Stephan
Zilkens
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Newsblog 44. KW 2026, der 671. von allen
Wie Sie vielleicht bemerkt haben, hat im ersten Versandversuch der Fluch der PHP-Sicherheitslücken zugeschlagen und die Bilder verschluckt. Deshalb versuchen wir es jetzt noch einmal.
Paris ist immer auch Anziehungspunkt für Kreative. Vielen, die kleinere Läden betreiben, wurde in der vergangenen Woche die Existenzgrundlage durch marodierende Politaktivisten und gewaltbereite Neufranzosen jedweden Geschlechts und Alters zerstört. Den berechtigten Anliegen der Demonstranten erweist das einen Bärendienst. Es geht nicht mehr um schlechte Bildung - von der es auch in Deutschland mehr als genug gibt - sondern um die Frage, wie man die Bevölkerung vor solchen Exzessen schützen kann. Das ist auch ein Thema für die Versicherungswirtschaft, denn die meisten Geschäftsversicherungen decken benannte Gefahren und grenzen die Umstände eines versicherten Ereignisses ein. Versichert ist zum Beispiel Einbruchdiebstahl - es muss also zuerst ein Einbruch erfolgen bevor etwas gestohlen wird. Dann ist auch der Vandalismus in Folge des Einbruchs versichert. Viele Unternehmen in ruhigen Nebenstraßen hatten nicht damit gerechnet, dass sie Ziel wahlloser Gewalt werden würden und ihre Geschäfte geöffnet. Im Ergebnis fragt sich, ob die Plünderungen ohne vorhergehenden Einbruch nach dem Rechtsverständnis der die Schadenregulierer unterstützenden Juristen ein versichertes Ereignis ist? - Galerien und Kunsthandlungen sind in der Regel besser dran, denn sie haben normalerweise eine Allgefahrenversicherung in der auch Folgen von Streik, Aufruhr und inneren Unruhen mit versichert sind. In Englischen Bedingungswerken werden die Gefahren „rebellion, revolution, insurrection“ getrennt behandelt. Die bisher belegten Ereignisse sind zunächst als Unruhen beziehungsweise „émeutes“ oder „riots and civil commotion“ zu prüfen. Für die Annahme eines ausgeschlossenen Aufstands reicht es nicht, dass Demonstranten den Rücktritt der Regierung verlangen, Rathäuser angreifen oder die Polizei zeitweise die Kontrolle verliert. Dafür müssten die zusätzlichen Merkmale des jeweiligen Ausschlusses nachgewiesen werden. Einzelne Umsturzparolen erlauben noch keine entsprechende Einordnung des gesamten Geschehens. Die Versicherungswirtschaft rechnet mit Milliardenschäden in Frankreich. Aber auch in Italien, Spanien, Portugal und Albanien mehren sich die Proteste gegen steigende Lebenshaltungskosten und Wohnungsnot. Bauen ist nicht nur in Deutschland zu komplex und bürokratisch und damit zu teuer geworden. Durch Vergesellschaftung entsteht nicht eine neue Wohnung. ...
Mal was anderes: Wir haben tolle öffentliche Museen in Deutschland. Manche von denen versichern auch ihre Bestände und schreiben die Dienstleistung regelmäßig aus. So jetzt auch die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit ihrem legendären Bestand an Werken von Kandinsky, Beckmann, Kirchner, Picasso, Klee, Matisse, Braque, Leger, Ernst, Pollock, Rothko, Warhol, Richter und vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern, die man im K20 und K21 bewundern kann. Vieles davon ist in den 60ger und 70ger Jahren durch Werner Schmalenbach mit Mitteln des WDR und der Landesregierung NRW angeschafft worden. Wie viel das Land dafür dort und an anderen Häusern für Kunstankäufe ausgegeben hat sollte ich 1975 als Werkstudent mal zusammentragen. Im damaligen Kultusministerium gab es an verschiedenen Stellen Hinweise über die einzelnen Werke. Selten war aber der finanzielle Beitrag des Landes in den Akten zu finden. Das lief wohl letztlich über andere Kanäle. Mein Vorschlag die jeweils bedachten Museen anzuschreiben, um die Höhe des Betrages in Erfahrung zu bringen, wurde entgegengenommen. Man werde dazu entscheiden und sich wieder bei mir melden. Zum Glück habe ich eine andere Beschäftigung gefunden - sonst würde ich immer noch warten.
