat, sagt: 'Wir kopieren jetzt Private Sales und spalten das Angebot in teure und nicht so teure Bilder.' Erstere verkaufe er hinter den Kulissen. Zweitere zeige er in Ausstellungen, sie haben ganz offizielle Preise. Die Münchner Galeristin Silke Thomas betont dagegen die persönliche Beziehung zur Kundschaft und das Vertrauen, das aus langjähriger Zusammenarbeit erwächst. Dennoch kooperiert ihre Galerie auch manchmal mit Auktionshäusern bei privaten Verkäufen. Ob solche Strategien der Annäherung dem Handel helfen, wird sich zeigen."

Fast eine halbe Milliarde US-Dollar wurde für Leonardos "Salvator Mundi" bezahlt. Seit der denkwürdigen Auktion ist das Bild nicht mehr zu sehen gewesen, stattdessen sprießen die Spekulationen, wie Jörg Häntzschel in der Süddeutschen Zeitung bemerkt: "Es soll eine Schlüsselrolle in der Verschwörung von Trump und Putin spielen. Das jedenfalls behauptet der Autor Zev Shalev auf seinem Blog narrativ.org. Ausgangspunkt der Story ist das übersichtliche Netz von Beziehungen rund um dieses Bild. Der Kunsthändler Yves Bouvier verkaufte es für 127 Millionen an den russischen Oligarchen Dmitri Rybolowlew, der 2009 über eine Firma auch eine Strandvilla von Donald Trump erwarb. Ersteigert wurde Rybolowlews Leonardo 2017 dann von einem Saudi namens Badr bin Abdullah, der ein Mittelsmann des Kronprinzen Mohammed bin Salman gewesen sein soll. Die Frage ist nun, warum bei diesen Transaktionen immer sehr viel mehr bezahlt wurde als vernünftig gewesen wäre."

Das soll es bisweilen auch noch geben: Kunstsammelnde Unternehmer mit sozialem und künstlerischem Sachverstand. Johannes Wendland hat für das Handelsblatt in der Bremer Weserburg die Ausstellung "What Paradise" aus den Beständen von Florian Peters-Messer gesehen und mit dem Sammler gesprochen: "'Ich stamme aus einer Familie, die seit 200 Jahren Unternehmer hervorbringt und in der immer ein soziales Verantwortungsgefühl ausgeprägt war', erklärt Florian Peters-Messer sein Eintreten für Kunst, die nicht schön zu sein hat. 'In der Kunst berühren mich die politisch-soziologischen Kerninhalte einfach am meisten.' Peters-Messer sammele Kunst, die keinen Konsens, sondern ganz bewusst einen Dissens erzeugt, kommentiert Peter Friese, den dezidierten Blick des Sammlers. Friese, der bis Ende September Direktor des Bremer Sammlermuseums Weserburg war, hatte Peters-Messer nach Bremen geholt. 'Es sind Arbeiten, die keine Antworten geben, sondern den Betrachter dazu auffordern, die richtigen Fragen zu stellen.'"

Der Sammelleidenschaft auf den Grund zu gehen, versucht Philipp Meier in seinem Portrait eines Sammlers japanischer Keramik für die NZZ: "Denn Sammler suchen immer irgendetwas. Und auf dieser oft ruhelosen Suche gehen ihnen manchmal ganze Welten auf: durch neue Begegnungen, durch die Lektüre einschlägiger Literatur. Und oft finden sie auch ein Stück Heimat: durch den Austausch mit Gleichgesinnten, wie unser Hans im Glück erzählt. Zwischen Ostasien, London und der Schweiz pendelnd, nennt er sich zwar einen Nomaden, seine Heimat aber hat er zweifellos in der erdigen Wärme seiner Stücke deformierter japanischer Keramik gefunden."

Wahrscheinlich braucht es wirklich einen Erklärbär, wie ihn Kolja Reichert in der FAZ  dankenswerterweise gibt, um die von allen Seiten mit Halbwissen, Gefühltem und Ideologie belastete Debatte um koloniale Raubkunst nicht nur Außenstehenden, sondern auch den Streitenden selbst wieder verständlich zu machen und auf die wesentlichen Punkte herunterzubrechen. Mit den Fragen sollte sich zumindest einmal auseinandergesetzt haben, wer in dieser Debatte mitreden möchte - auch wenn die eigenen Antworten möglicherweise anders ausfallen als die des Autors.

