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Kobels Kunstwoche

Das Museum der Zukunft? Foto Stefan Kobel
Das Museum der Zukunft? Foto Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 40 2021

Neuland betreten und Einheimische treffen: Die Deutschland-Premiere von Sotheby's hält Ursula Scheer in der FAZ für erfolgreich: "Sotheby’s fand mit seiner Eröffnungsofferte, die vor Ort besichtigt werden konnte, vor allem Käufer aus Deutschland und Österreich. Dass jeder Dritte Neukunde ist und das Gesamtergebnis mit erlösten 1,9 Millionen Euro gut innerhalb der Schätzung von 1,5 bis 2,1 Millionen liegt, dürfte das Auktionshaus bei seinem Engagement in Deutschland bestärken." Bei genauem Hinsehen ist das Ergebnis jedoch nicht berauschend: Bei einer Präsenzauktion ist ein überwiegend einheimisches Publikum zu erwarten - aber im WWW? Zudem liegt das Ergebnis nicht in der Mitte der Spanne, sondern am unteren Rand, da die Schätzpreise netto angegeben werden, die Ergebnisse jedoch brutto. (Notiz an mich: Shortcut für Textbaustein einrichten). Dadurch kippt auch die behauptete Quote von 61 Prozent der Lose, die ihren Schätzpreis übertroffen haben sollen, ins Gegenteil. Laut Ergebnisliste blieben übrigens 15 von 66 Losen unverkauft, was für eine derart ausführlich kommunizierte Auftaktveranstaltung nicht gerade umwerfend ist. Ändern die angesprochenen Punkte etwas an der Beurteilung? Ja und nein. Die erste Auktion von Sotheby's in Köln lehrt die deutschen Auktionshäuser nicht das Fürchten. Zum Verkaufen dürfte der Auktionsgigant allerdings auch nicht vorrangig diesen Aufwand im kleinen Markt Deutschland betreiben, sondern wegen der Akquise hochkarätiger Sammlungen für die Drehscheiben London und New York.

Neben dem ersten White Glove-Sale mit Papierarbeiten aus dem Nachlass von Marc Chagall könne sich der 98-jährige Auktionator Eberhard W. Kornfeld noch über einen weiteren Rekord freuen, bemerkt Susanne Schreiber im Handelsblatt: „Und das in einem irritierten Marktumfeld, in dem der Verkauf von Spitzenwerken gern für vermeintlich bessere Zeiten zurückgestellt wird. Rekord Nummer Eins liegt im Umsatz von 72 Millionen Schweizer Franken inklusive Aufgeld, ohne Steuern, direkt nach den zweitägigen Versteigerungen. Bis Redaktionsschluss haben die Nachverkäufe diesen höchsten Umsatz in der 157-jährigen Geschichte des Hauses nochmals um rund drei weitere Million Franken erhöht. Damit schiebt sich das Schweizer Unternehmen im deutschsprachigen Raum an die Spitze. Und überholt auch den deutschen Spitzenreiter Ketterer Kunst.“

Einen Zustandsbericht über den Kunstmarkt hat Annegret Erhard für die NZZ verfasst: "Zahllose Online-Viewing-Rooms, die inzwischen allerorten etablierten Online-Versteigerungen, haben die weltweit hohen Umsatzeinbussen von 2020 naturgemäss nicht auffangen können, doch wurden neue, jüngere Kunden angesprochen. Sie verdienen gut, konnten ihr Geld mangels Gelegenheit nicht verplempern, und ihre digitale Wahrnehmung ist trainiert. Nach allem Dafürhalten dürfte sich das, wie schon ansatzweise auf der Art Basel, zur kommenden Fiac, der international ausgerichteten Pariser Messe für zeitgenössische Kunst (21. bis 24. Oktober), deutlich bemerkbar machen."

Einem Feldversuch auf der Art Basel haben Tom Seymour und Catherine Hickley die Preisfindungs-App Limna für das Art Newspaper unterzogen: „Für nervöse Sammler, die befürchten, eine Fehlinvestition zu tätigen oder von einem räuberischen Händler abgezockt zu werden, ist Limna so etwas wie der Heilige Gral der Kunstmessen. 'Der fehlende Zugang zu Preisen ist der Grund, warum Menschen, die Kunst kaufen wollen, keine Kunst kaufen', sagt [Gründer Marek] Claassen. 'Limna beseitigt diese Barriere.' Im Jahr 2016 startete der Kunstmarktunternehmer Magnus Resch Magnus, eine vergleichbare Plattform, die mit großem Tamtam veröffentlicht wurde, bevor sie still und leise eingestellt wurde. [...] 'Magnus war ein Shazam für Kunst', sagt Claassen. 'Man machte ein Foto von einem Kunstwerk und bekam einen Titel und einige Auktionsdaten zurück. Mit Limna identifizieren wir nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch eine KI-gestützte Preisschätzung. Das hat es noch nie gegeben.'"