Zurück zur Ausschreibung: Die Ausschreibung spricht von einer Gesamtversicherungssumme von 600 Mio. EUR von denen 150 Mio. auf Erstes Risiko versichert werden sollen. Einzig der Preis soll zu 100% über den Zuschlag entscheiden. Die Erstrisikosumme kann mancher Versicherer zu 100% ohne Beteiligte stemmen - oder wie man so schön sagt: vom Markt nehmen. Am 23. Oktober wurde die Ausschreibung veröffentlicht. Am 13. November müssen die Angebote vorliegen - Nicht viel Zeit bei der Komplexität des Risikos - und in Kenntnis einer für 2026 zur Verfügung stehenden Gewährleistung des Landes NRW bis zu 110 Mio. für Dauerleihgaben und 700 Mio. für Ausstellungen - EUR natürlich. Im Haushalt 2027 dürften ähnliche Summen stehen. Wie soll ein Versicherer unter diesen Voraussetzungen seriös in der kurzen Zeit zu einer fachlich sauberen Beurteilung kommen, die im Ergebnis seine Aktionäre mit 150 Mio. EUR ins Risiko bringt. Wie will er/sie die notwendigen Beiträge für Transporte und Ausstellungen kalkulieren, wenn parallel eine Staatshaftung von beträchtlicher Größe existieren kann? Gilt dann die Staatshaftung vorlaufend als Selbstbehalt? Sind Schadenereignisse, wie sie in diesem Jahr in verschiedenen Museen eingetreten sind im Sicherungskonzept des Museums berücksichtigt? Wann ist das Konzept das letzte Mal überarbeitet worden? Und sind die angenommenen Versicherungssummen überhaupt marktkonform? Was ist mit Schäden größer 150 Mio. EUR, die durch Feuer oder Vandalismus oder museumsinterne Transporte entstehen können? Wie sind die Summen gebildet? Auf Basis der Einkaufswerte von 1965? Was will der Eigentümer des Museums (die Bürgerinnen und Bürger des Landes) mit der Entschädigung im Schadenfall erreichen? So wirtschaftlich und kulturell stehen, wie er ohne Eintritt des Schadens gestanden hätte? Das heißt vergleichbare Qualität am Markt erwerben können? Dann dürften die Versicherungssummen grotten falsch sein. Die Kunstsammlung verfügt über mehr als 1.000 Kunstwerke, von denen man 393 mit Hilfe von KI im Netz finden kann. Jackson Pollocks Number 32 kann man heute locker zwischen 160 und 230 Mio. EUR bewerten ohne rot zu werden. Matisse' Interieur rouge von 1947 zwischen 60 und 100 Mio. EUR. Gleiches gilt für Kandinskys Komposition IV von 1911. Mit drei Werken sind wir also schon bei 430 Mio. EUR. Indiz genug, dass die 600 Mio. EUR Gesamtsumme aus dem vorigen Jahrhundert stammen. Die Erstrisikosumme ist nicht geeignet ein auf einen Raum begrenztes Schadenszenario finanziell auszugleichen. Eigentlich ist die Zeit für Prestigerisiken vorbei. Auch die Kunstsammlung sollte ihre Risikoeinschätzung noch einmal überprüfen. Was jetzt ausgeschrieben ist, scheint vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklungen nicht geeignet ausreichenden Schadenersatz im Teil- und Totalschadenfall erwarten zu lassen. Manchmal ist es dann besser gar nicht zu versichern und auf die Geduld des Steuerzahlers zu hoffen.
Womit wir bei der Diskussion um die zukünftig verpflichtend werdende Elementarschadenversicherung für Gebäude sind. Es gibt jetzt einen Entwurf der Bundesregierung, der Eckpunkte vorgibt in denen sich die Versicherungswirtschaft bewegen kann. Interessant ist die aktuelle Durchdringung: In Deutschland sind schon rund 59 % der Wohngebäude gegen Elementargefahren wie Überschwemmungen versichert, wobei sich die Versicherungsdichte regional stark unterscheidet – von 39 % in Mecklenburg-Vorpommern bis 94 % in Baden-Württemberg. Vorurteile zu Landsmannschaften einfach stecken lassen ... . Jetzt muss jeder - kann aber auch darauf verzichten, wobei er dann im Schadenfall nicht mehr mit staatlicher (also dem Geld des Steuerzahlers) Hilfe rechnen kann. Mal sehen, wie laut dann das Geheule wird, wenn es mal wieder über Gebühr regnet ... .
Und dann gab es noch in Zürich den Art Salon - nach Basel und Genf die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst in der Schweiz. Für die Schweizer war die unfreiwillige Abkürzung in Paris von Vorteil - es kamen viele Menschen, nicht nur zur Eröffnung sondern auch während der anderen Tage und die Galeristen berichteten durch die Bank von guten Verkäufen im Segment bis 50.000 CHF. Unsere Schweizer Gesellschaft war unter den Sponsoren für die Messe ebenso wie Helveti und Aston Martin.
Viel Versicherung heute - aber bei der aktuellen Weltlage ist darüber zu schreiben ersprießlicher als seiner Verzweiflung über innen- und außenpolitischen Themen Ausdruck zu verleihen.
Stefan Kobel hat viel zu den Pariser Ereignissen der letzten Tage im Anschluß. Vielleicht ist Basel doch der sicherere Standort für die Art, auch wenn den Amerikanern das Pariser Flair fehlt?
Allen eine erfreuliche Woche - in 9 Wochen ist Weihnachten.
Stephan Zilkens mit dem Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Solothurn und Köln