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Zilkens Newsblog Archiv

Newsletter 12. KW 2021

Guten Tag liebe Leser von Kobels Kunstwoche und unseres Newsletters,

heute sitzen Sie alle wieder um die Kanzlerin und wollen weiter ohne Parlamente beschließen, was mehr und mehr Menschen schwer fällt zu akzeptieren. Nach den Lockdown Öffnungen ist jetzt ein Schockdown zu befürchten, der auch wahlkampfgetrieben sein wird. Offensichtlich glauben viele, dass auch unser Wohlstand aus der Steckdose kommt. International ist eine immer größere Konzentration von Kapital bei immer weniger Unternehmen festzustellen. Das folgt sehr konsequent den Theorien von Karl Marx, der ja davon ausging, dass man den Kapitalismus dann überwinden kann, wenn sich das Vermögen nur noch in der Hand weniger befindet. Die Wirtschaftssysteme in Österreich, der Schweiz und Deutschland basieren auf der Kraft kleiner und mittelständischer, familiengeführter Unternehmen. Da ist das so nichts mit der Konzentration des Kapitals. In Deutschland (und nicht nur da) hat man zunehmend den Eindruck, dass man der Konzentration des Kapitals durch Gesetze und Verordnungen nachhelfen muss. Eine überbordende Bürokratisierung des Wirtschaftslebens macht es für kleinere und mittlere Unternehmen schwer zu überleben, geschweige denn Nachfolger zu finden, denen die Work-Life Balance weniger wichtig ist, als Kunden und Unternehmen. Auch Versicherungsvermittler müssen jetzt Erklärungen zu nachteilgen Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Produktlieferanten abgeben. Die Kontrolle schafft auf jeden Fall neue Jobs - nur an der falschen Stelle, denn sie werden aus Steuermitteln bezahlt.

Gute und nachhaltige Unternehmensführung besteht darin in regelmäßigen Abständen die bestehende Organisation und den Aufbau zu überprüfen, die Prozesse und Produkte auf Wettbewerbsfähigkeit auszurichten und die knappe Resource Kapital entsprechend einzusetzen. Das muss Berufspoltikerinnen und Berufspolitikern misfallen, denn sonst müssten sie sich bemühen Komplexität zu reduzieren, staatliche Aufgaben zu verringern und mit der Konzentration auf das Wesentliche Leitplanken zu setzen, die allen zu Gute kommen. Aber die Ressource Steuern kann man ohne große Gefahr für das eigene Mandat vergrößern - am besten mit solchen, die nur wenige treffen, z.B. die angeblich Reichen, die sowieso schon mit ca. 90% zur Finanzierung der politischen Regelungswut beitragen. Für die anderen 90% kommt der Wohlstand aus der Steckdose!

Was hat das alles mit Kunst und Kunstmarkt zu tun? Leider nur allzu viel: globales Wirtschaftsverständnis ist bei Künstlerinnen und Künstlern eher emotional vorhanden - Museumsmenschen blicken im Rahmen der ihnen gegebenen Leitplanken und Allgemeinbildung auf den Vermittlungsauftrag der sich aus dem Sammlungsgebiet der ihnen überlassenen Artefakte ergibt und müssen sich an den politischen Mehrheiten ausrichten. Nach dem neuesten Kunsthandelsreport von Claire McAndrew, den sie für UBS und Art Basel verfasst hat steigt die Bedeutung des französischen Kunsthandels auf 6% vom Welthandel, während Deutschland immer um die 2% herumdümpelt - auch Dank des Kulturgutschutzgesetzes und drohender - wenn auch verfassungsrechtlich mehr als fragwürdiger - Vermögenssteuer. Die Musik spielt aber nach wie vor in USA, GB und China.

Eine Umfrage von Artcrater unter Sammlern und Kunstkäufern Ende Februar ergab, dass die große Mehrheit den direkten Kontakt mit Kunst und Galerien vermisst und die virtuellen Plattformen nur als schwaches Interim betrachtet, dass bald beendet werden sollte. Immerhin haben sich über 1.100 Personen an dieser Studie beteiligt. Sie dürfte als representativ anzusehen sein. 53% der Befragten freuen sich auf die nächste Kunstmesse und würden dafür sogar reisen!.

Für Zensur ist hingegen die auf der öffentlichen Payroll stehende Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy - die Benin Bronzen sollen im Humboldtforum nicht gezeigt werden. Sie wären andererseits ein gutes Beispiel Auswirkungen von kriegerischen Kolonialismus zu zeigen - das geht aber nur, wenn sie in Berlin bleiben. Die Kulturstaatsministerin meint, dass man das auch in leeren Sälen machen kann. Auch eine Form von Cancel Culture. Mut hat offensichtlich keiner mehr in dieser von Moralismen aufgeheizten Debatte, die die breite Öffentlichkeit nur dann interessiert, wenn man ihr gedruckt und gesendet den Ruch von Skandal und Verwerflichkeit anhängen kann.

Mit der Freiheit der Kunst ist das so eine Sache. Kennen Sie Xavier Marabout? Ich bisher auch nicht. Der hat eine Serie von Bildern gemalt in der er Motive von Edward Hopper mit Anflügen von Mel Ramos und Tintin, der von manchem im Cancel Culture Kontext kritisch betrachteten Figur von Hergé kombiniert. Das brachte die Rechteinhaber von Hergé (Moulinsart) auf den Plan, die nun gegen die Verwendung von Tintin in der Darstellung gemeinsam mit Frauen klagen. Eine Rechtschutzversicherung würde Marabout hier vermutlich kaum helfen, bei den meisten sind Urheberrechtsstreitigkeiten ausgeschlossen.

In Berlin gab es am Samstag ein Konzert in der Philhormonie mit richtigen Menschen als Besuchern und Petrenko am Pult. Selbst Bläser durften im Orchester mitwirken. Lieber mit Schnelltest life dabei sein, als die nächste Konserve zu ertragen. Es gibt sie, die Sehnsucht nach Kultur und Begegnung, auch wenn in diesem Land der Nörgler (m/w/d) und Zukunftsangsthäsinnen (m/d) mancher Apologeth aus dem Zusammenbruch der Reservierungsserver von Museen nur mangelnde Technik aber kein Interesse herauslesen will.

Und es gibt sie noch, die Hilfe mit der keiner gerechnet hat: Das L.A: Mayer Museum in Jerusalem - das wichtigste Museum Islamischer Kunst in Israel -  wollte unfreiwillig Sotheby's zu Umsätzen mit Schätzen aus seiner Sammlung verhelfen, weil die Finanzmittel nicht reichten. Der Verkauf wurde gestoppt, weil die Al Thani Stiftung aus Qatar zu Hilfe kam. Qatar unterhält selbst ein phantastisches, von Ian Pei errichtetes, Museum islamischer Kunst, das seine Bestände mit denselben Mitteln hätte vergrößern können.

Wir wünschen Ihnen eine Woche voller Freiheit in Verantwortung - Museen und Galerien haben in Österreich und der Schweiz geöffnet, by appointment only - in Deutschland muss man wohl hinzufügen: noch -

Ihr Stephan Zilkens und das Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Köln, Solothurn und Luxembourg