Kobels Kunstwoche

Gen Z: Die Goldene Generation des Kunstmarkts? Foto Stefan Kobel
Gen Z: Die Goldene Generation des Kunstmarkts? Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 42 2026

Im Brustton der Überzeugung behauptet der Art Basel and UBS Survey of Global Collecting 2026 (PDF): „Die Generation Z gibt am meisten für Kunst aus“. Zum Realitätsabgleich: Gen Z bezeichnet die Altersgruppe der 15 bis 30-Jährigen. Das etwas schiefe Weltbild, das der Report möglicherweise vermittelt, schlägt sich auch in den Berichten über ihn nieder, etwa bei Brian Boucher für Artnews oder Carlie Porterfield für das Art Newspaper (evtl. Paywall). Den Ton den meisten Presseberichte trifft Jan Kohlhaas im Handelsblatt vom 9. Oktober: „Besonders deutlich wird der Wandel bei der Generation Z. Sie investierte 2025 und in der ersten Hälfte von 2026 durchschnittlich mehr als doppelt so viel in bildende Kunst wie ältere Vergleichsgruppen.“ Ursula Scheer schreibt in der FAZ: „Die Bereitschaft, Geld für Neuentdeckungen lockerzumachen, ist allgemein zurückgegangen. Man hält sich an Bewährtem fest, wenn die Welt- und Wirtschaftslage wackelig erscheinen. Entsprechend hat nur ein Prozent der befragten 'High Net Worth Individuals', die mehr als eine Million Dollar flüssig haben, im ersten Halbjahr 2026 mehr als eine Million Dollar für ein einzelnes Kunstwerk ausgelegt. Von denjenigen aber, die in dieser Preisklasse zugriffen, gehörte fast die Hälfte wiederum der Gen Z an. Für Geschmeide und Juwelen gaben Käufer dieser Altersgruppe mehr als fünfmal so viel aus wie ihre Elterngeneration.“ Wer nur etwas mehr als eine Million flüssig hat, wird wohl kaum die gesamte Summe in ein einzelnes Kunstwerk investieren, und welche Neuentdeckung kostet schon über eine Million Dollar? Michael Rasch versucht sich in der NZZ (Paywall) an einer Einordung: „Die UBS und die Art Basel arbeiten schon seit Jahrzehnten zusammen. Die Bank ist ein weltweit führender Anbieter bei der Betreuung von reichen und superreichen Privatkunden. Von daher hat die UBS eine natürliche Nähe zur vermutlich wichtigsten Käufergruppe von teuren Kunstwerken. Ende des zweiten Quartals verwaltete die UBS insgesamt Vermögen in Höhe von 7,3 Billionen Dollar. Viele Kunstsammler stammen aus wohlhabenden Familien und dürften daher einen Grossteil ihres Vermögens geerbt haben. Entsprechend ist die Familie laut der Studie der wichtigste Grund für den Einstieg in die Welt des Sammelns.“ Meine Gedanken zum Report habe ich für Monopol notiert.

Da habe ich offensichtlich etwas losgetreten mit meinen Berichten aus Wien. Nachdem schon deutsche, österreichische und internationale Medien den Faden aufgenommen hatten, geht Kate Brown in der englischsprachigen Ausgabe von Monopol mehr in die Tiefe: „Klar, das sind vier verschiedene Entscheidungen von vier verschiedenen Händlern. Zusammen bieten sie aber einen guten Anhaltspunkt, um zu untersuchen, wie sich der Markt weltweit verändert. Doch wir sprechen hier auch von Wien, einer Stadt, die für relativ niedrige Mieten, unglaubliche Museen, staatliche Unterstützung, ein gebildetes Publikum und Wohlstand bekannt ist. Angesichts des Zeitpunkts stellt sich die Frage: Hat Wien irgendetwas damit zu tun?“ Selbst ihren Rundgang durch die Münchner Galerien für die FAZ dekoriert Brita Sachs mit einem Seitenhieb auf Wien: „Auftritte dieser Qualität bereichern den Münchner Kunstherbst, der einmal mehr den schwer auszurottenden Ruf der Stadt Lügen straft, sie sei bis in die Kunstareale behäbig selbstzufrieden. Wenn die hiesige Szene deshalb noch vor wenigen Jahren neidvoll nach Wien schielte, hat das mittlerweile dort grassierende Galeriensterben die Bayernmetropole bislang weitgehend verschont. Allerdings dürfte Vinh Thang von der Galerie Nouveaux deuxdeux nicht der Einzige sein, der findet, es fehle an jungen Sammlern vor Ort.“

Einen Rundgang durch einige Wiener Galerien, die an Curated By teilnehmen, hat Susanne Rohringer für Artmagazine absolviert.

