Zilkens Newsblog

Lempertz Brüssel; Ai Wei Wei Ausstellung gemeinsam mit Patrick Derom Gallery
Lempertz Brüssel; Ai Wei Wei Ausstellung gemeinsam mit Patrick Derom Gallery
Portraitfoto von Dr. phil. Stephan Zilkens

Stephan Zilkens

Newsblog 41. KW 2026, der 668. von allen

Mut hat er ja, der Herr Bundeskanzler! So einfach in den sonntäglichen, russischen Bombenhagel auf Kyiv dahin zu fahren, um den Ukrainerinnen und Ukrainern Deutsche Solidarität im Kampf um ihre Freiheit zuzusichern. Keiner von den Blauen und keiner von den rötlichen bis Tiefroten lässt sich da blicken. Die Farbe der Hoffnung - na? - ja Grün ist da schon eher zu sehen. Aber das negative Gebrummel aus dem Deutschen Nachrichtenwald will nicht verstummen. Kühlt doch einfach mal runter und lasst dieser mühsamen Gemengelage ein bisschen Raum. „Think Positive“ stand mal ein paar Jahre auf dem Flip Chart eines Freundes, der Finanzvorstand einer Versicherungsgesellschaft war.

Am 21. September wurde auf der Internet-Seite des Bundes folgendes veröffentlicht: "Unter Gewährleistungen versteht man Bürgschaften und Garantien des Bundes, die dieser gemäß aktuellem Haushaltsgesetz übernimmt. § 3 des aktuellen Haushaltsgesetzes (HG) ermächtigt den Bund, Bürgschaften, Garantien oder sonstige Gewährleistungen bis zur Höhe von insgesamt 1.012.710.000.000 Euro zu übernehmen. Dies kann für alle möglichen Zwecke der Binnen- und Außenwirtschaft geschehen, z.B. zur Abdeckung von Coronarisiken, von Haftpflicht-Risiken nach dem Atomgesetz oder der Sicherung von internationalen Projekten; aber auch im Bereich Kunst und Kultur wo sich der Bund für den Ersatz von Schäden, die den ausgestellten Kunstwerken zugefügt werden könnten, verbürgt." Die Hervorhebungen sind vom Autor dieser Zeilen. Sind wir reich! 1 Billion 12 Milliarden an Bürgschaften, Garantien und Gewährleitungen! Das ist doppelt so viel wie der gesamte Jahreshaushalt und das Allerschönste: Kunst und Kultur bekommen auch was ab, wenn sie was abbekommen. Nur, dass die Haftungen des Bundes in diesem Bereich eher überschaubar sind. Kunst ist teuer - liest das berühmte und vermutlich nicht mehr politisch korrekte Lieschen Müller und glaubt die Erzählung. In Wirklichkeit geht es vielen Landes- und kommunalen Museen schlecht, weil für Kultur kein Geld da ist, weil die Verwaltungs-Apparatschiks nie daran denken sich selbst überflüssig und so Mittel für Besseres frei zu machen.

Bürokratieabbau? Toll, das wollen wir alle - blöd, dass man jetzt EU-Richtlinien umsetzen muss: Haben Sie schon einmal vom VSAAG gehört? Nicht? Langfassung: Versicherungs-Sanierungs-Abwicklungs-und-Aufsichtsänderungs-Gesetz - noch längere Fassung: Gesetz zur Umsetzung der Richtlinien (EU) 2025/1 und (EU) 2025/2 zur Festlegung eines Rahmens für die Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen sowie zur Änderung des Aufsichtsrahmens für Versicherungsunternehmen! Und das Ding hat im Entwurf 206 Paragrafen! Zweihundertsechs! Kosten für die Unternehmen und für die öffentlichen Haushalte werden auch aufgeführt! Das Ding schafft Arbeitsplätze und verhindert den Abbau solcher in der Verwaltung. In einer freien Marktwirtschaft können Unternehmen pleitegehen - auch Versicherungsgesellschaften! Und natürlich hat das Auswirkungen auf die Branche und das Vertrauen der Verbraucher. Aber solche Gesetze entmündigen! Sie sorgen dafür, dass jeder meint es gäbe kein Risiko mehr. Wenn man aus persönlicher Gier (wir sind zu arm um uns billige Sachen zu kaufen hat meine Großmutter gesagt) ständig nur billig, billig geil findet und dann wenig Gegenwert erhält, ist das ganz persönliches Risiko. Und es braucht keine 206 Paragraphen und gewürfelte Folgekostenschätzungen, wenn man dem Bürger zutraut Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und, liebe Europaabgeordneten und Bürokraten - mit Weniger tut ihr Europa einen größeren Dienst als mit solcher Durchreguliererei.