Einen "Bericht zum Umfang des Verwaltungsaufwandes von Bund und Ländern" im Zusammenhang mit dem novellierten Kulturgutschutzgesetz scheint dpa zu kennen, wie unter anderem bei Monopol nachzulesen ist. Demnach sei alles ein paar Nummern kleiner ausgefallen, als von Kritikern befürchtet, und Ministerin Grütters sehr zufrieden. Schade ist nur, dass es sich bei dem Bericht des Ministeriums um Herrschaftswissen zu handeln scheint, der durch den Filter einer Pressemitteilung des Bundespresseamtes nur mittelbar das Licht der Öffentlichkeit erreicht.

Die Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel zieht in einer vom BVDG (bisher nicht online veröffentlichten) Pressemitteilung vom 19. Januar aus dem Bericht ganz andere Schlüsse: "In den ersten zwei Jahren seit Inkrafttreten des Gesetzes wurden lediglich 5 Eintragungen in das Verzeichnis national wertvollen Kulturguts vorgenommen. Langfristig geht die Beauftragte für Kultur und Medien von 10 Eintragungen pro Jahr aus. Das entspricht laut Bericht dem Niveau der Eintragungen für privates Eigentum vor Inkrafttreten des Kulturgutschutzgesetzes. Das Gesetz hat also den Schutz nationalen Kulturguts durch Listung nicht verbessert. Wie bisher werden die Eintragungsverfahren national wertvollen Kulturguts offenkundig unabhängig von den Ausfuhrgenehmigungen vollzogen. Es wurde also eine überflüssige, bürokratische Hürde ohne echten Mehrwert für den Schutz nationalen Kulturguts errichtet. Der Bericht legt im Übrigen nicht offen, wie viele Objekte ein einzelner Ausfuhrantrag umfasst. Das aber ist für die Zählung entscheidend."

In einen besonders prominenten Fall von möglicher NS-Raubkunst in öffentlichen Sammlungen - Picassos "Madame Soler" in München - könnte es jetzt doch ein Einsehen geben, wie Catrin Lorch in der Süddeutschen Zeitung berichtet: "Kontrovers war die langjährige Weigerung der Gemäldesammlungen, die Limbach-Kommission, die in strittigen Fällen Empfehlungen ausspricht, anzurufen. Doch jetzt könnte Bewegung in den Fall kommen: Man werde sich nicht länger entziehen, kündigte Bernhard Maaz, Direktor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung an. Vorausgegangen war ein Appell von Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur im Kanzleramt, die bei einem Symposium zum Jubiläum der Washingtoner Prinzipien gefordert hatte, dass sich Museen der Klärung vor diesem Gremium nicht entziehen."

China geht derweil eigene Wege zur Rückerlangung von im 19. und 20. Jahrhundert ins Ausland gelangten Kulturguts, wie Minh An Szabó de Bucs in der Süddeutschen Zeitung vom 19. Januar beschreibt: "Im Zuge Chinas rasanter Entwicklung in den vergangenen Dekaden erstarkte auch das kollektive Selbstbewusstsein und ein ausgeprägtes Nationalgefühl. Die Handels- und aufstrebende Weltmacht hat mittlerweile die nötigen Mittel, um die versprengten Schätze 'heim ins Reich zu holen', so die wörtliche Übersetzung der chinesischen Zeichen für Repatriierung. Schon vor zehn Jahren wurde die Repatriierung des chinesischen Kulturerbes zur Staatssache erklärt und seitdem massiv vorangetrieben. Denn nur so kann aus chinesischer Sicht die damals von westlichen Mächten zugeführte Demütigung wieder rückgängig gemacht werden. Nur so wird China als Weltmacht auf Augenhöhe respektiert werden."

Der COO von Artsy Sebastian Cwilich hat überraschend seinen Rücktritt erklärt. Anny Shaw meldet die Personalie ausführlich im Art Newspaper. Der Art Market Monitor macht sich Gedanken über die Konsequenzen des Abgangs von Artsys Mastermind nicht nur für das Unternehmen, sondern für das gesamte Geschäftsmodell von Irgendwas-mit-Kunst-im-Internet.

Die Viennacontemporary hat mit Johanna Chromik eine neue künstlerische Direktorin aus Berlin, wie ich im Artmagazine melde.

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Dr. Stephan Zilkens | Zilkens Kunstversicherung