Ein Eigentor schießt der Deutschlandfunk, wenn er Peter Weissenburger über die Zukunft von NFTs im Journalismus spekulieren lässt. Nicht nur verwechselt der Sender selbst in der Textfassung zum Radiobericht Pfund und Euro, er lässt auch den schlicht erfundenen dreistelligen Millionenerlös für ein einzelnes NFT ungeprüft stehen und hebt ihn sogar in die Anmoderation. Zugrunde liegt der ganzen Sensationsheischerei auch noch die Gleichsetzung des Kunstmarkts mit dem für Collectibles. Vielleicht handelt es auch um Satire bei dem Beitrag, laut dem möglicherweise "die Zukunft des Journalismus in einer Art Wikipedia liegt, in einem globalen sozialen Netzwerk aus Information, bei dem alle mitmachen können. Wo Medienschaffende mit dem Publikum zusammentreffen oder mit Quellen und Information austauschen. NFTs wären dann ein möglicher Beleg über die Güte der einzelnen Wissenstransfers."

Unzureichend habe die NFT-Plattform Nifty Gateway die Änderung ihrer Geschäftsbedingungen unterrichtet, beklagt ein Bieter laut Riah Pryor laut Art Newspaper: „Enttäuscht erfuhr der Sammler dann 'schockiert', dass die verbleibenden 99 Höchstbietenden für eine weitere Ausgabe des Werks zahlen sollten - und zwar in der Reihenfolge ihrer Platzierung bei den Schlussgeboten (eine so genannte Rangauktion).“ Nachdem er den seiner Meinung nach ungerechtfertigten Betrag von 650.000 US-Dollar für ein NFT nicht zahlen wollte, habe das Unternehmen alle seine dort gelagerten Assets gesperrt. Der NFT-Markt ist anscheinend wie Wilder Westen, aber mit Anwälten.

Die als Material für ein Kunstwerk zur Verfügung gestellten Geldscheine hat der dänische Künstler Jens Haaning nicht verabredungsgemäß verwendet und dem Museum in Aalborg eine andere Arbeit geliefert, meldet Monopol: „Stattdessen nahm er die umgerechnet rund 70.000 Euro, die ihm das Museum geliehen hat an sich und schickte statt der Assemblage zwei leere Bilderrahmen für die Ausstellung. 'Take The Money And Run' nennt er das Werk, das nun tatsächlich mit einem erklärenden Schild in der Schau 'Work It Out' hängt, in der es passenderweise um Arbeitsverhältnisse, Selbstausbeutung und Innovation geht. Haaning sieht die Aktion selbst nicht als Diebstahl, sondern als Protest gegen das Kunstsystem“. Das könnte ein interessanter Rechtsfall werden, da das Museum nicht nur die Annahme nicht verweigert hat, sondern die Ersatzlieferung auch noch ausstellt. Ein kunstsinniger Richter könnte das als stillschweigendes Einverständnis zu werten versucht sein.

Die Schließung der Kölner Galerie Delmes & Zander nach 33 Jahren meldet Monopol. In einer Mitteilung der Galerie heißt es: „Von Beginn an war es unser Anliegen, gute Kunst aus den schlecht ausgeleuchteten Ecken zu holen, in die Künstler aufgrund ihres Eigenseins, ihrer Beeinträchtigungen oder fehlender Hochschulabschlüsse gedankenlos und brachial gedrängt wurden. Auch wenn gesellschaftlicher Fortschritt immer fragil ist, haben sich die Zeiten geändert und wir freuen uns sehr, dass die Werke unserer Künstler*innen heute im zeitgenössischem Kunstkontext angekommen sind. In dem Bewusstsein, etwas für diese bestimmte Art von Kunst und die Anerkennung unserer Künstler*innen erreicht zu haben und mit dem Gedanken, eine Kategorisierung auch durch das eigene Programm nicht fortschreiben zu wollen, werden wir unsere Galerie mit Ende der laufenden Ausstellung schließen.“ Die Galerie hatte zuletzt regelmäßig an der Fiac und mehrmals an der Art Basel teilgenommen.