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Zilkens Newsblog

Dr. Stephan Zilkens

Stephan Zilkens

Newsblog 5. KW 2024

Seit fast einem Jahrhundert stehen sich in den Giardini in Venedig die Pavillons Deutschlands und Frankreichs gegenüber und Großbritanien bildet die Klammer in der Mitte. Das ist irgendwie auch ein Bild einer alten europazentrischen Welt. Wenn man die Liste der ab April dort ausstellenden Künstler liest - Julien Creuzet für Frankreich, Yael Bartana und Ersan Mondtag für Deutschland sowie John Akomfrah für GB - dann ist allen eines gemeinsam: sie arbeiten nicht mit herkömmlichen Mitteln der Malerei oder Skulptur. Sie wollen Botschaften vermitteln, durch Wahrnehmungsveränderungen sensibilisieren - 'L'art pour l'art' war einmal. Es entsteht allerdings nur Kunst, die in öffentlichen Räumen funktioniert - für den Kunsthandel und die Galerien könnte das ein Signal sein, Biennale Künstler nicht mehr so intensiv zu entwickeln. Dabei sagt man gerade der Biennale nach eine der großen Kunstmessen zu sein. Einen Vorgeschmack auf die Arbeit von John Akomfrah konnten die Besucher der Schirn in Frankfurt bis gestern erleben, denn dort gab es eine Einzelausstellung von ihm. Parallel gibt es noch eine tolle Ausstellung von Lionel Feiniger mit sensationellen Leihgaben, die weltweit zusammengetragen wurden. Viele private Leihgaben kamen durch die Vermittlung von Moeller Fine Art.

Überhaupt hat Frankfurt kulturstarke Wochen. Barbara Klemm, langjährige Fotografin der FAZ, wird eine Ausstellung im historischen Museum gewidmet, die zeigt, wie ausdrucksstark schwarz-weiß Photographie sein kann. Ein nettes Bild von Joschka Fischer mit Helm auf der Leiter während der Studentenproteste 1968 ist auch dabei. Im Städel gibt es eine Ausstellung zu Holbein und der Renaissance, die schöne Bilder zeigt aber der es nicht gelingt herauszuarbeiten warum man gerade diese Bilder dort versammelt hat, die man sieht. Im Kellertheater, einer Initiative, die seit mehr als 25 Jahren Menschen ohne Schauspielschule motiviert Theater zu machen zeigt "die Wunderübung" von Daniel Glattauer in einer lustvoll gespielten Inszenierung, die sehenswert ist, dass gutes Theater nicht unbedingt die großen subventionierten Bühnen braucht sondern primär Lust an Sprache und Schauspiel. Ganz anders "die verlorene Ehre der Katharina Blum", die am Freitag Premiere im Schauspiel Köln hatte und bei der endlich mal wieder gut gesprochen wurde, das war es dann aber auch.

Unsere Regierungen sind ja erfindungsreich was die Bezeichnung von Gesetzen angeht. So gibt es seit 2021 das zweite Führungspositionengesetz, das im wesentlichen börsennotierten Gesellschaften Quoten für die Geschlechterverteilung in Vorständen vorgibt, um das Übermaß an Testosteron mittelfristig einzudämmen. Damit wird drastisch in die Eigentumsrechte der Aktionäre eingegriffen. So richtig dagegen vorgehen will allerdings auch keiner. Andererseits gibt es Staatsformen, z.B. östlich der Ukraine, da organisieren Staatslenker geschickt ihre Ewigkeitswerte und treten Menschenrechte mit Füssen. Gleichzeitig verbreiten sie Fake News, um den politischen Gegener zu schwächen und die werden gerne auch von Frauen in den sozialen Medien geteilt. Oder sind auch Profile schon wieder fake? Wohltuend dagegen Selensky im Interview mit Karen Miosga zur Lage der Ukraine. Man kann halt nicht im Frieden leben, wenn es dem landgefräßigen, Russischen Nachbarn nicht gefällt.

Schön zu sehen, dass sich viele Menschen öffentlich zur Verteidigung der Grundrechte in Deustchland und jetzt auch in Österreich bekennen. Wenn dann noch das Bashing durch Information und Argumente ersetzt wird, könnte sich Manches wieder zum Besseren entwickeln. Dazu müssten aber sehr viele wieder das Zuhören und Aushalten von Wahrheiten lernen.

In Deutschland endet wider Erwarten der Bahnstreik vorzeitig. Die Bahngewerkschaft hat wohl insgeheim festgestellt, dass sie bei weiterer Fortführung die Zahlung der üppigen Gehälter ihrer obersten Führungsriege riskiert. Zu Dampflokzeiten fuhren ein Heizer (Knochenjob) und ein Lokführer vorne und mit dem Technologiefortschritt fiel der Heizer weg. Es ist nur eine Frage der Zeit bis der Technologiefortschritt auch den Lokführer obsolet macht. Das wird von den Mitarbeitern der Bahn vielerorts durch Haltung und Argumente hinausgezögert. Es ist die gleiche Technik mit der das Heer von öffentlich Angestellten allerlei Geschlechts den Bürokratieabbau behindert und die Digitalisierung mit Unterstützung durch die Politik hintertreibt. In den 80ger Jahren des vorigen Jahrhunderts war eine der Fragen von McKinsey und Co.: "Stellen Sie sich vor man streicht Ihnen/Ihrer Abteilung 40% der Ressourcen, welche Tätigkeiten können Sie einstellen ohne Ihre Kernaufgabe zu vernachlässigen?" Heraus kamen dann vielleicht 25% aber die Umsetzung führte zu deutlichen Produktivitätssteigerungen und zu höherer Wettbewerbsfähigkeit. Das sollte man mal auf die öffentliche Verwaltung übertragen, dann hätte z.B. Köln in 8 Jahren weiblicher oberbbürgermeisterlicher Regentschaft nicht 6.000 Angestellte mehr als vorher (von 17.500 auf knapp 24.000) sondern vielleicht 2.500 weniger und mehr finanzielle Luft für zukunftsweisende Projekte. Zur Zeit arbeitet man lieber am Verkehrsinfarkt, der Vertreibung der Automobilindustrie aus der Stadt und der zunehmenden Verwahrlosung von öffentlichem Raum und der Museen. Am Aschermittwoch ist auch das leider nicht vorbei.

Allen eine Woche offener Kommunikation mit förderndem Erkenntnisgewinn - Kunst kaufen geht noch auf der BRAFA in Brüssel bis zum 4. Februar.

Ihr Stephan Zilkens und das Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker in Köln und Solothurn

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Dr. Stephan Zilkens | Zilkens Kunstversicherung