Die in Sachen Kunst Reisenden hat es an diesem Wochenende zerlegt: Art Jakarta und Art Vilnius gleichzeitig! Nicht gerade die Zentren des Kunsthandels - aber toll, dass es das gibt und Menschen die Chance haben Kunst aus anderen Regionen zu erleben. Ein bisschen Lust darauf haben müssen Sie allerdings auch. Der Markt wird dadurch größer und man lernt andere Blickweisen und Kulturen kennen.

ICOM - CC (Cultural Connections) waren Mitte September für drei Tage in Oslo, um weltumspannende Themen zu diskutieren. Der jetzt verfügbare Preprint-Band der ICOM-CC-Konferenz enthält 152 wissenschaftliche Beiträge. Für unsere Themen stechen besonders Arbeiten über nachhaltigen Kunsttransport, neue Verpackungskonzepte, Risiken bei Technologieleihgaben, Krisenmanagement sowie die zunehmend schwierigen Leihverhandlungen zwischen Museen in tropischen und gemäßigten Klimazonen hervor. Allerdings sind die Aufsätze nur für registrierte Teilnehmer aktuell zugänglich. Hoffen wir mal, dass die interessierten Laien schnell darauf zugreifen können. Es könnte helfen.

Städte, insbesondere solche, die auf eine lange Geschichte zurückblicken können sind stolz darauf. Sie leisten sich Museen, in denen dieselbe wunderbar aufbereitet wird und jedem Einwohner hilft noch ein bisschen stolzer auf seinen Wohnort zu sein. - Das bindet auch an den Standort. Klar, wir wissen um die Knappheit öffentlicher Mittel - genau deshalb gibt es die Fördervereine solcher Häuser. Die Mitgliedsbeiträge sind überschaubar - meist gerade einmal 50 EUR im Jahr - aber wo sind die Mitglieder? In einer Millionenstadt finden sich gerade mal 300 bis 500 Bürgerinnen und Bürger, um außer der Reihe im Verein dem Museum der Stadt, auf die sie stolz sind, mehr Beinfreiheit zu ermöglichen. Für die Unternehmen der Stadt und ihre tragende Schicht (die gibt es, auch wenn manche das nicht sehen wollen) sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein dort Mitglied zu sein - Dann wäre man schnell bei 10.000 zahlenden Mitgliedern und das würde helfen.

Weniger hilfreich - und da sind wir wieder beim Anfang unseres heutigen Berichtes - sind die letzten Äußerungen der Ostbeauftragten der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2026, die sie sicherlich ohne Abstimmung mit dem, der die Richtlinien der Politik bestimmt, getätigt hat. Sensationelle Feststellung - Die Vermögenslage zwischen Ost und West ist durch gravierende Unterschiede geprägt. Anstatt jetzt eine Sonderwirtschaftszone für Ostdeutschland zu fordern in der unternehmerisch ohne große Schranken wirtschaftlicher Aufbau von Mittelstand (den mutigen eine Chance, aber mit persönlichem Risiko) ermöglicht wird blökt sie von Umverteilung, Erbschafts- und Vermögenssteuer und meint damit irgendetwas bewirken zu können. Sie ist damit vermutlich am Puls ihrer Partei aber nicht am Wohlstands- und Mittelstandsaufbau in den neuen Ländern dran. Es gibt immer noch Menschen, die in diesem Land den Soli zahlen. Infrastrukturmaßnahmen sind in riesigen Mengen dadurch finanziert worden - nur kein Mittelstand. Insofern wäre eine Sonderwirtschaftszone Ost ein Modell mit dem man auch die Verdrossenen zur Demokratie bekämpfen könnte - und Galerien von denen es nur in Städten wie Dresden, Erfurt und Leipzig wenige international beachtete gibt, fänden einen Nährboden sich zu gründen und zu wachsen.

In Brüssel hat die Galerie Patrick Derom gemeinsam mit dem Kunsthaus Lempertz die erste Retrospektive von Ai Wei Wei in Belgien zusammengestellt. Artist in Exile auch er -

In diesem Sinne - Licht ins Dunkel dieser Woche wünscht Ihnen Stephan Zilkens und das Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Solothurn und Köln