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Kobels Kunstwoche

Das Personalkarussel dreht sich unter anderem bei der Art Basel; hier Adeline Ooi; Foto Stefan Kobel
Das Personalkarussel dreht sich unter anderem bei der Art Basel; hier Adeline Ooi; Foto Stefan Kobel
Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 41 2023

Für einen Angestellten der Messe Schweiz äußert sich Paris+-Direktor Clément Delépine im Gespräch mit Bettina Wohlfarth in der FAZ vom 7. Oktober nach anfänglichem PR-Sprech ungewohnt deutlich. Auf die Frage, ob Paris seine Ambitionen zügle, um Basel nicht das Wasser abzugraben, antwortet er: „Sicher nicht! Es gibt auch in Basel überhaupt kein Verlangen danach, dass etwa die Paris+ ihr Licht unter den Scheffel stellte, um keinen Schatten auf die Schweizer Messe zu werfen. Wir sind eine Gruppe mit neuerdings vier internationalen Messen – neben Paris und Basel in Hongkong und Miami Beach – und arbeiten in gutem Einvernehmen zusammen. Mit Paris+ haben wir keine weitere Messe erfunden, vorher gab es die FIAC, selbst das Datum ist gleich geblieben. Art Basel und Paris+ positionieren sich sehr unterschiedlich, hinsichtlich der Größe. Es sind zwei Veranstaltungen mit verschiedenen Kontexten, die wahrscheinlich ein unterschiedliches Publikum anziehen. Wir sehen das intern als eine recht positive Gelegenheit, denn die Dominanz von Basel hat seit Jahren keine Debatte mehr ausgelöst. Nun haben wir die Möglichkeit, uns gegenseitig zu bereichern, aber auch zu hinterfragen, was funktioniert und was nicht oder wie wir unser Modell überdenken könnten. In Paris experimentieren wir noch. In Basel lebt die gesamte stadt einige tage lang im Rhythmus der Messe.“

Die Versteigerung von Werken aus dem Bestand des Schanghaier Long Museums bei Sotheby's in Hongkong sei enttäuschend verlaufen, urteilt Daniel Cassady bei Artnews: „Die Auktion erzielte die höchste Summe aller single-owner sales in Asien. [...] Aber die Zahlen insgesamt sind nicht beeindruckend, was bedeuten könnte, dass die Vermutungen über das Ende des Verkäufermarktes der Covid-Ära und die Flaute des Marktes im Allgemeinen richtig sein könnten. Quellen berichteten ARTnews, dass die Gebote für mehr als nur ein paar Künstler zurückhaltend und manchmal sogar enttäuschend waren. Als die Auktion angekündigt wurde, rechnete man mit einem Erlös von etwa 150 Millionen Dollar. Die Gesamtsumme mit Gebühren war weniger als die Hälfte davon: 69,5 Mio. USD, mehr als 20 Mio. USD weniger als die untere Schätzung von 95,4 Mio. USD [ohne Gebühren].“

Gedanken über die Gründe für den Zusammenbruch des NFT-Marktes macht sich Titus Blome für den Freitag: „Die Vision hinter NFTs war kein basisdemokratisches Netz, aufgeteilt auf seine Nutzer:innen. Sie begann und endete mit dem eitlen Wunsch, Dinge online besitzen zu können und digitale Kultur in ein für Märkte greifbares Format zu bringen. Dahinter steht ein trübes, spätkapitalistisches Menschenbild, das sich außer Geld keine Motivation für kulturelle Produktion vorstellen kann. Memes, Kunst, Tweets und alles Weitere sollte in Token verwandelt werden, die man verkaufen und versteigern kann. Ihr künstlerischer und selbst ihr sozialer Wert sollte durch die spekulative Logik der Finanzmärkte ermittelt werden. NFTs waren noch nie mehr als die Finanzialisierung von absolut allem.“ Das Metaversum liege gleichfalls „im Koma“, erklärt der Berliner Informatik-Professor Raúl Rojas González bei Telepolis.

