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Kobels Kunstwoche

Benzinkanister als Stolperstein? Foto wilhei via Pixabay
Benzinkanister als Stolperstein? Foto wilhei via Pixabay
Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 48 2020

Alles werde digital, so lautet verkürzt das Fazit von Christie's-Co-Präsident Dirk Bolls neuem Buch, das Sabine Spindler und Susanne Schreiber für das Handelsblatt gelesen haben: „Bolls Text ist eine Fundgrube für Menschen, die im Markt unterwegs sind. Denn er liefert nachvollziehbare Erklärungen für die neuesten Phänomene, etwa die Online Viewing Rooms. Diese virtuellen Schaufenster dienen als Messe-Ersatz. Sie funktionieren aber nur gut für Bilder und für Galerien im Primärmarkt, wo Galeristen Kunst direkt aus dem Atelier beziehen und nicht von Sammlern oder Händlern kaufen. Vor allem die Secondary Market Dealer, die wiederverkaufenden Kunsthändler, fürchteten, dass ihr Warenbestand in einem Online Viewing Room rasch 'verbrannt' wird.“

Eine digitale Verkaufsplattform names Veza für Galerien des globalen Südens organisiert die südafrikanische Goodman Gallery. Naomi Rea stellt sie bei Artnet vor, Anna Brady im Artnewspaper.

Einen frühen, aber prägnanten Jahresrückblick stellt Anna Brady für das Art Newspaper an: „War der Handel in diesem Jahr von einem prä-covidischen Rückenwind getragen, wird 2021 das Jahr sein, in dem die Krise wirklich zuschlägt, auch wenn ein Impfstoff Events wieder möglich macht. Eine Konsolidierung ist unausweichlich, und nach Ansicht des [Marktanalysten Anders] Petterson 'wird es den robusteren Galerien, den bekanntesten Künstlern und den großen Auktionshäusern gut gehen. Es sind die mittelgroßen Galerien mit hohen Fixkosten, die es schwer haben werden'. Aber Sammler kaufen nach wie vor, einige sehen es als ihre Pflicht an, aktiv Werke in Auftrag zu geben [...]. Der Kunstmarkt musste mit beiden Armen hinter dem Rücken gefesselt arbeiten. Aber er hat sich mit beispielloser (erzwungener) Schnelligkeit angepasst und sich teilweise selbst einer Überprüfung unterzogen. Jetzt könnten wir eine Verschnaufpause gebrauchen.“

Ihr Resümee für dieses und ihre Aussichten für das nächste Jahr hat Anna Brady ebenfalls für das Art Newspaper bei zehn Marktteilnehmern abgefragt.

Der Wanderzirkus der Blockbuster-Ausstellungen könnte auch nach Corona seine größte Zeit hinter sich haben, vermutet Eva Kraus, Intendantin der Bundeskunsthalle, im Gespräch mit Simone Sondermann für die Weltkunst: „On the long run müssen Museen sicherlich umdenken, denn Leihgaben aus Übersee gestalten sich immer schwieriger. Bislang ist es jedoch noch zu früh, Tendenzen zu sehen, aber auch wir haben in diesem Winter, als wir spontan das Programm ändern mussten, auf planbarere Kooperationen innerhalb Deutschlands gesetzt. Da sind auch die Budgets belastbarer.“

Die alte Präsidentin des internationalen Kritikerverbandes AICA ist auch die neue. Bei der erstmals online abgehaltenen Wahl setzte sich die brasilianische Amtsinhaberin Lisbeth Rebollo Gonçalves im zweiten Wahlgang mit 54 zu 46 Prozent gegen die deutsche Kandidatin Danièle Perrier durch, wie dem verbandsinternen Newsletter zu entnehmen ist. Die Wahlbeteiligung unter den weltweit rund 5.000 Mitgliedern der Vereinigung war mit 16 Prozent jedoch gering. Wenn sich die Kollegen nicht einmal mit wenigen Klicks zur Mitwirkung in ihrer Standesorganisation aufraffen können, muss sich niemand über die marginalisierte Rolle der Kunstkritik wundern.

