Zilkens Newsblog

Pussy Riot and Friends: Laute Poesie gegen Öffnung des russischen Pavillons - Venedig Bienale 2026 - Photo: Stephan Zilkens
Pussy Riot and Friends: Laute Poesie gegen Öffnung des russischen Pavillons - Venedig Bienale 2026 - Photo: Stephan Zilkens
Portraitfoto von Dr. phil. Stephan Zilkens

Stephan Zilkens

Newsblog 20. KW 2026

Bruno Bischofberger, einer der Wegbereiter der Art Basel, ist am Samstag im Alter von 86 Jahren verstorben. Er war einer der ganz Großen. Befreundet mit vielen Künstlern; u.a. mit Schnabel und Warhol und Wegbereiter von Basquiat. Ein leidenschaftlicher und engagierter Sammler von Schweizer Kunst des letzten Jahrhunderts. Streitbar, engagiert und mit wachem Auge. In der Alpenregion war kein halbwegs gut erhaltener und bemalter Bauernschrank vor ihm sicher. Er fuhr mit Stolz seinen Wagen mit dem Kennzeichen AI 2 - also ein Appenzeller, der sich nicht vor seiner Herkunft schämt und bei aller Weltläufigkeit nie den Boden unter den Füßen verloren hat. Unser Beileid gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden. Wir trauern mit ihnen.

Die Biennalen hat er in den letzten Jahren nicht mehr zur Eröffnung besucht. In Venedig hätte er sich vermutlich diesmal eher gelangweilt - wenig Neues unter der Sonne! Viel Videokunst, bei der man sich fragt, ob sie nicht besser auf der Film-biennale aufgehoben wäre oder bei den Oberhausener Kurzfilmtagen. Ganze Spielfilme von singenden und stammelnden Menschenansammlungen gespiegelt auf einer zweiten Leinwand mit Details daraus. Za wos brauch i des? hätte Qualtinger gefragt! Wenn ich die Leinwand nicht mitnehmen muss sind das sehr einfach zu lagernde Kunstwerke, die ewig halten, wenn sich die Speichermedien nicht ändern. Auch die Hauptausstellung "In minor keys" - also "Alles in Moll" - war eher bieder, langweilig und sicher nicht geeignet ein Kribbeln zu erzeugen, mit dem neue Entwicklungen in der Kunst nach vorne gebracht werden. Erstaunlich vielen in Amerika lebenden Künstlern (klar, allerlei Geschlechts) wurde der Weg ins Arsenale geebnet. Für manche Galerie ein zusätzliches Verkaufsargument - von kritischer Auseinandersetzung mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt, keine dramatische Spur. Die gab es fast poetisch am Mittwoch vor dem Russischen Pavillon, als Pussy Riot innerhalb von 15 Minuten, den Anblick hinter gelb/blauen Rauchfahnen verschleierten. Seit Samstag soll dann der Musik rülpsende mit Blumen geschmückte Bau geschlossen bleiben. Der Deutsche Pavillon ist gut gelungen - der Osten Deutschlands rückt ins Zentrum der Betrachtung; ist aber leider nicht selbsterklärend. Riesen Schlangen vor dem Österreichischen Pavillon, wo sich jede Stunde eine Nackerte als Glockenschlegel betätigt. Die 68er waren im letzten Jahrhundert, Nacktheit was von Nitsch, sexuelle Befreiung was Politisches - aber das? Einfach nur albern. Viele Afrikanische Pavillons außerhalb der Giardini und des Arsenale sind interessant, Ukraine, VAE, KSA, Argentinien und Bahamas sollte man sich ansehen. Und wer zu Dries van Nooten möchte sollte vorher Valium schlucke, wenn er oder sie klaustrophobe Veranlagungen hat.

A Propos Venedig und Brandschutz - zumindest nach den Deutschen Bestimmungen dürfte sich da keiner mehr aufhalten: Brandabschnitte, doppelte Fluchtwege, Kennzeichnungspflicht, Pflichtabstände zwischen Bebauungen ... ach geh! Das ist nur was für Angsthasen - und davon haben wir in der Deutschen und Europäischen Verwaltungsbürokratie wahrlich mehr als genug. Dazu fällt auf, dass ein Drittel des Budgets der Steuereinnahmen für Personalausgaben aufgewendet wird - Tendenz exponentiell steigend. 'Die Beamten fressen den Staat auf' hat der Spiegel mal vor Jahrzehnten getitelt - und behält immer noch recht! Vielleicht sollte man einfach weniger Menschen zu Jurastudium zulassen?

Die Versicherungswirtschaft kümmert sich indes wenig um die Zustände in Venedig - zum Glück darf man vielleicht sagen, sonst würden wir viele Ausstellungen nicht zu sehen bekommen und die meisten Restaurants wären geschlossen ...

Alle sprechen von Bürokratieabbau - wir merken davon wenig: Kundengespräche müssen dokumentiert werden (wir könnten sie ja behumpsen), Fortbildungszeiten getarnt als Produktschulungen diverser Anbieter müssen je Jahr mit 15 Stunden nachgewiesen werden ... Den Schweizer Kollegen geht es schlechter, die müssen sich jedes Jahr in einer Prüfung reevaluieren. Perfekt aufgezogen aber vielleicht doch ein bisschen übertrieben...

Der Konflikt zwischen USA und Iran schwelt weiter; die russische Militärparade zum 9. Mai ist denkbar dünn ausgefallen, Israel bombardiert weiter Hisbollah Stellungen im Libanon - und am Ende dieser Woche ist die TEFAF New York in vollem Gange - TEFAF als Wortmarke und nicht als Hinweis auf Europa in USA, das wäre ja noch schöner.

In diesem Sinne einen guten Start in die Woche

Ihr Stephan Zilkens und das Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker in Solothurn und Köln