Das Goethe Institut schließt „neun der derzeit 158 Institute: Bordeaux, Curitiba, Genua, Lille, Osaka, Rotterdam, Triest, Turin, Washington sowie des Verbindungsbüros Straßburg“. Das Goethe Institut untersteht dem Außenministerium. „Das hat es zuvor noch nie in dieser Form gegeben“, kommentiert Rüdiger Schaper im Tagesspiegel die dratischen Mittelkürzungen „Die Unabhängigkeit der Kulturbotschafter im Ausland galt bisher als kostbares Gut. In 98 Ländern unterhält das Institut 158 Niederlassungen, mit insgesamt 4300 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen weltweit. Und es war immer auch diese Freiheit, die das Ansehen der Deutschen gestärkt hat, vor allem in Gesellschaften, in denen zivile Rechte wenig oder nichts bedeuten. Aber die Welt dreht sich, das Geld wird knapp, die geopolitischen Verschiebungen sind spürbar, Regierungen wollen Kontrolle, sie üben Druck aus. […] Zeitenwende, das ist ein großes Wort. Oder auch noch ein zu kleines. Das weiß man nicht. Wenn Politik in Kultur eingreift, muss man in jedem Fall wachsam sein.“ Grüne Kulturpolitik scheint noch schlimmer zu sein als rote.

Zum 200. Geburtstag und und zu ihrem wegweisenden Sammlungsmodell mit den engen Beziehungen zu den Mitgliedern der Kaufmannschaft gratuliert Frank Kurzhals der Kunsthalle Bremen im Handelsblatt: „Mit dem Reichtum kam schnell der Wunsch nach Distinktionsgewinn. Kunst war dafür das richtige Instrument und Gustav Pauli der begnadete Dirigent zum Nutzen der Kunsthalle. Sie konnte mit ihrer Lage weit weg von Berlin unauffälliger agieren, als seine Kollegen in der Hauptstadt. In Berlin hatte Kaiser Wilhelm II dafür gesorgt, das Hugo von Tschudy, dem Leiter der Nationalgalerie, administrative Handschellen angelegt wurden. Sie sollten ihn daran hindern, weiter französische statt deutscher Kunst zu kaufen. Bremen dagegen agierte unter dem hauptstädtischen Radar.“

True Crime-Podcasts über den Kunstmarkt stellt Philipp Hindahl im Freitag vom 5. Oktober vor: „Fälle, die auf ihre Bearbeitung als Krimistoff nur zu warten scheinen, gibt es zuhauf. Sei es der jüngst aufgedeckte Diebstahl eines Mitarbeiters im Deutschen Museum, der ein Gemälde von Franz von Stuck einfach durch eine Kopie ersetzte, um das Original zu verkaufen. Oder der Fall von Inigo Philbrick, dem jungen, charismatischen Großen Gatsby des Kunstmarkts, dessen Galerieimperium auf Betrug aufbaute und mit seiner Festnahme einkrachte. Die True-Crime-Geschichten und die angrenzende Berichterstattung haben über die Aufklärung hinaus jedoch den Nebeneffekt, dass sie Vorurteile und Klischees über die Kunstwelt bestätigen – sie sind voll mit Figuren, die gierig, neurotisch und eitel sind.“

Auch in der Schweiz macht man sich Gedanken über die Restitution von Raubkunst. In der NZZ skizziert Julien Reitzenstein die Debatte: „Und auch wenn die Schweiz nie besetzt worden war und es keine antijüdischen Gesetze gab, kamen während des Krieges und danach unzählige Kunstwerke aus jüdischem Eigentum in Schweizer Museen und in Privatbesitz. Daher ist richtig, dass gegenwärtig in der Schweiz über den zukünftigen Umgang mit Raubkunst und die Einrichtung einer Kommission beraten wird. Denn die Schweiz hat nicht nur zum Erfolg der Washingtoner Konferenz vor 25 Jahren beigetragen. Sie vermag durch die gegenwärtig diskutierten Massnahmen als Rechtsstaat ihr Verständnis von Eigentum zu kalibrieren.“

Den Diebstahl von drei Gemälden aus der Berliner Galerie Baudach meldet Monopol: „'Es fällt schwer, diesen Vorfall als Kompliment aufzufassen. Wir stehen immer noch unter Schock', heißt es von der Galerie. 'Wer sachdienliche Hinweise hat, die zur Wiederbeschaffung der Kunstwerke beitragen könnten, möge sich bitte bei uns melden. Finderlohn und Diskretion garantiert.'“