Die Funktionsweise des internationalen Schiedsgerichts für Kunst erklären Yasmin Mahmoudi und Leonard Krüger in Kunst und Auktionen (kostenlose Anmeldung) : „Der Schwerpunkt des CAfA liegt in der besonderen Expertise für das Kunstrecht. Es ist daher nicht auf internationale Streitigkeiten beschränkt, sondern kann auch angerufen werden, wenn es um rein nationale Auseinandersetzungen geht. In solchen Fällen wäre dann die Verfahrenssprache deutsch und der Verfahrensort im Inland. Unabhängig davon, ob ein rein nationaler Konflikt oder der typische Fall eines grenzüberschreitenden Streits verhandelt werden soll, wird das CAfA nie von Amts wegen tätig. Die Zuständigkeit erfordert eine dahingehende freiwillige Einigung der Parteien – entweder vorab durch eine entsprechende Schiedsklausel in einem Vertrag oder ad hoc auf Initiative einer der beteiligten Parteien, wenn der Streit außergerichtlich ausgeschrieben ist.“

Über den Zusammenhang von Kunst, Geld, Vergangenheit und die vermeintliche Unschuld spätgeborener Sammler spricht Radek Krolczyk mit dem Künstler Leon Kahane in der aktuellen Ausgabe von Konkret: „Das Familienunternehmen hat mit Zwangsarbeitern ihr erstes Massenprodukt gefertigt [Benzinkanister]. Julia Stoschek kauft Kunst mit dem Geld, das genau das Unternehmen erwirtschaftet, in dem sie Gesellschafterin ist. Sie hat das Unternehmen nicht aufgebaut, aber gerade deshalb muss sie sich mit dem Erbe auseinandersetzen. Sie hätte es ja auch ablehnen können, sich in die Tradition ihrer Familie zu stellen. Man kann sich das nicht so rauspicken, wie man es gerne hätte. Das können die Familien der Zwangsarbeiter ihres Uropas auch nicht. Tatsächlich ist das in Deutschland nicht ungewöhnlich.“

Mit etwas Abstand betrachtet, relativiert sich so manches: Den bundesdeutschen Kulturhaushalt in Rekordhöhe von 2,1 Milliarden Euro lobt Catherine Hickley im Art Newspaper.

Im Skandal um Altmeister-Fälschungen, denen unter anderem Fürst Liechtenstein, der Louvre, Konrad Bernheimer und Sotheby's aufgesessen sind, ist jetzt in London ein Gerichtsurteil gefallen, über das Gina Thomas in der FAZ vom 28. November berichtet. Der Drahtzieher Giuliani Ruffini sei jedoch weiterhin in Italien: „Gegen Ruffini ist 2019 ein internationaler Haftbefehl erlassen worden. In Italien ist er jedoch wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Die italienischen Behörden haben seiner Auslieferung schließlich zugestimmt – aber erst, wenn die Steuerverfahren abgeschlossen sind.“

Die Kölnmesse beerdigt eine Traditionsveranstaltung. Die Photokina werde eingestellt, ist in einer dpa-Meldung unter anderem bei Monopol.

Das Ende des Messestandorts Basel sieht Kurt Tschan in der Basler Zeitung gekommen: „Murdoch wird in Zukunft den Gemischtwarenladen MCH Group weiter ausdünnen und sich auf die prestigeträchtige Marke Art Basel fokussieren. Das muss er sogar tun, wenn er seine Millionen in Basel nicht den Rhein runterspülen will. Das Filetstück, die Art Basel, ist inzwischen eine globale Marke, die Basel allein nicht mehr gehört. Als Folge der Klimadebatte, aber auch wegen der Corona-Pandemie und neuer Marktbedürfnisse, werden sich die Messe- und Eventbühnen der Welt zwangsläufig verschieben und nur noch dort physisch wahrgenommen werden, wo sie auch genügend finanzkräftiges Publikum anziehen. Basel hat bereits bewiesen, dass es dies nur in Einzelfällen wie der Art oder der Swissbau kann.“

An die spannenderen und unbeschwerteren Zeiten der Berliner Kunstszene erinnert sich Sebastian Preuss im Tagesspiegel anlässlich einer Erinnerungsausstellung an die verflossene Galerie September: „ Es gab in Berlin in den Zweitausenderjahren genügend Kunstorte, an denen der Puls dieser heute gern verklärten, aber doch tatsächlich auch aufregenden Transformationszeit zu spüren war. Nicht wenige der Galerien und Projekträume sind vergessen, andere stiegen zu erfolgreichen Akteuren am globalen Kunstmarkt auf. Wenn man nur einen Berliner Ort der Kunst aus diesen Jahren nennen sollte, der mit seinen überraschenden Anregungen zugleich prickelnd, warmherzig und integer war, nah an den Strömungen der Zeit, der auf lässig-intelligente Weise das verkörperte, was Susan Sontag „Camp“ nannte, der eine spezifische, seit den Achtzigern bestehende Szene der Gegenkultur versammelte, ohne in ein Retro-Gefühl zu verfallen, sondern das gemeinsam Erlebte zu aktuellen Fragen im Jetzt führte, und wo vor allem ungeheuer tolle Kunst zu sehen war – dann ist das auf jeden Fall September.“

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Dr. Stephan Zilkens | Zilkens Kunstversicherung