Kobels Kunstwoche

Maze Art Gstaad 2026; Foto Stefan Kobel
Maze Art Gstaad 2026; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 9 2026

Die internationale Pressereise zur Maze Art Gstaad bestand aus mir. Da das Format durchaus spannend ist, hier etwas mehr als der übliche Link zu Artmagazine: „Besser könnte das Timing nicht sein. Schlechter auch nicht. Das Rosey Long Weekend bringt die Alumni des wohl renommiertesten (und teuersten) Internats der Welt, des Institut Le Rosey, nach Gstaad. Ein besseres Publikum für die kleine Boutiquemesse Art Gstaad mit ihren nur rund 40 Ausstellern lässt sich kaum denken. Andererseits bedeutet das ausgebuchte Hotels und Mondpreise. Das ist allerdings nicht weiter tragisch, denn zusätzlich anreisende Sammler oder gar Kuratoren sind nicht essentiell für den Erfolg der Veranstaltung. Die Konzentration von Reichtum auf der Vernissage am 19. Februar dürfte jene der Tefaf noch übertreffen. Das Ausstellerfeld ist ebenfalls recht exklusiv.“

Sotheby's dreht an der Preisschraube, meldet Carlie Porterfield im Art Newspaper (evtl. Paywall): „Nach der neuen Gebührenstruktur von Sotheby's steigt die Käuferprovision für Verkäufe in New York von 27 % bei Losen mit einem Preis von 1 Million Dollar oder mehr auf 28 % für alle Werke, die für einen Zuschlagspreis von bis zu 2 Millionen Dollar (1,5 Millionen Pfund in London) verkauft werden. Die Käuferprovision für den mittleren Bereich bleibt bei 22 % des Zuschlagspreises, gilt aber für Lose, die für 2 bis 8 Millionen Dollar (1,5 bis 6 Millionen Pfund in London) verkauft werden. Bisher galt der mittlere Satz für Lose mit einem Zuschlagspreis zwischen 1 Million und 8 Millionen Dollar (bzw. 800.000 und 6 Millionen Pfund). Die Käuferprovision für die wertvollsten Werke, die für mehr als 8 Millionen Dollar (6 Millionen Pfund) versteigert werden, bleibt bei 15 %. Ein Sprecher von Sotheby's lehnte es ab, sich zu den Änderungen der Gebührenstruktur des Auktionshauses zu äußern.“

Die spannende Frage, was aus Auktionshäusern wird, wenn das Luxussegment die Kunstsparte überflügelt, stellt George Nelson bei Artnews: „Da Christie's, Sotheby's und Phillips stark auf ihre kulturelle Autorität im Bereich der bildenden Kunst setzen, habe ich [den ehemaligen Christie's-CEO Guillaume] Cerutti gefragt, ob ein auf Luxus ausgerichtetes Umsatzmodell diese Wahrnehmung verwässern könnte. 'Ein stärkerer Beitrag aus dem Luxussegment verwässert die kulturelle Autorität nicht', meinte er. 'Er stärkt die Rolle der Auktionshäuser an der Schnittstelle von Kunst, Kennerschaft, Kulturerbe und globalem Reichtum.' [Der ehemalige CEO von Sotheby's, Tad] Smith stimmte zu, meinte aber, die Häuser sollten vorsichtig in den Luxusmarkt expandieren, um ihr kulturelles Ansehen zu bewahren: 'Ich denke, [die Großen Drei] sind viel zu klug, um ihre Position im kulturellen Zeitgeist aufzugeben ... und daher würde ich erwarten, dass sie bei der Aufnahme von Luxusartikeln umsichtig und clever vorgehen.' Jo Vickery, die ehemalige Leiterin der russischen Abteilung von Sotheby's, war vorsichtiger. 'Die Ausrichtung auf Luxus kann sehr profitabel sein – die eigentliche Frage ist, zu welchem Preis', sagte sie gegenüber ARTnews.“

Dass derivative Wetten auf Kunst ein neuer Trend auf der Plattform Polymarket werden könnten, glaubt Kate Brown bei Artnet: „Da die großen Auktionshäuser ähnliche single owner sale wie die Leonard-Lauder-Auktion im Jahr 2026 anstreben, werde ich die Seite bei Polymarket immer wieder checken. Wird es eine Wette für den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig in diesem Jahr geben? Wahrscheinlich nicht. Aber ich glaube nicht, dass die Kunstwelt davon unberührt bleibt. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass Polymarket daran interessiert ist, seinen Tätigkeitsbereich auf einen eher kulturellen Bereich, also die sogenannte 'Kultur', auszuweiten. Der neueste Schritt ist eine Partnerschaft mit Substack, ein klares Signal dafür, dass die Plattform Ambitionen hat, Gebühren aus intellektuelleren und elitäreren Kulturbereichen des Internets zu generieren. Für eine Kunstbranche, die mindestens zehn Jahre lang mit Hyperfinanzialisierung geliebäugelt hat und in der halbwegs erschwingliche Gemälde (nennen wir sie Kunst für 1 Million Dollar und darunter) jetzt nicht mehr als Spekulationsobjekte funktionieren, wird die Versuchung echt sein. Wir wissen, dass Wetten in diesem Bereich gut funktionieren. Ich wette also, dass sie in ihrer reinsten Form wiederkehren werden: als totale Abstraktion.“