Der Kunst- und Kulturbericht (PDF) der österreichischen Regierung für das Jahr 2025 ist da. Den Gesamtetat des Bundes beziffert das Bundesministerium für Kunst und Kultur laut Pressemitteilung auf 623.193 Millionen Euro zur Förderung von Kunst und Kultur. Davon flossen 181.494.000 Euro in die Kunstförderung in allen Sparten und 441.699.000 Euro in die Kulturförderung, wie etwa die Basisabgeltung für die Bundestheater und Bundesmuseen. Demnach ist die Galerienförderung gesunken, wobei die Auslandsförderung tatsächlich Galerien zugutekommt, die Inlandsförderung hingegen Museen. Während die Auslandsmesseförderung von 575.000 Euro im Jahr 2024 auf 527.000 Euro zurückgeschraubt wurde, hat es die Inlandsförderung stark getroffen. Statt 750.000 Euro standen im Jahr 2024 nur noch 547.500 Euro zur Verfügung. Auch die Kunstankäufe von Bildender Kunst und Fotografie durch den Bund gingen massiv zurück. Statt zuvor 297.000 Euro wurden nur noch 257.000 Euro ausgegeben. An diese Wirtschaftsförderung einer ganzen Branche und öffentlicher Museen reichen schon die Zuschüsse für einzelne Großprojekte heran. So wurden für die Biennale di Venezia im Haushalt 2025 203.492 Euro verausgabt. Phileas -The Austrian Office for Contemporary Art erhielt 750.000 Euro, Westlicht – Verein zur Förderung der Fotografie 120.000 Euro.

Die teils gegenläufigen Entwicklungen in Londons Kunstszene thematisiert Farah Nayeri in der New York Times: „Londons Kunstszene ist die Geschichte zweier gegensätzlicher Städte: einer, in der an einem Abend Kunstwerke im Wert von über einer halben Milliarde Dollar verkauft werden können, und einer, in der namhafte Galerien pleitegehen. Vor 23 Jahren, als die Frieze Art Fair ins Leben gerufen wurde, sah die Lage noch rosiger aus: Die zeitgenössische Kunstszene der Stadt boomte, beflügelt durch die Eröffnung der Tate Modern im Jahr 2000 und den Erfolg einer neuen Generation von Talenten, bekannt als die 'Young British Artists'. Wenn man die aktuelle Lage betrachtet, 'kann man nicht sagen, dass sie fantastisch ist', sagte Iwan Wirth, Präsident und Mitbegründer von Hauser & Wirth, einer der weltweit größten Kunstgalerien, in einem Telefoninterview. 'Aber es ist auch falsch zu sagen, dass sie nicht gut ist.'“

Die Art Cologne erhält mit Prospect Cologne einen weiteren Satelliten, melde ich bei Artmagazine.

Wenn Auktionsberichte von „selektivem Bieterverhalten“ sprechen, ist das meist kein so gutes Zeichen. Bei den ersten Herbstauktionen in New York suchen Daniel Cassady und Brian Boucher für Artnews nach positiven Signalen: „Insgesamt sind diese Verkaufszahlen kaum als Entwarnung für den Kunstmarkt zu werten. Aber sie zeigen, dass Käufer wieder bereit sind, sich ein Bieterduell zu liefern, wenn das Werk und der Preis stimmen. Und anders als noch vor ein paar Jahren, als neu angesagte zeitgenössische Künstler scheinbar von einem Auktionsrekord zum nächsten springen konnten, konzentrierten sich die stärksten Gebote diesmal größtenteils auf Künstler, deren Markt sich über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat. Für einen Kunstmarkt, der einen Großteil der Flaute damit verbracht hat, den Unterschied zwischen Nachfrage und Hype zu lernen, ist das vielleicht das hilfreichere Signal.“

Jeff Koons macht einen Teil seiner Kunstsammlung zu Geld, meldet Zachary Small in der New York Times (Paywall): „In den letzten Jahrzehnten hat der 71-jährige Koons eine kleine Kunstsammlung zusammengetragen, die größtenteils in seinem Stadthaus an der Upper East Side untergebracht ist. Jetzt verkauft er neun Gemälde von Künstlern wie Picasso, Manet und dem Maler Cornelis van Haarlem aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande. Laut Christie’s, das sich weigerte, den Einlieferer öffentlich zu nennen, wird der Erlös der Sammlung auf über 100 Millionen Dollar geschätzt.“

Das Platzen einer Blase lässt Katya Kazakina bei Artnet (evtl. Paywall) Revue passieren: „[Avery] Singers großformatiges Gemälde 'Happening' wurde 2021 für einen Rekordpreis von 5,3 Millionen Dollar verkauft – in jenem Jahr, in dem ihre gesamten Auktionserlöse laut der Artnet-Preisdatenbank einen Höchststand von 21,5 Millionen Dollar erreichten. Doch dann brach der Markt ein. [...] 'Kundry' ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich der Markt verändert hat. Vor vier Jahren erzielte das Gemälde bei Sotheby’s New York 2,1 Millionen Dollar. Im Mai 2025 kam es mit einer Schätzung von 1,4 bis 1,8 Millionen Dollar erneut unter den Hammer, wurde aber zurückgezogen – was darauf hindeutet, dass es nicht genug Interesse weckte, um den Mindestpreis zu erreichen. Der Besitzer versuchte es diese Woche erneut, mit geringeren Erwartungen. Das Werk, dessen Schätzwert bei 600.000 bis 800.000 Dollar lag, wurde bei Sothebys 'Contemporary Curated' für gerade einmal 190.000 Dollar zugeschlagen [...] Das entspricht einem Wertverlust von 91 Prozent in vier Jahren, noch vor Abzug der Verkaufskosten.“

Die Schließung der Brüssler Galerie Super Dakota meldet Maximilíano Durón bei Artnews. Der Hongkong-Ableger der thailändischen Galerie Tang sei von Vorwürfen wegen Unregelmäßigkeiten begleitet, meldet Hokhang Cheung im Art Newspaper.