Und wieder geht eine Chefredakteurin, meldet Francesca Aton bei Artnews: „Am Montag gab The Art Newspaper den Rücktritt von [Alison] Cole nach fünfeinhalb Jahren an der Spitze bekannt. Sie wird jedoch weiterhin als editor-at-large tätig sein. Cole verlässt die Publikation, um eine neu geschaffene Strategieberatung zu leiten, die die Kunst- und Kreativbranche in Bezug im Zusammenhang mit der Kulturpolitik in Großbritannien beraten soll.“

Nicht einmal Larry Gagosian ist vor vor Entmietung gefeit, meldet Katya Kazakina bei Artnet. Der Mega-Galerist muss demnach sein prestigeträchtiges Domizil an New Yorks Upper Eastside räumen: „Einige haben sich gewundert, warum Bloomberg Philanthropies sich für 980 Madison entschieden hat, wo es doch anderswo in Manhattan so viele verfügbare - und günstigere - Büroflächen gibt. Aber es macht Sinn. Bloomberg Philanthropies bewohnt schon seit Jahren ein Haus an der Ecke Madison und East 78th Street. Bloomberg selbst wohnt in der Nachbarschaft. Und das Gebäude genießt ein hohes Ansehen.“ Eigentümerin des Gbäudes ist die Firma RFR (Rosen Fuchs Real Estate), die von Aby Rosen und Michael Fuchs gegründet wurde. Rosen und Gagosian galten bislang als Best Buddies – hinter dem Deal könnte also mehr stecken als nur Geschäft.

Nicht ganz überraschend verlässt Adeline Ooi die Art Basel-Organisation. Vivienne Chow meldet bei Artnet: „Der am Donnerstag, den 5. Oktober, intern bekannt gegebene Weggang ist der Abschluss eines bedeutenden Kapitels in der Geschichte der asiatischen Kunstwelt, das den Aufstieg der Region zu einem integralen Bestandteil des globalen Kunstmarktes mit Hongkong, der Heimat der Art Basel in Asien, im Mittelpunkt sah. Ooi sagte, dass sie sich nach ihrem Ausscheiden auf persönliche Angelegenheiten konzentrieren wird. Ihre Stelle wird nicht sofort neu besetzt werden.“ In ihrer deutschen Meldung bringt die FAZ etwas durcheinander, da Ooi bereits Ende letzten Jahres als Direktorin der Art Basel Hong Kong von Angelle Siyang-Lee abgelöst wurde. Oii blieb vorerst Director Asia.

Zum 80. Geburtstag gratuliert Georg Imdahl dem Hamburger Sammler Harald Falckenberg in der FAZ: „Falckenberg ist ein Mann, der seine Meinung ohne Umschweife kundtut und für die Kontroverse offen ist. Als Eigentümer des traditionsreichen Verlags Philo Fine Arts, der auch Anteile am Merve-Verlag besitzt, nimmt der Ehrenprofessor der Hochschule für bildende Künste Einfluss auf den Diskurs.“ Und Monopol lobt: „Dass ausgerechnet ein promovierter Hamburger Jurist und Unternehmer sich für Kunst begeistert, die dreckig, komisch, laut und hässlich ist, klingt wie ein Widerspruch. Doch Falckenberg hat keinen hanseatischen Dünkel.“

Den Tod des schwäbischen Sammlers Peter W. Klein betrauert Christiane Fricke im Handelsblatt: „Natürlich ist der Eintritt ins Museum „Kunstwerk. Sammlung Klein“ kostenlos. Geschätzt 30 bis 40 Schulen würden ihre Klassen für Workshops in das Haus entsenden, erzählte er seinerzeit. Und wenn die Schule den Schulbus nicht bezahlen könne, dann übernehme das die Stiftung. 'Das ist es, was ich wollte. Der Landbevölkerung Kunst näherbringen, ohne dass sie in die Stadt müssen.'“

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Dr. Stephan Zilkens | Zilkens Kunstversicherung