Zilkens Newsblog

Hommage an Claudio Biern Boyd (1940 - 2022) - Street Art Gedenken - Photo Stephan Zilkens
Hommage an Claudio Biern Boyd (1940 - 2022) - Street Art Gedenken - Photo Stephan Zilkens
Portraitfoto von Dr. phil. Stephan Zilkens

Stephan Zilkens

Newsblog 43. KW 2026, der 670. von allen

In 10 Wochen ist auch dieses Jahr schon wieder vorbei und die Kräfteverhältnisse in USA vielleicht verändert, obwohl sich die Demokraten weigern einen Präsidentschaftskandidaten sichtbar werden zu lassen. In jedem Fall sind dann (von hinten angefangen) die Kunstmessen in Antwerpen, Miami, Amsterdam, Madrid, Luxemburg, Shanghai, New Delhi, Buenos Aires, Köln, Sydney, Turin, Toronto, Paris und Zürich gelaufen und man wird einen Eindruck haben, wie stabil der Markt ins nächste Jahr gehen will. In Paris verzerren sich gerade die sonst so positiven Signale, weil die von radikalen Kräften okkupierten Proteste, beginnen Sammler von ihren Reiseplänen abzubringen. Vielleicht besinnt sich die Art Basel doch auf ihren ursprünglichen Standort. Die Schweiz ist länger demokratisch als die Franzosen Revolution buchstabieren können.

Europa freue dich! Zum 2. Oktober 2031 soll es die elektronische Ausfuhrgenehmigung von Kulturgütern geben. Dann hat jedes Werk eine EORI-Nummer (hä?) die im AKG-System stehen muss. Vorteil: einmal genehmigt kann ein Werk zu mehreren Ausstellungen innerhalb Europas reisen ohne, dass jedes Mal ein riesiger Papierberg ausgefüllt, von Abteilung zu Abteilung herumgereicht, gestempelt, mit Apostillen versehen werden muss. Wer die Abkürzungen nicht versteht: EORI = Economic Operations Registration and Identification und AKG = Ausfuhr von Kulturgütern. Bitte haben sie Verständnis für die Verwaltungen: Jeder braucht sein kleines Geheimnis, das verhindert den Abbau von Planstellen.

DNA hat bei der Aufklärung des Diebstahls aus dem Renoir Museum in Cagnes-sur-Mer geholfen schreibt das Art Newspaper. Die Täter waren bisher im Umfeld von Drogenhandel, Geldfälschung und schwerem Raub unterwegs. Es gab wohl keinen Master Mind dahinter und auch keinen klaren Plan, was man mit der Beute machen wollte. Man schien aber schon weitere Pläne zu haben, denn die Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence hatten die Täter schon ausgespäht. Damit werden die Herausforderungen für Museen in Sachen Schadenverhütung weiter zunehmen und die an Nachhaltigkeit interessierten Versicherer werden sich sehr viel detaillierter um die Sicherungsmaßnahmen der Institutionen kümmern müssen.

Klimatische Risiken gelten in der Kunstversicherung in der Regel als Ausschluss. Nicht die Folgen des Klimawandels in Form von Starkregen, Wirbelstürmen, Hochwasser und teilweise Sturmfluten, die sind normalerweise versichert im Rahmen der Allgefahrendeckung. Innerhalb von Gebäuden gibt es allgemeine Vorgaben hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit, um Kunstwerke konservatorisch in Stand zu halten. Meist um die 50% Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 19 und 22 Grad Celsius. Jetzt gibt es eine Untersuchung der Auswirkung zum Mikroklima des nationalen historischen Museums in Athen und es scheint als reagierten die Materialien der Kunstwerke unterschiedlich auf die Verhältnisse. Zwei Indikatoren wurden herausgearbeitet: HMR oder Heritage Microclimate Risk und PRD Predicted Risk of Damage - also die Vorhersage potentiell entstehender Schäden. Vielleicht ist das ein Ansatz einen messbaren Auslöser und damit eine Grundlage für Versicherbarkeit zu schaffen.

Der Gerling war ein Versicherer, der sich immer sehr stark an den Bedürfnissen seiner Kunden ausgerichtet und zur Verzweiflung seiner Wettbewerber Dinge in die Bücher genommen hat, die Innovation in der Branche förderte. Zum Schutz seiner Kundenbeziehungen hatte der Gerling früh eine kleine aber exklusive Kunstabteilung ins Leben gerufen. Nach 31 Jahren verlässt am kommenden Freitag Birgit Hirtz-Schilling den Kunstbereich des HDI, der bekanntlich Gerling übernommen hatte, und geht in den sehr verdienten Ruhestand. Wir gratulieren zu sehr erfolgreichen Jahren im Beruf, der auch Berufung war.

Und dann gibt es da noch etwas auf lokaler Ebene, wo auch nicht alles zum besten um die Kultur bestellt ist, weil lokale Verwaltungen völlig überfordert sind, wenn es um die Kürzung von Budgets geht - dabei ist es so einfach: im Schnitt kostet jede Stelle in der öffentlichen Verwaltung auf Vollkostenbasis ca. 100.000 € p.a.. In den letzten 10 Jahren wurden in Köln ca. 6.000 Stellen angebaut oder 600 Millionen € zusätzlich jährlich wiederkehrender, erforderlicher Mittel vom Steuerzahler. In Köln klüngeln Grüne, SPD und CDU das städtische Budget auf Vorschlag der Verwaltung unter sich aus. Aus Sparüberlegungen möchte man jetzt das Römisch-Germansiche Museum (RGM) heimatlos machen und den Mietvertrag des Interims kündigen, um 500.000 EUR im Jahr zu sparen. 5 nicht neu besetzte Stellen im öffentlichen Dienst kämen zum gleichen Ergebnis und man würde es nicht merken. Aber auf die Idee kommt schon seit Jahren keiner. Mal sehen wann das letzte Museum in Köln aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwindet? Denn Bauverzögerung ist beliebte Praxis in Köln, wie diverse Museen und Theaterbauten Zeugnis ablegen können.

Allen eine gute Woche - vielleicht sieht man sich auf dem Art Salon in Zürich?

Stephan Zilkens mit dem Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Solothurn und Köln