Die Rolle von Kunst in der Beziehung zwischen Jeffrey Epstein und dem Finanzinvestoren Leon Black beschreibt Ursula Scheer für die FAZ (Paywall): Die 'Black Art Foundation' sollte im Bundesstaat Delaware, einem US-Steuerparadies, verortet werden. Ob sie zustande kam, geht aus den Dokumenten nicht hervor. Dafür zeigen sie, wie intensiv der in Sachen Steuervermeidung, Nachlassregelung und Vermögensvermehrung – wozu sich Kunstdeals bestens eignen – versierte Epstein in die Sammlungsgeschäfte Blacks involviert war. Geschäftlich war Kunst für Epstein ein Asset, das zum Agieren in den Zirkeln der Reichen, Mächtigen und sich für unantastbar Haltenden, aber Erpressbaren dazugehörte. Sie gehörte am Rande zu der gewaltigen Kulissenschieberei, hinter der seine Verbrechen stattfanden. Wie Blacks Sammlung aussah, ist deshalb Nebensache. Es muss darum gehen, wer was wusste und tat in Epsteins Netzwerk.“

Wie Teile der antizionistischen Kunstszene, die jegliche Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen wegen der staatlichen Solidarisierung mit Israel offiziell ablehnen, sich sehr wohl von ebendiesem Staat fördern lassen, hat Jonathan Guggenberger akribisch für die Süddeutsche Zeitung recherchiert: „Wie wenig bedroht die Freiheit von Strike-Germany-Unterstützern tatsächlich ist – sogar verteidigt wird –, zeigen weitere Fälle aus der Bewegung. [...] Genauso traten im Februar 2025 die beiden Strike Germany unterstützenden Kuratoren Eugene Yiu Nam Cheung und Tobi Haslett bei der Transmediale auf, Cheung kuratierte das Programm. Das Kunstfestival wird von der Kulturstiftung des Bundes mit 700.000 Euro pro Ausgabe gefördert und vom Kulturstaatsministerium sowie der Berliner Kulturverwaltung mit Veranstaltungsorten versorgt. […] Haslett sprach auf der Bühne von „Zensurklima“ und bewarb Strike Germany als einzigen Ausweg. Um seinen Boykott formal einzuhalten, spendete er seine Gage an 3ezwa (vormals Berlin Legal Fund), eine Plattform für Gaza-Fundraiser und Rechtshilfe gegen Antisemitismusklagen, deren Mitgründerin Nomi Sladko online die Symbolik der Hamas verwendet und die Intifada, historisch den Mord an israelischen Zivilisten, als Widerstand feiert. Auf eine Nachfrage zu seiner Position antwortet Haslett nicht. Auch Los und Cheung schweigen.“

Wie Qualitäts- und andere Medien durch mangelhafte, schlampige oder gar keine eigene Recherche zur wundersamen Vermehrung eines Œuvre beitragen können, demonstrieren mustergültig einige österreichische Portale, die anscheinend unhinterfragt eine Agenturmeldung übernehmen, darunter der ORF, der Standard und die Kleine Zeitung (dreisterweise auch noch hinter der Paywall), die wiederum auf einem etwas blumigen Artikel im Messaggero aus Rom beruht. Demnach sollen Michelangelos nachgelassene Werke nach seinem Tod gar nicht verbrannt worden sein, will Valentina Salerno herausgefunden haben. Im Internet beschreibt sich Salerno als „Schriftstellerin, Schauspielerin, Regisseurin, Pädagogin und Kulturhistorikerin“. Sie gibt an, als Schauspielerin und Choreografin an den beiden Sky Arte-Dokumentationen „Il Mistero dei capolavori perduti“ (Das Geheimnis der verlorenen Meisterwerke) mitgewirkt zu haben. Das von ihr mitgegründete Centro Studi Michelangelo Buonarroti di Roma hat zumindest im Internet bisher keine Spuren hinterlassen, außer auf auf ihrer vor knapp einem Jahr eingerichteten Webpräsenz ohne Impressum, die nur aus einer Profilseite besteht. Dort bewirbt sie unter anderem ihren neuen Roman mit dem Titel „Virginia e il tesoro perduto di Michelangelo“. Bisher unbekannte Werke hat die Privatgelehrte, die „aus einer alten römischen Familie“ stammt, noch nicht konkret benannt. Man darf gespannt sein, wann die ersten dieser verschollen geglaubten Arbeiten im Markt auftauchen. Eine einfache Google-Suche hätte in den Redaktionen bereits die Alarmglocken schrillen lassen müssen.

Das Handelsblatt scheint seine Online-Berichterstattung über den Kunstmarkt eingestellt zu haben. Der letzte aktuelle Text stammt aus dem Geldanlage-Ressort, der letzte reguläre Text unter dem Label Kunstmarkt stammt von Anfang Januar. Eine Anfrage, ob dieser Zustand permanent oder temporär sei, hat die Pressestelle der Handelsblatt Media Group seit dem 11. Februar unbeantwortet gelassen. Sollte die Online-Berichterstattung tatsächlich nicht einmal mehr für Abonnenten zugänglich sein, ginge eine bisher maßgebliche Stimme der Öffentlichkeit weitgehend verloren.

Der Eigentümerwechsel des Art Newspapers von Inna Bazhenova zur Hongkong-chinesischen AMTD Group scheint nicht ganz reibungslos vonstatten zu gehen, berichtet George Nelson bei Artnews. Die Quintessenz des detailreichen Artikels: Man streitet sich ums Geld und trifft sich vor Gericht.

Ein bisschen Schwund ist immer. Das scheint die Haltung des Louvre im Zusammenhang mit dem jahrelangen Betrug beim Ticketverkauf zu sein, lässt sich aus einem Bericht von Tessa Solomon für Artnews schließen.